Für ein ganzheitliches Bild von Natur

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Verwirklichen neue Ideen für die Naturnah-Akademie im Lorcher „Echo“ (v. l.): Nadine Spee, Nadine Maier, die Stauferfalkner Gunter und Erik Pelz. Foto: an
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Im Wald das Grübeln unterbrechen oder mit dem Pferd zum Falknerkurs: Die Naturnah-Akademie im Lorcher "Echo" wächst. Und die Gartenwirtschaft soll nächstes Frühjahr eröffnen.

Lorch

An Ideen mangelt’s Erik und Gunter Pelz wahrlich nicht, auch wenn Corona die Lorcher Stauferfalkner ganz schön ausgebremst hat. Zuerst, was die Flugschauen mit ihren Greifvögeln auf dem Gelände des  Klosters betraf. Dann als neue Pächter im „Echo“, wo ihre Naturnah-Akademie untergebracht ist. Dort wollten sie außerdem im Sommer 2021 mit der Bewirtschaftung starten - was mangels Küchenteam erstmal auf Eis lag. Personal suchen Erik und Gunter Pelz zwar immer noch, dennoch soll es im kommenden Frühjahr tatsächlich losgehen – mit Biergarten und Gartenwirtschaft. Das Angebot soll bodenständig sein, mit Bio-Zutaten aus der Region, sagt Gunter Pelz. Er und sein Sohn Erik  wollen damit Spaziergänger aus Lorch ebenso ansprechen wie Wanderer und Touristen von weiter her, insbesondere aber Familien, weil die hinterm „Echo“ unbesorgt die Kinder herumspringen lassen können. Dabei könne es dann vorkommen, dass mal ein Falkner mit einem Greifvogel die Gäste zum Staunen bringt. Schließlich sind mittlerweile alle Kurse der Falknerei  im „Echo“, nachdem es im Klosterrefektorium wegen zahlreicher Hochzeitsgesellschaften zu Terminengpässen kam. Und im „Echo“ steckt noch mehr, denn auch die Naturnah-Akademie füllt sich nun mit Leben.

Tanja Böhm, die in einer Klinik und einer ambulanten Praxis für Psychotherapie arbeitet,   startet im April ihren ersten eineinhalbtägigen Kurs. Darin geht’s um die gesundheitsfördernden Effekte eines Waldaufenthaltes. Und um die Idee, dadurch „grübelnde Gedanken zu unterbrechen“, die psychosomatische Beschwerden wie etwa Spannungskopfschmerzen nach sich ziehen können, sagt die Psychologin mit Zusatzausbildung zur Waldtherapeutin und Waldachtsamkeitstrainerin. Zum Kurs gehören praktische Übungen, außerdem werde die Falknerei punktuell einbezogen. Weil einfach alle Alltagsprobleme zurücktreten, wenn man einen Falken ruhig auf der im dicken, ledernen Falknerhandschuh steckenden Hand halten will, weiß die Psychologin aus eigener Erfahrung.  Böhm möchte Leute ansprechen, die Stress vorbeugen wollen oder die eine psychische Erkrankung haben. 2023 will sie acht solcher Termine anbieten, darunter auch Kurse für Jugendliche.

Wissen geht verloren

Auch Nadine Spee kommt mit ihrem Angebot unter das Dach der Naturnah-Akademie – und zwar hoch zu Ross. Die Fahrlehrerin betreibt neben ihrem Hauptberuf eine Wanderreitstation mit Gästehaus in Weißenstein und bietet Wanderritte – im kommenden Jahr auch „Falkenritte“ nach Lorch. Mit eigenem oder Leihpferd geht’s dann in der Gruppe an einem Tag von Weißenstein nach Lorch. Während die Pferde danach in einem nahen Reitstall einen Tag Pause haben, besuchen ihre Reiterinnen und Reiter  einen Kurs der Stauferfalknerei. Tags darauf geht es zu Pferd zurück.

Wildkräuterführungen, Kochen und Naturkosmetik aus Wildkräutern mit einer Kräuterpädagogin gab's bereits, Kunstprojekte mit Kindern oder ein Kurs mit Reptilien und Spinnentieren, in dem Ängste überwunden werden können, sind bereits recht konkrete Ideen. „Wir sind in alle Richtungen offen“, sagt Gunter Pelz und hofft auf mehr Menschen, die Angebote in der Naturnah-Akademie umsetzen möchten. Das kann ein Imker sein, der Kinder an das Thema Bienen heranführt. Oder jemand, der in einem Barbecue-Kochkurs Kniffe fürs gelungene Grillen weitergeben kann.  

Grundsätzlich gehe es ums „kundig werden“, sagt Gunter Pelz, denn „wir sind in die Natur eingebunden und tun, als ob sie uns nichts angeht“. Es gehe immer mehr Wissen über die Natur verloren, pflichtet ihm Nadine Maier bei, die für die Stauferfalknerei und die Naturnah-Akademie Marketing und  Veranstaltungsplanung übernommen hat und gerade die Akademie-Webseite aufbaut. Dass oft der Blick für die Zusammenhänge fehlt, merken Gunter und Erik Pelz etwa, wenn sie Kursteilnehmern erklären müssen, dass die Jagd auf Feldmäuse den Roten Milan als brillanten Segler zahlreiche  erfolglose Sturzflüge - und damit viel wertvolle Energie – kosten würde. Als Aasfresser ist der Greifvogel viel effizienter. Dass er sich in den vergangenen Jahren gut vermehren konnte, liege an der wachsenden Anzahl Grasernten pro Jahr, bei denen für den Vogel zunehmend durch Mähmaschinen getötete Kleintiere abfallen. Ein einfaches Beispiel, mit dem Gunter Pelz klarmacht, dass immer verschiedene Faktoren einander beeinflussen und zusammen betrachtet werden müssen. So wolle auch die Naturnah-Akademie „ein ganzheitliches Bild von Natur geben“.

Mehr Info unter www.stauferfalknerei.de           

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