Ein Lorcher Ring schreibt Geschichte

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Autorin Ursula Röhrs (l.) bei der Buchvorstellung im Kloster Lorch gemeinsam mit Dr. Monika Boosen.
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Zwei Bücher über zwei bedeutende und vielfach kopierte Ringe, darunter den Lorcher Irenenring, stellen Autorin Ursula Röhrs, das Museum im Prediger und der Museumsverein vor.

Lorch

Für eine Buchvorstellung über den Irenenring hätte es keinen besseren Ort geben können als die Lorcher Klosterkirche. Manfred Schramm, der Vorsitzende des Freundeskreises Kloster Lorch, fasste bei seiner Begrüßung zusammen, wie präsent die 1208 gestorbene Irene von Byzanz in Lorch ist: Seit rund 120 Jahren erinnert eine Gedenktafel an sie, und 2008 wurde eine Stauferstele am Klostereingang eingeweiht, der alsbald eine Irenen-Statue folgte. Sogar ein Theaterstück stellte der Runde Tisch Kultur bereits auf die Beine. Das nächste Projekt ist ein Irenenwanderweg vom Hohenstaufen zu ihrem Sterbeort Kloster Lorch. Schramm nannte es erstaunlich, wie Irene die Menschen durch die Jahrhunderte hinweg fasziniert habe.

Doch was hat es mit dem Irenenring auf sich? Darauf ging Autorin Ursula Röhrs ein, die im Gespräch mit Dr. Monika Boosen, der früheren Leiterin des Gmünder Museums, ihre Forschungen vorstellte, die schließlich zu dem Buch führte: „Mythos Irenenring. Der Arma-Christi-Ring vom Kloster Lorch.“ Der in Lorch 1825 gefundene Irenenring ist neben dem Lutherring ein Schmuckstück, das – vielfach kopiert – das Interesse einer breiten Öffentlichkeit fand.

Bislang sei man davon ausgegangen, dass der Ring 1836 im Schutt einer abgerissenen Sakristei gefunden worden sei, erklärte Röhrs, doch Forschungen im Staatsarchiv Ludwigsburg ergaben, dass er wohl zehn Jahre früher gefunden wurde. Aufgrund schmuckhistorischer Kriterien datiert die Expertin den Ring auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. „Der Fundring kann nicht Königin Irene gehört haben.“ Der Grund: Arma-Christi-Ringe, auf denen die Leidenswerkzeuge abgebildet sind, seien im deutschsprachigen Raum erst im 16. Jahrhundert üblich.

Weil dem Lutherring eine vergleichbare Bedeutung wie dem Irenenring zukommt, wollte Röhrs zunächst ein Kapitel dem legendären Ring der Katharina Bora, Luthers Frau, widmen. Doch weil auch dieser Ring noch einer wissenschaftlichen Forschung harrte, entschieden Boosen und die Autorin kurzerhand, diesem Ring ein eigenes Buch zu widmen, so dass zwei Bücher vorgestellt werden konnten. Dr. Martin Pozsgai, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum im Prediger, lobte beide Publikationen als bedeutende, kenntnisreiche Beiträge zum Thema Ring.

Boosen wies darauf hin, dass die Autorin bereites 2011 stark in die Ausstellung „Der Irenenring – eine Ringlegende“ involviert gewesen sei; ihre Mitarbeit schätze man in Gmünd sehr und man sei zu großem Dank verpflichtet, da sie ihre Sammlung dem Museum geschenkt habe, wodurch diese erweitert werden konnte.

Ulrich Majocco, der erste Vorsitzende des Gmünder Museumsvereins, der die Veröffentlichung finanziell unterstützte, lobte am Ende der rund einstündigen Veranstaltung die ansprechende Buchgestaltung von Freitag und Häussermann und die fachlich fundierte Forschungsarbeit. Nach dem Irenenlied „Rose ohne Dornen“ von Claudia Pohel klang der Abend bei einem Umtrunk im Kreuzgang aus.

Irene hat die Menschen durch die Jahrhunderte hinweg fasziniert.

Manfred Schramm,, Freundeskreis Kloster Lorch

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