Geschichte und Geschichten in Lorch

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Bärlauchfest im Kloster Lorch
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Bei „KulturGenuss Bärlauch“ im Kloster Lorch am vergangenen Wochenende war von Bärlauchgenüssen über die Geschichte des Klosters bis hin zum „Herrgottsbscheißerle“ einiges geboten.

Lorch

Bärlauch ist ein Wildgemüse, das gerne gesammelt und gegessen wird. Die würzig duftende Pflanze treibt früh im Jahr aus und dient als Grundlage für allerlei feinwürziger Genüsse aus der Küche. Der Freundeskreis Kloster Lorch bot am Sonntag mit seinem „KulturGenuss Bärlauch“ nicht nur Einblicke in die Welt dieses Krautes, den Besucherinnen und Besuchern wurden bei Führungen und Vorträgen Wissenswertes über die Welt der Kräuter und das Leben im Kloster vermittelt.

Zudem hat der Freundeskreis in diesem Jahr Grund zum Feiern: Zum 25-jährigen Bestehen kredenzten die Vereinsmitglieder den Original-Klostersekt, der am Sonntag das erste Mal ausgeschenkt wurde.

Um Verwechslungen von Bärlauch mit dem giftigen Maiglöckchen zu umgehen, hatte Vanessa Holzmann aus Rattenharz nicht nur frischen Bärlauch, sondern auch allerlei Schmackhaftes aus dem grünen Kraut dabei.

Vielseitiger Klostergarten

Gästeführer Andreas Weißer ließ sich durch den von der Natur dringend benötigten Regen nicht von seinen Führungen durch den Klostergarten ab. Knapp 100 unterschiedliche Kräuter werden hier in akkuraten Beeten angepflanzt und von Ursel Walther gehegt und gepflegt, erklärt der Gästeführer und berichtet davon, dass die gelben Blüten der Weinraute ein Insektenparadies und ein wahres Lockmittel für den prachtvollen Schwalbenschwanz-Schmetterling sind. Auch die Akelei gedeiht im Lorcher Klostergarten, wie ein Zeichen der Demut senke die Pflanze ihre Blüten nach unten. Was hat die Speerminze mit Kaugummi zu tun? Ein kleiner Geruchstest brachte die Parallele ans Tageslicht.

Rose ohne Dornen

Besondere Freude hat Weißer an der hier angebauten Pfingstrose: Diese „Rose ohne Dornen“ wurde der Irene von Byzanz gewidmet, die im August 1208 im Kloster beigesetzt wurde. Die meisten der stark duftenden Kräuter kommen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, erklärt Weißer, viele von ihnen dienen heute noch als Heil- oder Arzneipflanze.

Das Kloster als Grablege der Staufer wurde 1102 von Herzog Friedrich I von Schwaben und seiner Gattin Agnes von Waiblingen gestiftet, erklärte Gästeführer Weißer weiter. Das „Statussymbol Kloster“ lag damals verkehrsgünstig an einer viel frequentierten Römerstraße und demonstrierte den Reichtum des Herzogs, dem höchsten Repräsentanten des Landes. Das Kloster galt ab da als Grablege der Staufer, die zuvor ihre letzte Ruhestätte in der Lorcher Stiftskirche gefunden haben. Besiedelt wurde das Kloster von Benediktinermönchen, deren Aufgabe es unter anderem war, die Chronik der Stauferdynastie aufzuschreiben. Eine Besonderheit weist das Lorcher Kloster auf, hier fehlen die östliche und die südliche Seite des Kreuzganges.

Plünderung und Wiederaufbau

Im Jahr 1525 wurde das Kloster im Zuge des Bauernaufstandes vom Gaildorfer Haufen geplündert und gebrandschatzt, nach der Niederschlagung des Aufstandes wurde die Klosterkirche von den Mönchen wieder aufgebaut. Für den Kreuzgang reichte es nicht mehr, da das Kloster 1535 durch Herzog Ulrich aufgelöst wurde.

Leben der Benediktiner

Der Vortrag des Vorsitzenden des Freundeskreises, Manfred Schramm, über „das Geheimnis des Herrgottsbscheißerles“ warf ein neues Bild auf das Leben der Mönche, die landläufig oft als freundliche und beleibte Gottesmänner gesehen werden. Das Gegenteil war der Fall: „Völlerei war eine Todsünde“, Askese war gewünscht. 150 Fastentage waren den Benediktinern jährlich vorgeschrieben, an denen es lediglich eine Mahlzeit am Tag gab. Während des Essens zu reden, war ausdrücklich verboten.

Wie ist aber der „Herrgottsbscheißer“, die Maultasche, entstanden? Darum ranken sich Gerüchte, schmunzelte Schramm. Der Sage nach habe ein Mönch in Maulbronn ein zerkleinertes Stück Kalbfleisch mit einem Stück Teig ummantelt, um seinen Schöpfer in die Irre zu führen.

Zum Jubiläum des Freundeskreises wurde ein Extrasekt gekelltert, der von Willy Welz, Ursel Walther und Manfred Schramm kredenzt wurde.
Bärlauch im Kloster Lorch
Ein Schlückchen Blutwurz gegen fettes Essen hilft auch bei Strakregen
Gästeführer Andreas Weißer (li) erzählt über die Wirkungskraft von Kräutern
Beim Bärlauch-fest im Kloster war einiges geboten: Gästeführer Andreas Weißer erzählte unter anderem über die Wirkungskraft von Kräutern (oben links) und beim Freundeskreis gab's Extrasekt, der von Willy Welz, Ursel Walther und Manfred Schramm kredenzt wurde.

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