Eine Riesenchance, etwas Neues zu schaffen

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Wegen Corona alles anders: Gottesdienstbesucher in Lorch konnten die Predigten draußen vor der Kirche – wie hier im Bild im Mai.

Die Lorcher Pfarrer Christof Messerschmidt, Lukas Golder und Erhard Nentwich ziehen ein Fazit nach diesem Jahr mit Corona-Pandemie.

Lorch

Dieses Jahr lief bei den Kirchen an Weihnachten vieles anders ab, besonders am Heiligabend. In Waldhausen predigte Lukas Golder auf dem Schulhof von einer Lastwagen-Ladefläche aus. In Lorch zeigte Christof Messerschmidt bei den evangelischen Gottesdiensten einen selbstgedrehten Film. Sowohl in der Kernstadt als auch in Weitmars fand alles im Freien statt. Und die Katholiken um Pfarrer Erhard Nentwich hatten in Lorch einen Krippenweg angelegt und in Waldhausen in die offene Kirche eingeladen.

Der Grund für die neuen Konzepte war die Corona-Pandemie. Wie ein sicheres Angebot für die Menschen an Weihnachten aussehen könnte, beschäftigte die Pfarrer wochenlang. "Dass dadurch neue Wege beschritten werden, sehe ich als riesige Chance", sagt Lukas Golder und verweist auch auf den Weihnachts-Gemeindebrief, den er mit dem Kirchengemeinderat innerhalb einer Woche erdacht und realisiert hatte. Sicher "hat es zunehmend genervt", dass die Gemeinde übers ganze Jahr auf neue Vorschriften reagieren musste, meint der Waldhäuser Pfarrer. Ständig habe man kurzfristig neu planen müssen. "Doch im Umkehrschluss wären Aktionen wie an Nikolaus nie umgesetzt worden." Golder hatte am 6. Dezember zusammen mit dem Waldhäuser Handharmonika-Club Nikolaus-Besuche bei 115 Kindern im Ort gemacht. "Aber es ist auch hart, auf viel Liebgewonnenes verzichten zu müssen." Etwa auf das Singen im Gottesdienst. Doch auch dafür gab's eine Lösung. An den Adventssonntagen luden Lukas und Ulrike Golder die Gottesdienstbesucher am Ende nach draußen ein, zum Singen mit Abstand. Golder empfand das Jahr mit Corona als anstrengend, zieht aber ein positives Fazit. "Es sind Freiräume entstanden, um Neues zu schaffen."

So sieht das auch Christof Messerschmidt. "Die Krise macht klar, dass nicht alles so weitergehen kann wie bisher", sagt der Lorcher Pfarrer und nennt beispielhaft neue Gottesdienstformate und Andachten via Nachrichten aufs Handy. "Es wäre aus meiner Sicht falsch, alles wieder auf den Stand von vorher zu bringen." Nach der Krise müsse entschieden werden, wie man weitermache.

Mehr Personal benötigt

Da war so viel Sehnsucht nach Miteinander zu spüren.

Christof Messerschmidt, Pfarrer

Messerschmidt erzählt auch vom großen Aufwand, den die Gemeinde als Träger der evangelischen Kitas betreiben müsse. "Sonntagabends erreichten uns neue Vorschriften, montags musste alles schon so umgesetzt sein." Was da vom Personal an Flexibilität geleistet worden sei – "das ist eindrucksvoll". Künftig müsse eine andere Trägerstruktur her. "Oder mehr Personal." Ansonsten spüre der Pfarrer, dass den Menschen die Gemeinschaft fehle. "Es war schon bitter, als zum Beispiel die Krabbelgruppen gleich wieder dichtgemacht wurden." Auch andere Begegnungen fielen komplett weg. Als im September noch die Nacht der offenen Kirchen gefeiert werden konnte, sei ihm das Bedürfnis der Menschen besonders aufgefallen. "Da war so viel Sehnsucht nach Miteinander zu spüren." Gefreut habe er sich über die große Verbundenheit der Lorcher mit der Kirche. "Die Gottesdienste sind weiterhin gut besucht." Leider blieben aber viele Ältere fern, was Messerschmidt verstehen könne. Deshalb gebe es das Angebot, sich die Predigt in schriftlicher Form nach Hause zu holen.

"Die Leute wollen reden"

Auch Nentwich versucht, die Entfernung zu den Menschen zu überbrücken. "Bei uns läuft viel über das Telefon", erzählt der katholische Pfarrer, "die Leute wollen reden". Er habe die Zeit mit Corona bisher als sehr überraschend und auch positiv erlebt. "Viele Menschen wollten sich für andere engagieren." Nentwich spricht aber auch von einem Mehrfachen an Arbeit. Er sieht das Ganze aber als Chance. "Um neue Ideen zu entwickeln."

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