Kein städtisches Geld fürs Lorcher Heimatmuseum

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Das Wohnhaus in der Stuttgarter Straße, in dem einst Friedrich Schiller gelebte hat, ist stark sanierungsbedürftig. Deswegen hat es die Stadt Lorch nun verkauft.
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Ein Heimatmuseum oder Lagerräume für Historisches sieht die Stadt Lorch nur auf ehrenamtlicher Basis. Das Schillerhaus in der Stuttgarter Straße wird verkauft.

Lorch

Kein Heimatmuseum und keine Lagerräume für Historisches: Bei diesem Standpunkt blieb die Lorcher Verwaltung auch nach der Debatte im Gemeinderat während der jüngsten Sitzung. Bei dieser hatten die Rätinnen und Räte unterschiedliche Standpunkte ausgetauscht.

Ausgangspunkt war ein Antrag der SPD-Fraktion. Sie hatte gefordert, die Stadtverwaltung solle Vorschläge für Lagermöglichkeiten machen, um erhaltenswerte historische Gegenstände bei Bedarf sachgerecht aufzubewahren. Als Beispiel war der Nachlass des verstorbenen Waldhäusers Heinz Oesterle genannt, der eine umfangreiche Sammlung landwirtschaftlicher Geräte umfasst. Aber auch die 120 Jahre alte Hörger-Kutsche und eine fast vollständig erhaltene Küblerwerkstatt.

Mario Capezzuto (SPD) begründete in der Sitzung damit und mit Lorchs römischem und staufischem Erbe, dass die Zeit reif sei für ein Lorcher Heimatmuseum. „Das dient der Identifikation, auch für unsere Kinder und Enkel.“ Sein Fraktionskollege Manfred Schramm ergänzte, dass im Remstal nur Lorch, Plüderhausen und Böbingen kein Heimatmuseum hätten. Alle anderen könnten Ausstellungen aufweisen. Beide Räte zeigten aber auch Verständnis dafür, dass die Stadt in diesen Zeiten keinen großen finanziellen Spielraum habe.

Damit hatte die Verwaltung im Vorfeld begründet, dass sie keine Lagerräume zur Verfügung stellen geschweige denn ein Heimatmuseum einrichten könne. Hauptamtsleiter Oliver Tursic klagte in der Sitzung: „Wir haben jetzt schon für uns keine Räumlichkeiten.“ Schramm sprach ein früheres Bauernhaus in der Remsgartenstraße als vorüberhegende Möglichkeit an: „Dort regnet es zum Dach rein, es muss abgerissen werden“, erwiderte Tursic.

Vielleicht mit Helferkreis?

Eine Unterkunft für ein Museum gebe es nicht, sagte Bürgermeisterin Marita Funk und berichtete vom früheren Wohnhaus Friedrich Schillers in der Stuttgarter Straße 9. Vor Jahren habe man dort ein Museum einrichten wollen. Doch die Renovierungs- und Erhaltungskosten seien später als zu hoch angesehen worden. Deswegen habe die Verwaltung vom Rat die Aufgabe erhalten, das Haus zu veräußern. Was im Laufe dieses Monats noch geschehen werde (siehe Kasten). Funk verwies zudem auf die Einschätzung von Stadtarchivar Simon M. Haag, der zwar wechselnde Themenausstellungen befürworte, aber keine Rechtfertigung für ein Heimatmuseum im Lorcher Fundus erkenne.

Werner Kolb (Freie Wähler) sagte, er verstehe den Wunsch nach einem Heimatmuseum. „Doch das Geld dafür ist nicht da“, bedauerte er. Deswegen schlug Kolb die Gründung einer Stiftung für das Thema vor. „Ohne externe Lösung schieben wir das noch ewig vor uns her.“ Auch Dietmar Hermann (CDU) sah die Lösung auf ehrenamtlicher Basis. „In dem Thema steckt sehr viel Herzblut, vielleicht ist ein Helferkreis möglich.“

Bürgermeisterin Funk griff den Vorschlag auf und meinte, dass auch Lagermöglichkeiten vielleicht privat gefunden werden könnten. Sie setze dazu gerne einen Aufruf ins Mitteilungsblatt. Hauptamtsleiter Oliver Tursic stellte die Möglichkeit eines Mietzuschusses durch die Stadt in den Raum.

In dem Thema steckt sehr viel Herzblut.“

Dietmar Hermann,, Gemeinderat (CDU)

Das Schillerhaus wird verkauft

Noch im Mai wechselt das frühere Wohnhaus von Friedrich Schiller den Besitzer. Die Stadt veräußert das sanierungsbedürftige Gebäude. „Ich denke, dass wir einen marktüblichen Preis erhalten“, sagt Bürgermeisterin Marita Funk. Der Käufer wolle das Wohnhaus erhalten und die Wohnungen modernisieren. Funk verrät außerdem, dass es eine neue historische Tafel geben wird, die auf das Schillerhaus und die Geschichte verweist. cop

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