Das Penizillin der Bauern von einst

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Gästeführerin Anneliese Welz erklärt als Magd Anna den Besuchern im Kloster Lorch nicht nur die verschiedenen Kräuter und deren Heilwirkung, sondern auch die Bedeutung der Klostergärten von einst.
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In den Sonderführungen am Kloster Lorch spielen die Klostergärten eine besondere Rolle. Magd Anna nimmt die Gäste mit ins Mittelalter und erklärt Kräuter und Pflanzen.

Lorch

Wenn Anna, Magd des Herrn von Walthusen, ihre Gäste zu einer Führung im Garten des Klosters Lorch begrüßt, beginnt eine Zeitreise. Nicht nur der Meerrettich als Pflanze des Jahres ist Thema, die Magd des Herrn entführt in weit zurückliegende Zeiten und lässt das Leben der Mönche im Kloster Lorch lebendig werden.

Die 900 Jahre alte Klosteranlage war schon 1060 im Besitz der Hohenstaufen. Damals wollte die Herrscherfamilie auf dem „Liebfrauenberg“, wie er zu Ehren der Jungfrau Maria und Mutter Gottes genannt wurde, als Zeichen ihrer Macht ein Kloster mit einer Grablege erbauen. Man wünschte sich einen Ort, an dem für die Verstorbenen alles getan wurde, um in den Himmel zu gelangen und dort zu bleiben. Ein Kloster, in dem Mönche acht Mal am Tag in der Kirche für das Seelenheil der Hohenstaufen beten, war ein Garant dafür. Die Klostergründung erfolgte im Jahr 1102, nach 38 Jahren waren Anlage und Kirche fertiggestellt. Die ersten Mönche kamen aus Hirsau. Es waren Benediktiner, deshalb ausgewählt, weil sie besonders strenge Regeln befolgten.

Dort, wo man heute die Klosteranlage betritt, lag der Wirtschaftsbereich des Klosters. Dann folgte der in sich geschlossene Konventbereich der Mönche. „Für den Heiligen Benedikt war es wichtig, dass seine Mönche nicht mit der bösen Welt in Verbindung kommen mussten“, so Anna, die Magd des Herrn, „ihnen war nur eine Frau erlaubt: die Mutter Gottes, die Schutzpatronin aller Benediktiner-Klöster.“

Die Klosteranlage war mit einem vierteiligen Garten angelegt. Wo heute Laubbäume wachsen, lag damals der Obstgarten mit vielen Sorten und Beerensträuchern. Dort war auch der Friedhof für die einfachen Mönche, die höher gestellten wurden in der Tumba der Kirche beigesetzt.

Als weiterer Teil ein Garten der Kontemplation. „Heute würde man ihn meditativen Garten nennen“, erläutert die Gästeführerin. Ein grüner Garten, der eigentlich innerhalb des Kreuzgangs hätte platziert sein müssen, was man bei der Neuanlage in den 1970er-Jahren nicht berücksichtigt habe. Das Tor zum grünen Garten nimmt gleich Bezug auf die Bibel mit einem Weinstock, der sich über das Eingangsgerüst rankt, und einem Wasserteich als Symbol für „Jesus Christus, Quelle des Lebens“. Zu früheren Zeiten befand sich an der Kirche das Wasser: ein Brunnen, an dem sich die Mönche vor Betreten der Kirche Hände und Füße reinigten.

Als vierter Teil ein großes Areal mit Gemüsebeeten, Kräutern und Blumen. „Warum brauchten Mönche einen Blumengarten?“, fragt Anna ihre Gäste. Hier, erläutert die ehemalige Krankenpflegerin Anneliese Welz alias Anna, wurden schlechten Gerüchen als Verursachern von Krankheiten gute Gerüche gegenübergestellt. Gute Gerüche schlugen auch Dämonen in die Flucht, vertrieben Geister und Elemente der Natur. Deshalb wurden als Gegenpol Blumen und Kräuter in Sträußen gemischt in Kirche, Spital, Speise- und Schlafsaal aufgestellt.

Eine einstündige Führung in vergangene Zeiten voll spannender Informationen, wie Kräuter zur Genesung bei leichten Erkrankungen helfen, wie Zimbelkraut mit viel Vitamin C, und Gänseblümchen, entstanden aus Tränen Marias auf der Flucht nach Ägypten. Oder Meerrettich, das bäuerliche Penizillin von einst, dem die Universität Freiburg wissenschaftlich nachgewiesen hat, dass es 13 gefährliche Erreger und multiresistente Keime bekämpft. Zum Abschluss die Verkostung von Meerrettich-Honig zur Vorbeugung der Erkrankung der Atemwege.

Die Sonderführung „Meerrettich – Pflanze des Jahres“ im Kloster Lorch gibt es noch am 7. August, 21. August und 4. September, jeweils um 14 Uhr. Eine Anmeldung ist nötig per E-Mail an: info@kloster-lorch.com.

Gute Gerüche schlugen Dämonen in die Flucht.“

Anneliese Welz, Gästeführerin

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