Kein Tempo 30 für Lorcher Kreisstraßen

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In der Bahnhofstraße in Waldhausen ist keine Tempo 30-Zone möglich, sagt der Kreis. Gleiches gelte für die Kaiserstraße und die Teck- und Hohbergstraße.
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Bahnhofstraße, Kaiserstraße sowie Teck- und Hohbergstraße bekommen wohl kein Tempo 30, sagt der Kreis. Wie die Stadt Lorch damit umgehen will.

Lorch

Ob Kaiserstraße in Rattenharz, Teck- und Hohbergstraße in Weitmars oder Bahnhofstraße in Waldhausen: Regelmäßig machen Anwohner dieser Kreisstraßen die Lorcher Verwaltung darauf aufmerksam, dass sie sich Tempo 30 wünschen. Ein Waldhäuser hatte im September die Bürgerfragestunde des Gemeinderats genutzt und erzählt, wie froh er sei, dass wegen der Brückenbaustelle in der Bahnhofstraße weniger Verkehr ist. Ob langfristig nicht Tempo 30 eine ähnlich entspannte Situation bringen würde? Bürgermeisterin Marita Funk hatte geantwortet, dass es für Kreisstraßen höhere Anforderungen gebe, um dort Tempo 30 zuzulassen. Die Verantwortung liege bei der Straßenverkehrsbehörde des Kreises.

Beim Landratsamt in Aalen nachgefragt, erklärt Sprecherin Susanne Dietterle: „Tempo 30-Zonen können nach Paragraf 45 Absatz 1c Straßenverkehrsordnung grundsätzlich nur innerhalb geschlossener Ortschaften angeordnet werden und dürfen sich weder auf Straßen des überörtlichen Verkehrs noch auf weitere Vorfahrtsstraßen erstrecken.“

30 ist nicht gleich 30

Eine Straße des überörtlichen Verkehrs ist eine Straße, die als Bundes-, Landes- oder eben als Kreisstraße klassifiziert ist. „Demzufolge können auf Kreisstraßen keine Tempo-30-Zonen angeordnet werden.“ Sowohl die Kaiserstraße in Rattenharz als auch die Bahnhofstraße in Waldhausen und Teck- und Hohbergstraße in Weitmars seien Kreisstraßen. Dietterle erklärt, dass es im Zuständigkeitsbereich der Unteren Straßenverkehrsbehörde keine einzige Kreisstraße mit Tempo 30-Zone gibt.

30er-Zonen, die unter anderem auch Vorfahrtsregeln vorgeben, seien nicht möglich, aber eine Beschränkung auf 30 Stundenkilometer schon, sagt Bürgermeisterin Funk. Aber auch die lehnte der Kreis bislang zumindest für die Kaiserstraße und die beiden Straßen in Weitmars ab. Funk verteidigt das Vorgehen der Stadt: „In den letzten Verkehrsschauen hatten wir diese Straßen intensiv begutachtet.“ In Rattenharz habe die Stadt mit der engen Straße und der Bushaltestelle argumentiert. Doch die Experten hätten kein erhöhtes Risiko gesehen. Ebenso sei aufgrund des fehlenden Schwerlastverkehrs auch die Lärmproblematik von der Verkehrsschau nicht anerkannt worden.

Die Stadt werde die Situation in den Straßen weiterhin „sehr genau“ beobachten. Außerdem nennt die Bürgermeisterin vier Maßnahmen: „Zum einen werden wir regelmäßig kommunale Messungen durchführen und bei entsprechenden Überschreitungen mobile Messungen beim Landratsamt einfordern.“ Angesprochen auf die lediglich zwei Messgeräte des Landkreises für alle Kommunen, sagt Funk, dass die Messungen im Schnitt viermal im Jahr in Lorch stattfänden.

Zweitens wolle die Verwaltung in der Verkehrsschau die Vorfahrtsregelung thematisieren. Mit Blick auf Weitmars verspricht Funk: „Sollten wir überschnelle Geschwindigkeiten auf der Teck- und Hohbergstraße feststellen, werden wir die Änderung der Rechts-vor-Links-Regelungen ins Gespräch bringen – konkret die Kreuzung im Buchs.“ Auch so könne der Verkehr verlangsamt werden.

Messungen rund um die Uhr

Funk möchte zudem Gesetzesänderungen und Pilotprojekte im Blick behalten. Und Änderungen in der Umgebung aktiv wahrnehmen. Wenn an einer Kreisstraße in Zukunft beispielsweise betreute Seniorenwohnungen entstehen, könne aufgrund der Ausnahmeregelungen in Paragraf 45 ein erneuter Vorstoß für ein streckenbezogenes Tempo 30 erfolgen. „Insgesamt bin ich auf die Rückmeldungen aus der Bürgerbeteiligung gespannt“, verweist Funk auf das aktuell laufende Beteiligungsprojekt. Gerade hinsichtlich der Bahnhofstraße in Waldhausen: „Es wird spannend, was wir in Zukunft dort für Nutzungen sehen und ob dadurch streckenbezogene Geschwindigkeitsreduzierungen machbar sind.“ Sie meint, dass die dortigen Parkbuchten jetzt schon den Verkehr abbremsen. Wohl nicht genug: Die Klage über zu schnelles Fahren in der Straße wurde in der Vergangenheit schon öfters vorgebracht. Um die Lage genau abschätzen zu können, werde die Stadt nach der Öffnung der dortigen Brücke Messungen rund um die Uhr durchführen, sagt die Bürgermeisterin.

Die Experten haben kein erhöhtes Risiko gesehen.“

Marita Funk,, Bürgermeisterin

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