Ein Pionier der Fotografie arbeitete am und im Kloster

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Jakob August Lorent.

Jakob August Lorent dokumentierte die Klostergeschichte auf 17 Bildern. Er verstarb am 9. Juli 1884.

Lorch. Ein Pionier der Fotografie, der sich die Dokumentation der Denkmale des Mittelalters zur Aufgabe machte: Dank Jakob August Lorent existieren frühe Aufnahmen von Kloster Lorch. Sie zeigen das Kloster, noch bevor es im 19. Jahrhundert restauriert und ergänzt wurde – ein Schatz sondergleichen. Vor 136 Jahren, am 9. Juli 1884, starb der Fotograf im Alter von 70 Jahren.

Geboren 1813 in den USA, kam Jakob August Lorent als Kind zu einem sehr wohlhabenden Pflegevater nach Mannheim. Er studierte an der Universität Heidelberg und schrieb dort seine Doktorarbeit – über Pantoffeltierchen in Wassertropfen. Durch den reichen Pflegevater war Lorent ebenfalls ein vermögender Mann. Er erforschte und dokumentierte als Privatgelehrter historische Bauten nicht nur im Königreich Württemberg, sondern auch im Ausland. Dabei benutzte er eine damals noch ganz neue Technik: die Fotografie.

Lorent war ein abenteuerlustiger Reisender. In Württemberg war er von 1865 bis 1869 unterwegs. Er beabsichtigte, "sämtliche Denkmale des Königsreichs fotografisch aufzunehmen und dieselben mit kurzem erläuterndem Texte zu veröffentlichen". Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag auf den romanischen und gotischen Klöstern und Stiftskirchen. Die Ergebnisse veröffentlichte Lorent in der dreibändigen Publikation "Denkmale des Mittelalters in dem Königreiche Württemberg".

Insgesamt 17 Fotos machte Lorent von Lorch. Dazu schrieb er ein umfangreiches Kapitel zur Lorcher Klostergeschichte. Es entstanden Aufnahmen vom Innenraum der Klosterkirche, von den Vierungspfeilern und von der Ausstattung der Klosterkirche. Sie zeigen die Staufertumba und die Grabmale. Ebenso gab es Außenaufnahmen vom südlichen Kircheneingang und vom Kreuzgang. Obwohl er seine Arbeit als Dokumentation bezeichnete, sind die Aufnahmen raffiniert komponiert: Man merkt das an den Menschen auf den Bildern. Lorent platziert sie, als einzelne Figuren, ganz sparsam und sehr gezielt in den Räumen und Architekturansichten.

Jakob August Lorent ist einer der Pioniere der Fotografie. Von ihm stammen nicht nur die Aufnahmen in Lorch. Er fotografierte beispielsweise in Südtirol und sogar in Ägypten. Sein besonderes Verdienst ist es, dass er in vielen Fällen die mittelalterlichen Monumente in Europa dokumentierte, bevor sie restauriert und ergänzend rekonstruiert wurden: Er hielt den Originalzustand fest.

In Baden-Württemberg fotografierte er neben Kloster Lorch die Klöster in Hirsau, Alpirsbach, Bebenhausen und Maulbronn. Die letzte Station seines bewegten Lebens war Meran. Dort lebte er bis zu seinem Tod am 9. Juli 1884.

Ein Besuch im Kloster Lorch mit Abstand

Das Kloster Lorch erweitert seine Öffnungszeiten und ist seit Juli wieder an vier Tagen in der Woche zu erleben: mittwochs, donnerstags, samstags und sonntags ist die Klosteranlage ab sofort von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Auch die Stauferfalknerei erweitert ihre Flugschau-Termine in dieser Zeit. An allen Öffnungstagen gibt's um 15 Uhr eine Greifvogelflugschau. Die Öffnungszeiten gelten bis zum 13. September.

Wegen der Pandemie gelten derzeit auch im Kloster Lorch dieaktue3ll gültigen Hygiene- und Abstandsregeln. Zudem müssen seit Juli von allen Gästen in den Kulturdenkmälern die Kontaktdaten erfasst werden. Damit sich an der Kasse keine Schlangen bilden, bittet das Team vom Kloster Lorch daher: "Bringen Sie einfach Ihre Kontaktdaten mit", sagt Carola Fischer. Das gehe schneller und erspart lange Wartezeiten.

Weitere Regeln im Kloster: Der Kapitelsaal mit seiner begrenzten Fläche und dem schmalen Zugang darf jeweils nur von einer Person betreten werden. Neu ist auch: Inzwischen können für alle Öffnungstage individuelle Klosterführungen für bis zu zehn Personen gebucht werden. Diese Rundgänge dauern zirka eine Stunde und kosten ab 50 Euro zuzüglich Eintritt.

Eines der Fotos, die Jakob August Lorent in Lorch gemacht hatte: ein Bild vom südlichen Eingang und einer Frau.

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