Damit Lorch Lebensqualität lebt

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Weil wegen der Corona-Pandemie große Projekte mit viel Bürgerbeteiligung noch warten müssen, hat Lorchs neue Bürgermeisterin Marita Funk einige kleinere angestoßen.

Lorch

Ich bin zufrieden", sagt Marita Funk über ihre ersten 100 Tage als Lorcher Bürgermeisterin. "Es macht Spaß, dass man gewisse Themen setzen kann." Und eine Herausforderung sei es allemal, sich mit den neuen Strukturen, Kollegen und Rahmenbedingungen zurechtzufinden, zumal die mit der Corona-Pandemie verbundenen Maßnahmen viel Kraft kosten. "Dafür haben wir einiges auf den Weg gebracht", meint Funk. So könne die zentrale Vergabe für Kindergartenplätze über die Verwaltung im Kindergartenjahr 2021/22 starten. Dazu gebe es voraussichtlich im Herbst eine Infoveranstaltung für Eltern.

Was Funk in ihren ersten 100 Tagen gleich verändert hat: die Informationskanäle, über die Bürger Aktuelles von der Verwaltung erfahren. Das betrifft sowohl den Internetauftritt www.stadt-lorch.de als auch "bisher nicht genutzte Kanäle", Facebook und Instagram, auf denen Funk etwa auf anstehende Bauarbeiten hinweist. Und das Mitteilungsblatt. "Das muss man umgestalten", hatte sie bei dessen Anblick gesagt. Auf vielfache Kritik fassen nun die Protokolle von Gemeinderatssitzungen in Kurzform Diskussionspunkte und Ergebnisse zusammen und können so zeitnah erscheinen. "Das kam sehr gut an."

Was warten muss

Was coronabedingt nicht so gelingt, wie Funk es sich wünschen würde: der Kontakt mit den Bürgern. Darum konnte sie mit einem ihrer Wahlkampfthemen noch nicht starten: Der Stadtentwicklungsplan, bei dem es darum geht, wie sich Lorch zukünftig lebenswert gestalten lässt, müsse ein, zwei Jahre warten. "Da muss man gut beteiligen können", sagt Funk. Die Bürger sollen mitreden, etwa in Workshops, wenn's etwa um den öffentlichen Nahverkehr oder ums Wohnen geht, "oder warum nicht mal online", wenn das Thema Digitalisierung ansteht. Die Breitbandversorgung ist noch so ein Wahlkampfthema. So erzählt Funk begeistert, dass die Stadt zum vom Bund bewilligten Förderantrag über 1,47 Millionen Euro – 50 Prozent der Ausbaukosten – nun einen zweiten Antrag beim Land stellen will, um weitere 40 Prozent bezuschusst zu bekommen. Bis die Bürger davon profitieren, werde es drei bis vier Jahre brauchen, schätzt sie.

Funk will 2020 "nutzen als Orientierungs- und Konsolidierungsjahr für die Verwaltung". Zum einen habe sie der Haushalt überrascht. "Die Stadt steht finanziell nicht so gut da, wie angenommen wurde", hatte sie in ihrer Haushaltsrede im Mai gesagt. Denn durch die Umstellung auf doppische Haushaltsführung haben sich mehr Abschreibungen ergeben, außerdem spiele die Corona-Krise eine Rolle.

Spielt keine Rolle,

Marita Funk (29), Bürgermeisterin, über ihr Alter

Die Jüngste im Gremium

Auf den Prüfstand soll auch die Arbeit der Verwaltung. Ein externer Fachmann soll herausfinden, ob die Tätigkeiten in ihrer aktuellen Aufteilung effizient ablaufen und ob möglicherweise mehr Mitarbeiter gebraucht werden. Der Gemeinderat sei dabei wie insgesamt "offen und konstruktiv". Dass sie, wie der stellvertretende Bürgermeister Dr. Dietmar Hermann bei ihrem Amtsantrittscherzhaft gemeint hatte, mit ihren 29 Jahren das Küken im Gremium sei, "spielt keine Rolle".

Freude an kleinen Dingen

Laufen die großen Projekte noch nicht, sind es "kleine Dinge, an denen man sich erfreut", sagt Funk. Das erste Beteiligungsprojekt etwa, bei dem Bürger Ideen zur Umbenennung von Plätzen und Sälen beisteuern konnten. So heißt der Sitzungssaal nun Staufersaal, der große Saal im Bürgerhaus Hans-Kloss-Saal, der ehemalige Oria-Platz am Rathaus ist nun der Kastellhof. Dort sprudelt nach langer Zeit auch wieder der Brunnen, was gut ankomme bei den Bürgern, wie Funk beim Blick aus ihrem Dienstzimmer beobachtet. Die kleinen Dinge eben. Zu denen Funk ein Slogan eingefallen ist, der fast nach einer Marke für die Stadt klingt: "Lorch lebt Lebensqualität." Das erlebt die Bürgermeisterin etwa, wenn sie am Wochenende mit ihrem Partner von Bartenbach zum Remsmittelpunkt, einem ihrer neuen Lieblingsplätze, radelt und sieht, dass Besucher sich dort gerne aufhalten. Die ehemalige Wäschenbeurer Hauptamtsleiterin pendelt noch immer zur Arbeit nach Lorch. Die Suche nach einer Bleibe laufe auf lange Sicht. "Wir wollen gleich was kaufen", sagt Funk, "weil's uns hier so gut gefällt".

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