Holzwurm nagt an der Stadtkirche

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Holzwurmbekämpfung Stadtkirche Lorch
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Der Holzwurm hat die Emporenbilder der Lorcher Stadtkirche befallen. Drei Restauratorinnen gehen diese Woche dagegen vor.

Lorch

Mit einer kleinen Spritze sticht Christina von Buchholtz in die graue Brüstung der Kirchenempore. „Ich spritze ein sogenanntes Larventötungsgift in jedes Loch“, erklärt die Diplom-Restauratorin und zeigt auf winzige runde Schäden im Holz. Dadurch sollen die Larven des Nagekäfers sterben, allgemein bekannt als Holzwurm. Die Tiere haben die 300 Jahre alten Emporenbilder samt Brüstung der Lorcher Stadtkirche befallen. Seit Dienstag gehen Christina von Buchholtz, Caroline Walther und Ursula Fuhrer dagegen vor.

Bemerkt hat Mesnerin Renate Fuchs im Mai, dass etwas nicht stimmt, erzählt Pfarrer Christof Messerschmidt. „Ihr war das Holzmehl aufgefallen, das die Holzwürmer verursachen.“ Bei genauerem Hinsehen sah man kleine Löcher an den Bildern entlang der Empore. Der Pfarrer schoss Fotos davon und schickte sie an das Landesamt für Denkmalpflege. „Dort wurde mir geraten, möglichst schnell etwas dagegen zu tun.“ Damit sich der Befall nicht auf die gesamte Kirche ausbreitet. „Außer den Bildern ist bisher zum Glück nichts betroffen.“ Was erstaunlich ist, sagt Restauratorin von Buchholtz. Denn auch in den Bildern, die denen der Empore gleichen, jedoch im Altarraum hängen, haben sie Holzwürmer gefunden. Aber nicht in der Kanzel oder in den Sitzbänken. „Vielleicht liegt es an der Art des Holzes, manches scheint den Larven besser zu schmecken als anderes.“

Der Holzwurm ist übrigens kein Wurm im herkömmlichen Sinn. Gemeint ist die Larve des Gemeinden Nagekäfers. Diese frisst sich am liebsten durch verarbeitetes Holz. Und in einer Umgebung, in der sie ihre Ruhe hat, meint Ursula Fuhrer. Kirchen scheinen deswegen besonders beliebt bei der Gattung, deren Käfer auch fliegen können und so ihre Eier verbreiten.

Das Landesamt für Denkmalschutz übermittelte Messerschmidt eine Liste mit Restauratoren, die Arbeiten an denkmalgeschützten Gebäuden machen dürfen. „Zum Glück hatten die Stuttgarterinnen schnell dafür Zeit“, sagt der Pfarrer. Er kennt sich mit dem Problem Holzwurm aus: „In meiner vorherigen Pfarrstelle war ein Riemenschneider-Altar befallen.“ Also ein aus dem 16-Jahrhundert stammendes Werk von Tilman Riemenschneider. „Damals wurde die Kirche abgedichtet und das Innere begast.“

So viel Aufwand müsse man in Lorch nicht betreiben, sagen die Fachfrauen. Sie spritzen je zweimal Gift in jedes Ausflugsloch, das die Käfer zurückgelassen haben. „Daran stirbt die Larve direkt oder später, sobald sie das getränkte Holz frisst“, beschreibt Fuhrer. Ihrer Erfahrung nach war der Befall in der Stadtkirche kein geringer. Doch die auf drei Tage angelegte Bekämpfung werde ihre Wirkung nicht verfehlen. Die Restauratorinnen haben außerdem das Altarkreuz und eine Vielzahl der Bilder konserviert. „Die Farbschicht löste sich an einigen Stellen“, erklärt Fuhrer und zeigt auf helle Flächen.

Poröse Dachziegel

Messerschmidt schätzt die Kosten der Arbeiten auf 5000 bis 7000 Euro. Tragen muss sie die Kirchengemeinde. „Vielleicht gibt das Landesdenkmalamt etwas dazu.“ Eigentlich spare die Gemeinde nämlich auf andere, dringend notwendige Arbeiten: „Im nächsten Jahr wollen wir das Kirchendach und das Dach vom Kirchenturm restaurieren lassen.“ Die Ziegel des Turms seien porös. Und vom Kirchendach würden bei schweren Stürmen vereinzelt Ziegel herunterfallen. „Die Finanzierung dafür wird spannend“, gibt der Pfarrer zu. Rücklagen habe die Gemeinde aktuell kaum. „Vielleicht können wir uns ein inneres Darlehen gewähren.“ Schon lange wünscht sich Messerschmidt außerdem, dass das Innere der Kirche modernisiert wird. „Von einem neuen Anstrich abgesehen wäre eine neue Heizung wichtig, aber auch neue Lautsprecher und ein schöneres Lichtkonzept.“

Die Lorcher Stadtkirche bleibt wegen der Arbeiten bis Sonntag, 8. August, geschlossen. Gottesdienst und Orgelkonzert am Sonntag finden statt.

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