Hästräger erobern Klosterstadt

Nicht nur die Freunde der schwäbisch-alemannischen Fastnacht kamen am Samstag beim Faschingsumzug in Lorch voll auf ihre Kosten. Traditionelle Häs und fantasiereiche Masken gab's zuhauf. 76 Einzelgruppen zogen mit wildem Gejohle, Guggenmusik und schwingenden Hexenbesen auf der Umzugsstrecke mit.

Was, da liegt noch Schnee? Kein Problem, die insgesamt 13 Hexengruppen schwangen geschwind ihre Besen und räumten auch noch den letzten Krümel von der Straße. Was sie jedoch nicht davon abhielt, doch immer wieder einen Zuschauer kurzerhand ein Stückchen mitzunehmen auf die 1,8 Kilometer lange Gaudiwurm-Strecke. Die Burgnarren aus Schlossberg-Flochberg, Bopfingen, führten sogar eigens für diesen Zweck einen Hexenkäfig mit sich. In diesem ging es dann im wahrsten Sinn des Wortes "rund" für das jeweilige "Opfer".

Ein echter Augenschmaus bot sich den zahlreichen Gästen entlang der Umzugsstrecke: Aus aus dem ganzen süddeutschen Raum waren die Vertreter der Narrenzünfte mit ihren aufwändigen und oft sehr traditionsreichen Kostümen und Masken angereist. "Die weiteste Gruppe hat 113 Kilometer hinter sich gebracht", stellte Moderator Rainer Kontermann begeistert fest. Auch der starke Schneefall am Vorabend konnte die Narren von diesem Umzug nicht fernhalten. Lediglich zwei Gruppen hatten kurzfristig abgesagt. Verständlich, denn sie wären aus dem 214 Kilometer entfernten Kinzigtal im Schwarzwald und aus Bad Rappenau angereist. "Die sind eingeschneit", berichtete Kontermann. Witzige Details bei den einzelnenGruppen mit insgesamt rund 1500 Teilnehmern zogen immer wieder amüsierte Blicke auf sich. Etwa die "Hausama Wikinger" aus Rechberghausen, die einen Elch aus Stoff, hängend an einer Stange, mit sich führten. Oder auch die "Scheura Hexa" aus Altingen, die auf einem Leiterwägelchen ihren eigenen brennenden Ofen mit sich zogen. Klar, dass die vielen Zuschauer entlang der Umzugstrecke so manches Mal zwar nicht ihr Fett, dabei aber andere Dinge abkriegten. Flink und scheinbar unermüdlich stopften so etwa die "Ranzige Füchs" aus Wäschenbeuren – mit Sicherheit unter der Maske hämisch grinsend – manchem Zuschauer flugs weiße Federn in Ausschnitt oder Kragen. Manche Umzugsteilnehmer zeigten sich wiederum äußerst spendabel und boten Schnupftabak. Etwa die "Eninger Häbles-Wetzer". So gab es von den insgesamt 31 Maskengruppen nicht nur was für die Augen, sondern auch was für die Nase. Also ein wirklich sinnlicher Umzug. Ebenfalls kein Problem mit den frischen Temperaturen hatten die sieben Tanzgruppen, darunter zahlreiche zauberhafte Gardemädels. Kleine Einlagen auf der Umzugsstrecke waren Ehrensache und bekamen viel Applaus. Dazwischen gab's immer wieder was auf die Ohren von den einzelnen Guggengruppen. Die "Gmendr Altstadtfäger", die Freiwillige Guggenmusik Überdruck aus Wetzgau, "Schwoba Gwiddr" aus Oberkochen, die "Remstalgugga Bäbenga", die Donzdorfer "Nodabiagr" und viele mehr bliesen den Zuschauern kräftig den schrägen Marsch. Mittanzen machte nicht nur ungeheuer Spaß, sondern sorgte auch fürs Aufwärmen der Muskeln. Wer beim Umzug noch nicht genug Guggenmusik gehört hatte, feierte im Anschluss im Festzelt bei der Stadthalle bei der Guggenparty kräftig mit. Damit man auch wusste, welche Gruppe jeweils an einem vorbeizog, sorgten gleich drei Moderatoren der Lorcher Fasnetsgesellschaft für Informationen. Rainer Kontermann am Zollplatz, Karl-Heinz Bareiß am Karlsplatz und Carsten Klieme bei der Sonnenbrücke. Und wenn der Zug mal ein wenig ins Stocken geriet, boten sie für Kurzweil mit viel Wortwitz. Oder eine der 17 Musikgruppen gab ein Ständchen obendrauf, bis eben wieder weitermarschiert werden konnte.

anja jantschik

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