Kalk aus der Luft soll dem Wald helfen

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Ein spannendes Schauspiel bietet der Helikopter, der das Material für die Bodenschutzkalkung im Landeswald aus der Luft verteilt.⋌ Foto: privat

Ab diesem Montag wird mit dem Helikopter auf Landeswaldflächen zwischen Lorch und Plüderhausen Material verteilt. Während der Arbeiten sind die jeweiligen Waldbereiche abgesperrt.

Lorch

Der Klimawandel stellt die Wälder derzeit vor besonders große Herausforderungen. Trockenheit, Stürme und Schädlinge stressen die Bäume. Die Wissenschaft sieht in der Bodenversauerung einen weiteren Auslöser für die Waldschäden. Die Kalkung der Waldböden ist daher eine wichtige Strategie zur Hege der Wälder in Zeiten der Klimakrise.

„Mit der gezielten Bodenschutzkalkung unterstützen wir unsere Waldböden und mildern die negativen chemischen Prozesse im Untergrund ab“, erläutert Anton Watzek, Leiter des Forstbezirks Schurwald mit Sitz in Göppingen. „In den letzten 70 Jahren haben viele unserer Waldböden durch Luftschadstoffe und Säureeinträge stark gelitten. Zwar ist die Säurebelastung des Waldbodens dank der Luftreinhaltemaßnahmen reduziert worden, jedoch bleibt die Bildung von Stickstoffverbindungen weiterhin hoch und belastet die Waldökosysteme. Zudem ist eine Säurealtlast aus den 70er- und 80er-Jahren in den Waldböden zurückgeblieben“.

Intakte Waldböden sind die Lebensgrundlage für gesundes Waldwachstum und für die langfristige Erhaltung der Waldfunktionen äußerst wichtig. Forscher gehen davon aus, dass Bäume in versauerten Böden flacher wurzeln und dort noch anfälliger für Trockenstress sind. Sie raten daher dringend, für die Entwicklung klimastabiler Wälder durch menschlichen Einfluss versauerte Böden zu kalken. Von Natur aus saure Böden stehen nicht im Fokus und ökologisch sensible Bereiche wie Quellen werden bei der Kalkung konsequent ausgespart.

Die zweite bundesweite Erhebung des Bodenzustands hat gezeigt, dass sich die Situation versauerter Waldböden mit dem Ausbringen von Kalk verbessern lässt. Das gemahlene oder zerkleinerte Gestein erhöht den pH-Wert der Waldböden, die Sättigung mit wichtigen Nährelementen nimmt dadurch wieder zu. Im Ergebnis steigt damit die Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen spürbar an, was auch die Kohlenstoffspeicherung in den Böden verbessert.

Seit rund zehn Jahren werden in Baden-Württemberg zur Bodenschutzkalkung Gemische aus Dolomit, Holzasche und Wasser eingesetzt. Das Material wird entweder mit Hubschraubern ausgebracht oder mittels speziell ausgerüsteter Fahrzeuge vom Boden aus verblasen.

Dieses Gemisch ist für Waldbesucher ungefährlich. Allerdings kann es zur Bildung von Klumpen kommen, die geschossartig herabkommen und zu Verletzungen führen können. Während der Ausbringungsarbeiten werden die betroffenen Waldbereiche daher abgesperrt, dadurch kann in dieser Zeit der Waldzutritt teilweise eingeschränkt sein. „Waldbesuchende sollten die Sperrhinweise beachten, denn es ist mit einem erhöhten Lkw-Verkehr aufgrund der Materialanlieferungen sowie herabrieselndem Kalkstaub aus dem Streukübel des Helikopters zu rechnen und es wird allgemein staubig werden“, betont Martin Röhrs der Forstbezirksleiter des Schwäbisch-Fränkischen Waldes mit Sitz in Welzheim. Idealerweise sollte man in diesen Bereichen vor dem nächsten Waldbesuch einen Regenschauer abwarten, der den Kalkstaub vollends in den Boden spült.

Ab der vierten Augustwoche wird auf rund 400 Hektar Staatswaldfläche des Reviers Eulenhof der Waldboden mit Hilfe eines Hubschraubers gekalkt. Das zu kalkende Waldgebiet liegt nordöstlich von Plüderhausen, zwischen Urbach, Walkersbach und Lorch-Weitmars. Das Remstal grenzt die Fläche im Süden ab. Je nach Wetterlage wird die Maßnahme mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Ein spannendes Schauspiel bietet der Helikopter, der das Material für die Bodenschutzkalkung im Landeswald aus der Luft verteilt.

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