Der verspätete Spielplatz

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Was lange währte, ist jetzt doch gut geworden. Der neue Spielplatz am Lorcher Remsgarten.
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Der Spielplatz am Lorcher Remsgarten hat eine wechselvolle Vorgeschichte - jetzt ist er fertig, zwei Jahren später als anfangs geplant. Der Kletterwald kostet 48 000 Euro.

Lorch

Mit nackten Füßen, die Hose bis zum Knie hochgekrempelt staksen zwei kleine Mädchen zufrieden im Sand umher. Ihre Mütter stehen auf der gepflasterten Fläche und beobachten sie lächelnd. Weiter hinten jagen drei Jungs über Kletternetze bis zu einer Plattform hinauf. Dort angekommen werfen sie sich nacheinander in die silberne Rutsche und rennen erneut zum Klettern. Der neue Spielplatz am Remsgarten südlich des Lorcher Bürgerhauses macht Kindern an diesem Nachmittag sichtlich Spaß.

Entwurf von Franz Reschke

Bürgermeisterin Marita Funk hatte die Spielfläche Anfang Mai freigegeben, die nach dem Entwurf des Landschaftsarchitekten Franz Reschke umgesetzt worden war. Der Berliner war auch für die Neugestaltung des Oriaplatzes und des Remsgartens verantwortlich.

Während das Areal rund ums Bürgerhaus pünktlich zur Remstal-Gartenschau im Mai 2019 fertig wurde, gelang das für den dort geplanten Spielbereich nicht. Tatsächlich stellte die Stadt zwar einige Spielgeräte auf. Doch die waren nur Platzhalter für den Kletterwald, wie Franz Reschke seinen Spielplatz-Entwurf nannte. Dass dieser nicht rechtzeitig fertig war, lag wohl hauptsächlich an der späten Inangriffnahme. Erst im Januar 2019 diskutierte der Gemeinderat über den Vorentwurf Reschkes. Und zwar sehr ausführlich, denn der Vorschlag gefiel nicht allen. Zu wenig Spielmöglichkeiten und insgesamt zu klein, befand eine Mehrheit. Schlussendlich sollte Reschke seinen Entwurf überarbeiten und im Februar noch einmal vorstellen. Sollte der Rat dann dafür stimmen, mutmaßte der damalige Bürgermeister Karl Bühler noch, sei der Aufbau noch rechtzeitig möglich.

Tatsächlich zeigten die Räte sich im Februar begeistert über die Änderungen des Planers, dank Hängematte, Schaukelnetzen und vor allem der neu eingefügten Röhrenrutsche. Auch der doppelte so große Sandkastenbereich gefiel. Die Zustimmung erfolgte, bei veranschlagten Kosten in Höhe von 57 000 Euro.

Der Paukenschlag folgte Anfang April, als die Verwaltung bekannt gab, dass tatsächlich mit 112 000 Euro gerechnet werden müsse. Deswegen, und auch um die Gastronomie am Remsgarten nicht mit Bauarbeiten zu stören, schlug der Schultes vor, den Spielplatz erst nach der Gartenschau zu bauen. Das wollte jedoch die Mehrheit im Gremium nicht: Man suche auf jeden Fall Spielgeräte für die Schau aus und diskutiere Reschkes Spielplatz später, lautete die Entscheidung. Doch auch daraus wurde erst einmal nichts, mutmaßlich wegen langer Lieferzeiten der Geräte. Zwei Wochen später schlug Bürgermeister Bühler eine Alternative vor: Der Künstler Andreas Welzenbach könne ein Kunstprojekt mit Jugendlichen während der Gartenschau umsetzen, aus dem ein Spielbereich hervorgehen solle. Schockiert zeigten sich die Räte allerdings wegen der Kosten in Höhe von 55 000 bis 60 000 Euro, die Welzenbach angab. Der Kreis würde 25 000 Euro zuschießen, so die Verwaltung. Das Gremium stimmte dem Vorhaben nach heißen Diskussionen zu, versteifte sich aber auf die Forderung nach temporären Spielgeräten.

Standort für bisherige Geräte

Rutsche, Nestschaukel und Spieltürme wurden Mitte Juni aufgebaut, doch Welzenbachs Workshops hatten nicht viel Zulauf. Und sein dreiteiliges Figurenwerk, das erst im Dezember 2019 am jetzigen Standort hinterm Bürgerhaus aufgebaut wurde, spaltet seither die Meinungen.

Im Oktober 2020 vergab der Verwaltungsausschuss schließlich die Arbeiten für Reschkes Kletterwald. 48 000 Euro habe dieser nun gekostet, sagt Bürgermeisterin Funk. Wo die abgebauten Spielgeräte wieder Verwendung finden sollen, stehe noch nicht fest. Funk plane, in der nächsten Zeit zusammen mit Stadtbaumeister Achim Waibel verschiedene Orte anzuschauen, wo ein Aufbau möglich wäre.

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