Die Pandemie schweißt zusammen

+
So anstrengend die zurückliegenden Monate aufgrund der Corona-Pandemie auch waren, Pflegefachkraft Hannes Schaaf und Altenpflegerin Stefanie Wuschko machen ihren Job sehr gerne.
  • schließen

Stefanie Wuschko und Hannes Schaaf mögen ihren Beruf und erzählen von ihrer Arbeit für die Evangelische Heimstiftung im Pflegeheim in der Lorcher Klosteranlage.

Lorch

Erleichterung spürt man im Gespräch mit Hannes Schaaf und Stefanie Wuschko, und auch Freude am Job. Zu hören sind aber auch Wünsche und Visionen. Der Hausdirektor und die Pflegefachkraft arbeiten für die Evangelische Heimstiftung im Pflegeheim in der Lorcher Klosteranlage. „Ich bin erleichtert, dass wir bisher so gut durch die Pandemie gekommen sind“, sagt Schaaf. Keinen Corona-Ausbruch habe es bislang unter den 34 Bewohnern oder den 45 Angestellten gegeben. Zwar bedeute die Pandemie mehr Aufgaben im Alltag. Etwa das tägliche Testen vor Arbeitsbeginn. „Dazu mehr Dokumentation, mehr Meldungen, mehr Richtlinien, an die wir uns halten müssen.“ Doch der Spaß an der Arbeit habe darunter nicht gelitten, sagt der 30-Jährige, der Hausleitung und Pflegedienstleitung in Personalunion erfüllt.

Auch Stefanie Wuschko betont: „An meiner Einstellung zum Job hat sich absolut nichts verändert.“ Den mache sie immer noch sehr gerne. Die 35-Jährige wollte Altenpflegerin werden seit ihrer Oma gestorben war. „Ich wollte herausfinden, was hinter ihrem Krankheitsbild steckte.“ Wer sich für einen Beruf in der Altenpflege entscheide, der wisse einfach, warum er oder sie das tut. „Was man macht, ist viel, viel mehr wert als Geld“, antwortet sie auf die Frage, ob sie sich eine höhere Bezahlung wünsche. „Wir bei der Evangelischen Heimstiftung können uns nicht beklagen.“ Natürlich freue sie sich aber auch, wenn das Pflegepersonal einen Bonus erhalten würde.

Auch Hannes Schaaf erklärt, dass er sich auch zu Beginn seiner Karriere als Pflegefachkraft nicht schlecht bezahlt gefühlt habe. „Im Vergleich zum Beispiel mit einem selbstständigen Handwerker, bei dem es um die Existenz geht.“ Außerdem wisse jeder, der diesen Job machen will, woran er ist. Bei diesem Beruf gehe es um mehr: „Man bekommt so viel zurück.“ Dankbarkeit etwa, von den Bewohnern und den Angehörigen. Die Bewohner würden zu festen Bezugspersonen fürs Personal, und das Heim sei deren letzte Heimat. „Das macht was mit einem.“ Zwar spüre man diese Dankbarkeit während der Pandemie nicht immer. Stefanie Wuschko erzählt, wie schwierig es für viele Bewohner sei, dass das Personal ständig Maske trägt. „Gerade für Menschen mit Demenz.“ Am heftigsten sei das Besuchsverbot während der ersten beiden Wellen gewesen. Dass den Menschen die familiären Bezugspersonen verweigert werden mussten: „Das war schon schlimm“, erinnert sich Wuschko. Zum Glück seien Besuche wieder möglich.

Viele Angehörige seien frustriert durch das Thema Corona, ergänzt Schaaf. „Da sind wir manchmal der Prellbock.“ Doch er sieht nach vorne: „Wir gehen gemeinsam durch die Pandemie.“ So anstrengend diese Phase auch sei, sie schweiße das Team zusammen. „Das kann man nur positiv sehen.“

Wo sich etwas ändern muss

Schon lange vor der Pandemie habe Schaaf sich aber gewünscht, dass der Beruf mehr Anerkennung von der Gesellschaft erfährt. „Altenpfleger werden anders gesehen als Krankenpfleger.“ Was wirklich etwas bewirken würde, wäre ein Paradigmenwechsel bei den Krankenkassen. „Die Eigenanteile an der Bezahlung der Pflege für die Angehörigen sind unfassbar hoch.“ Daran müsse sich etwas ändern. „Wenn Pflege bezahlbar wird, ändert sich auch die Haltung gegenüber den Pflegenden.“ Wer dadurch nicht in die Sozialhilfe abrutsche, komme in einer ganz anderen Verfassung ins Pflegeheim.

Der Hausdirektor sieht manche Entwicklung schon positiv: „Dass die Pflegestufen in Pflegegrade umgewandelt wurden.“ Oder dass es jetzt die generalisierte Ausbildung gibt, für Kranken- Alten- und Kinderkrankenpfleger gleichermaßen. „Das erhöht die Chance auf gleichwertige Akzeptanz.“ Doch der Pflegefachkraftmangel sei immer noch da. Und ein großes Problem.

Zurück zur Übersicht: Stadt Lorch

Mehr zum Thema

Kommentare