Kriegserinnerungen in der Kirche

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In der Lorcher Stadtkirche stellen künftige Altenpflegerinnen und -pfleger Bilder, Skulpturen und Infos über Kriegstraumata aus.
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Zeitzeugen, die sich an den Zweiten Weltkrieg erinnern, sind oft traumatisiert. In der Lorcher Stadtkirche beschäftigt sich eine beeindruckende Ausstellung mit dem Thema.

Lorch

Ein Kind sitzt weinend in der Ecke eines völlig zerstörten Zimmers. Drei Menschen, nur als schwarze Schemen zu sehen, laufen auf einer Straße ins Nirgendwo. Und in vier rot Schusslöchern stehen die Worte Schmerz, Gewalt, Leid und Trauer. Die Werke von Fatbardha Islami über „Kindesträume“, „Flucht“ von Ajriz Bajra und Ilhan Mustafi sowie „Zerschossene Seelen“ von Magdalena Mödinger sind Teil der Ausstellung, die ab Freitag in der Lorcher Stadtkirche zu sehen ist.

„Kriegskinder. Erinnerungen, die bald verblassen“ lautet der Titel. Gleichzeitig steht er für die Projektarbeit der Auszubildenden des Diakonischen Instituts für soziale Berufe. Die Berufsfachschule für Pflege ist im Kloster Lorch untergebracht. Elke Schuler ist dort Dozentin und baute die insgesamt sieben Bilder und Skulpturen mit den Schülerinnen und Schülern im Altarraum der Kirche auf. Dass der Kurs sich mit Kriegserinnerungen beschäftigen wollte, habe einen handfesten Grund: „Weil sie in den Einrichtungen mit vielen Menschen zu tun haben, die zu dieser schwertraumatisierten Generation gehören.“ Dass die Ausstellung wegen des Ukraine-Kriegs aktueller wirkt denn je, ist Zufall. Die Erkenntnis wirkt beim Betrachten aber nach.

Unterm Tisch verstecken

Die Azubis haben Erfahrung mit Traumata gesammelt: „Es muss nur einen Schlüsselmoment geben und dann bricht etwas ganz tief aus dem Innernauf", erzählt Florian. Magdalena ergänzte: „Bei sehr lauten Geräuschen verstecken sich manche unter dem Tisch.“ Dass die künftigen Altenpfleger damit umgehen können, war das Ziel des Projekts. Deswegen hat sich eine Gruppe mit dem Umgang mit Traumata beschäftigt. „Dazu haben wir mit einem Traumatherapeuten geredet“, erzählte Dozentin Schuler. Außerdem besuchte der Kurs das Konzentrationslager in Schwäbisch Hall-Hessental, sprach mit gut 15 Zeitzeugen, hörte von Ortshistoriker Manfred Schramm einen Vortrag und recherchierte viel im Internet. Mit dem Wissen schufen die jungen Leute die Kohlezeichnungen, Acrylbilder und Skulpturen, die in Lorch zu sehen sein werden.

Außerdem liegen drei Ordner aus, in denen Ergebnisse der Recherche zu lesen sind. Neben dem Umgang mit Traumata gibt es einen Ordner, der sich mit Gewalt im Krieg beschäftigt. Ein Schwerpunkt bezieht sich dabei auf Vergewaltigungen. Hinterfragt wird aber auch, wie Soldaten mit ihrem Erlebten umgegangen sind. „Weil wir das Gefühl hatten, dass wir dem sehr schweren Thema noch etwas entgegensetzen mussten, hat sich eine weitere Gruppe mit Momenten der Hoffnung beschäftigt“, sagte Elke Schuler und zeigte einen Ordner, in dem beispielsweise von den schönen Erlebnissen der Mädchen und Jungen im Bund der Mädchen oder der Hitlerjugend erzählt wird.

Wie wichtig ist es, die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg aufrecht zu erhalten? „Sehr wichtig“, sagte Aline, „damit so etwas nicht wieder passiert“. Florian schob sofort nach: „Vor allem, wenn man sieht, was gerade in der Ukraine passiert.“ Auch wenn es immer weniger Zeitzeugen gibt: „Das sollte weiter ein wichtiges Thema sein, für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft“, meinte der junge Auszubildende.

Die Ausstellung wird im Rahmen des Friedensgebets am Freitag, 18. März, um 18 Uhr, in der Stadtkirche eröffnet.

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