Von Huftieren, Kräutern und starken Frauen

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Beim Schlosserlebnistag im Lorcher Kloster berichteten die Gästeführer am Sonntag Wissenswertes über die Staufer, über das Leben der Mönche und auch über den Klostergarten, in dem unter anderem die „Rose ohne Dornen“ blüht, die Irene von Byzanz gewidmet ist.
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Schlosserlebnistag im Kloster Lorch führt durch die Geschichte der Staufer und das Leben der Mönche.

Lorch. Kultur - Genuss - Querbeet: Unter diesem Motto öffnete am Sonntag das Kloster Lorch seine Pforten für Besucher und bot unter dem Thema „Tierisch gut“ verschiedene Sonderführungen an. 

Der Klostergarten mit seinen rund 100 unterschiedlichen Pflanzen, Kräutern und Gewürzen stand in voller Blüte. Die hier angebaute Pfingstrose, „die Rose ohne Dornen“, ist Irene von Byzanz gewidmet, die im August 1208 hier im Kloster beigesetzt wurde. Irene von Byzanz war eine der Persönlichkeiten, denen sich Gästeführerin Anneliese Welz bei ihren Führungen „von Mönchen, Staufern und tierischen Gesellen“ und „Starke Frauen, tierisch gut“ intensiver widmete. 

Im Kapitelsaal des Klosters präsentierte das Stauferrundbild des Künstlers Hans Kloos mit seiner Farbenpracht und Detailverliebtheit die Epoche der Staufer von deren Aufstieg, ihrer Blütezeit, bis hin zum tragischen Tod des letzten Staufers Konradin, der im Jahr 1268 in Neapel von Karl von Anjou öffentlich enthauptet wurde. 

Anneliese Welz entführte die zahlreichen Besucher in die Geschichte der Staufer mit ihren zehn Königen und drei Kaisern. Dass auch im Mittelalter die Frauen großen Einfluss auf ihre gekrönten Gatten und auf die herrschende Politik hatten, erzählte die Gästeführerin anhand der „starken Frauen“ Agnes von Waiblingen, Beatrix von Burgund und der Irene von Byzanz, deren vier Töchter in den europäischen Hochadel verheiratet wurden und so das Blut der Staufer in andere Dynastien trugen. 

Gräber in der Klosterkirche

Irene von Byzanz wurde 1177 in Konstantinopel als Tochter des byzantinischen Kaisers Isaak II. Angelos geboren. Bereits als 15-Jährige endete ihre kurze Ehe mit dem normannischen König Roger III. von Sizilien durch dessen Tod. 1198 ehelichte Irene den jüngsten Sohn von Friedrich Barbarossa, den späteren König Philipp. Gemeinsam mit Phillip habe Irene von Byzanz einen „großen Landfrieden geschaffen“, erinnerte Welz. Irene erfreute sich bei ihrem Volk großer Beliebtheit. Dazu habe ihr Glaube und ihre Großzügigkeit den Untergebenen gegenüber beigetragen. Nach der Ermordung ihres Gatten im Juni 1208 zog sich Irene hochschwanger auf die Burg Hohenstaufen zurück, wo sie kurz darauf bei der Geburt des siebten Kindes starb. Abt Nikolaus Schenk von Arberg ließ 1475 sämtliche Staufergräber im Mittelschiff, vor den Stufen des Chores und im Chor, öffnen und die Überreste in einer Tumba zusammentragen, die im Mittelschiff der Klosterkirche steht. Hier sei auch Irene von Byzanz‘ letzte Ruhestätte. Zuvor waren alle Grablegen in der Kirche verteilt, erklärte Welz, die auch Spannendes und Kurioses aus dem Leben der Mönche zu berichten wusste. 

Das Leben der Mönche war damals in zwei große Abschnitte geteilt, zu denen das Gebet und die Ernährung gehörten. Acht Gebetszeiten waren im Kloster Vorschrift. In der Antike wurde der Tag nicht in Stunden gemessen, sondern an der Zeit der sichtbaren Sonne, so dass in den dunkleren Jahreszeiten die Gebetszeiten komprimiert werden mussten. Eine tägliche große Messe war „gesetzt“, gefolgt von den Stundengebeten, die tagsüber in der Klosterkirche stattfanden. 

In den drei noch erhaltenen, prachtvollen Chorbüchern des Lorcher Klosters sind die Gesänge der Gottesdienste in der Reihenfolge des Kirchenjahres enthalten. Anneliese Welz ist sicher, es habe vor der Entstehung der Chorbücher Anfang des 16. Jahrhunderts bereits Chorbücher gegeben. Diese seien als Schutzumschlag für die neuen Bücher verwendet worden. 

Die Gästeführerin berichtete auch von kulinarischen Regeln im Kloster: Den Benediktinermönchen lagen strenge Essensregularien vor. Jährlich gab es 150 Fastentage. An fastenfreien Tagen durfte in Sachen Fleisch nur Geflügel oder Fisch verzehrt werden. „Das Böse trägt Hufe“, begründete Anneliese Welz die Vorschrift.

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