Häkelhaus aufteilen und ausstellen?

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Während der Remstal-Gartenschau stand das Häkelhaus im Lorcher Kloster. An diesem Donnerstag entscheidet der Lorcher Gemeinderat, was mit dem Kunstwerk passieren soll.

Die Lorcher Verwaltung schlägt vor, das Häkelhaus nicht mehr aufzustellen, sondern in einer Ausstellung zu würdigen. Eine gute Idee, meint Architekt Dionys Ottl.

Lorch

Im Mai und im Juli hatte der Lorcher Gemeinderat ausführlich diskutiert, was mit der "Weißen Station" der Remstal-Gartenschau geschehen soll. Das sogenannte Häkelhaus konnte nicht auf dem Klostergelände bleiben und wird seit Monaten im Bauhof gelagert. Nun hat die Verwaltung konkrete Vorschläge erarbeitet, die sie dem Rat in der Sitzung am Donnerstagabend vorstellen wird.

Als möglicher Ort, an dem die gehäkelte Hülle als gut sieben Meter hohes Haus wiederentstehen könnte, war vom Gemeinderat mehrheitlich ein öffentlicher Platz mit Publikumsverkehr gewünscht worden. Etwa nahe des Remsmittelpunkts in Waldhausen. Tatsächlich fordere die Württembergische Gemeinde-Versicherung dann eine bis zu 1,80 Meter hohe Umzäunung, berichtet die Verwaltung. Denn das "Häkelhaus würde geradezu einladend als Kletterobjekt betrachtet und daher auch missbräuchlich als solches durch Kinder beziehungsweise Jugendliche genutzt", so die Stellungnahme der Versicherung.

50 000 Euro für die Aufstellung

Und selbst mit Zaun werde im Falle eines Unfalls "eine weitere Prüfung des Versicherungsschutzes vorbehalten". Deshalb schlussfolgern die Verantwortlichen im Lorcher Rathaus: "In Anbetracht der Haftungsproblematik ist für die Verwaltungsspitze eine Aufstellung am Remsmittelpunkt und generell an beliebten Ausflugsorten in der Stadt ausgeschlossen." Hinzu kommen laut Rathaus geschätzte Kosten in Höhe von 50 000 Euro für die Aufstellung. Die Empfehlung lautet also, davon Abstand zu nehmen. Stattdessen könnte eine Dankesveranstaltung für alle Beteiligten stattfinden, sobald es die Corona-Pandemie zulässt. Zudem könnte das Werk an alle Beteiligten aufgeteilt werden. Auch die Stadt würde ein Teilstück erhalten und dieses zusammen mit Fotos und weiteren Informationen ausstellen. "Und so auf die großartige Gemeinschaftsaktion hinweisen." Eine Idee, die beim Häkelhaus-Architekten Dionys Ottl gut ankommt. "Grundsätzlich finde ich es sehr, sehr schade, dass das Haus nicht als Ganzes ausgestellt wird", sagt der 56-Jährige vom Architekturbüro Hild und K aus München. Dass das so kommen werde, habe er bereits geahnt. Seit die Verantwortlichen von Schlösser und Gärten den dauerhaften Standort in der Klosteranlage angelehnt hatten. Mit dem Kompromiss der Ausstellung eines Teilstücks könne Ottl gut leben. "Dadurch wird es noch mehr zu dem Kunstobjekt, als das wir es schon immer gesehen haben." Und überhaupt sei das Wesentliche des Projekts nicht das Resultat gewesen. "Sondern die öffentliche Beteiligung daran, und dass alle gemeinsam sich damit identifiziert haben."

Das Häkelhaus ist mein Herzensprojekt.

Dionys Ottl, Architekt

Das Haus war in monatelanger Arbeit von rund 50 Ehrenamtlichen gehäkelt worden. Ottl lobt die Bemühungen der Stadtverwaltung, die ihn auch immer wieder informiert habe. "Gerne wäre ich auch beim weiteren Vorgehen ehrenamtlich mit im Boot", sagt der Architekt und nennt das Häkelhaus sein "Herzensprojekt". Er schlägt vor, das Kunstwerk nicht in zu kleine Teile aufzutrennen, sondern größere Stücke beispielsweise in den Lorcher Schulen auszustellen. "Das Schlimmste wäre, wenn das Haus in der Versenkung auf Dachböden verschwände."

Die Sitzung des Lorcher Gemeinderates beginnt an diesem Donnerstag, 26. November, um 18 Uhr in der Remstalhalle in Waldhausen.

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