Händler ziehen Hauptstraße vor

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Seit Jahrzehnten findet der Lorcher Wochenmarkt in der Hauptstraße beim Karlsplatz statt. Was halten die Marktleute vom Wechsel auf den Oriaplatz? Foto: cop
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Den Lorcher Wochenmarkt von der Hauptstraße auf den Oriaplatz verlegen? Davon hält die Mehrheit der Marktbeschicker wenig.

Lorch

Freitagmorgen, Viertel nach 9 Uhr in der Lorcher Hauptstraße. Ein Pärchen steuert einen der Stände an, die zwischen Bäderbrunnen und Karlsplatz aufgebaut sind. „Zehn Eier bitte“, ordern sie bei Manfred Hildebrand. Dann ziehen sie weiter zum Obst- und Gemüsestand von Gerd Pfendert.

Den Lorcher Wochenmarkt gibt es seit 131 Jahren. Und zwar in der Hauptstraße, wie die Stadt beim 130-Jahr-Jubiläum 2021 berichtete. Um den 2019 für viel Geld neugestalteten Oriaplatz zu beleben, überlegt die Stadt nun aber, das freitägliche Marktgeschehen dorthin zu verlagern. „Wir fragen die Beschicker vom Wochenmarkt ab, was sie von einem Standortwechsel halten“, hatte Bürgermeisterin Marita Funk im Interview Ende Juli erzählt. Dann könne der Gemeinderat entscheiden, ob die Stadt den Markt dauerhaft um 150 Meter vors Bürgerhaus verlegt.

Ja, die Stadt habe gefragt, erzählt Gerd Pfendert. „Und wir haben geantwortet, dass wir relativ wenig von der Idee halten“, sagt der Obst- und Gemüsehändler. Dafür zählt er mehrere Gründe auf. „Auf dem Oriaplatz scheint viel mehr Sonne als hier.“ Zu viel Hitze tue nicht gut. Hier nickt Jafar Behzadi, der bei Pfenderts Stand kurz stehen geblieben ist. „Ich muss meine Theke jetzt schon an der Seite mit einer Abdeckung schützen“, sagt der Verkäufer von griechischen Spezialitäten. Aber durch die Häuser habe man trotzdem deutlich mehr Schatten als vor dem Bürgerhaus.

Keine „Magnete“ für Kunden

Außerdem gebe es dort „nichts“, zählt Gerd Pfendert weiter auf. Also keine Geschäfte, die vormittags als zusätzlicher Magnet für Kunden gelten könnten. Am jetzigen Standort hatten auch immer mehr Läden geschlossen. Aber zumindest das Café beim Bäderbrunnen haben einen spürbaren Effekt. „Da gehen viele nach dem Einkauf bei uns hin und trinken einen Kaffee“, hat auch Manfred Hildebrand beobachtet.

Der Verkäufer von Frischedienst Hildebrand ist schon lange Jahre auf dem Wochenmarkt dabei. „Früher war hier mehr Musik drin“, sagt er, es kamen mehr Kunden, als in der Hauptstraße noch mehr Geschäfte geöffnet hatten. Diesen Anreiz gebe es am Oriaplatz noch weniger. Er erinnere sich noch daran, als der Markt vor wenigen Jahren schon mal auf dem Oriaplatz stattfand. „In der Bauzeit, als hier die Hauptstraße saniert wurde.“

Damals habe er zwar nicht viel Unterschied gespürt. „Einen Markt von seinem lang angestammten Platz zu verlegen, ist aber nie gut.“ Andreas und Nadine Brenner sehen das gelassener. „Ob hier oder auf dem Oriaplatz, das ist uns egal“, meinen die Metzgerei-Inhaber. Die Stammkunden kämen so oder so.

Andrea Deibler hat andere Erfahrungen gemacht: „Ich halte es nicht für gut, einen Markt zu verlegen.“ Die Inhaberin der „Fischquelle“ meint, dass es dann immer Anlaufschwierigkeiten gebe. Gerd Pfendert sieht das auch so. „Der Markt ist hier seit zig Jahren eingeführt.“ Er verstehe, dass die Stadt den Oriaplatz mit Leben füllen möchte. „Jede Innenstadt rudert ums Überleben.“ Aber dafür wolle er als Marktbeschicker nicht herhalten. Dazu gebe es auf dem Oriaplatz zu viele Nachteile.

Peter Dietrich nickt. „Wenn es hier um einen riesigen Markt gehen würde, hätte das vielleicht einen Effekt auf den Platz“, meint der Inhaber des Tiroler Bauernstandls. Aber der Wochenmarkt bestehe aus fünf bis sechs Ständen, mit stets gleichem Klientel. „Die sind den Standort hier gewöhnt.“ Wäre mehr Sichtbarkeit an der Durchfahrtstraße nicht von Vorteil? „Die Leute kommen gezielt zu uns“, erwidert Dietrich, „die hauen nicht plötzlich die Bremse rein und gehen spontan auf den Markt.“

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