Lebendige Stadt als gemeinsames Ziel

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Im Lorcher Stadtentwicklungsplan ist die Belebung des Oria-Platzes ein eigenes Ziel. Bürgermeisterin Marita Funk hält das 110-Seiten-Werk in der Hand. Foto: cop
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Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk spricht über den Stadtentwicklungsplan 2035. Über Prioritäten, den Oria-Platz, die Bürger und das Pfäffle-Areal.

Lorch

Die Stadt Lorch soll in den kommenden Jahren neu belebt werden. Hierfür ist der Stadtentwicklungsplan 2035 auf den Weg gebracht worden. Darüber und über weitere Themen spricht Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk im Interview mit der Gmünder Tagespost.

Frau Funk, Sie haben schon im Wahlkampf einen Stadtentwicklungsplan ins Spiel gebracht. Was gewinnt Lorch denn dadurch?

Marita Funk: Mir ist wichtig, dass wir wissen, was sind unsere großen Ziele. Erst wenn man weiß, wo man hinwill, kann man richtige Entscheidungen treffen. Deswegen dieser rote Leitfaden. Was sehr positiv war, war die Bürgerbeteiligung. So bekamen wir rückgespiegelt, wo der Schuh drückt. Überrascht hat mich dabei der Oria-Platz.

Wieso?

Ich habe das schon im Wahlkampf gehört, dass es da große Diskussionen gibt. Aber dass das so kontrovers diskutiert wird, war mir nicht bewusst. Jetzt haben wir dem Oria-Platz im Plan ein eigenes Ziel gewidmet.

Wann wird es da erste spürbare Ergebnisse geben?

Wir fragen die Beschicker vom Wochenmarkt ab, was sie von einem Standortwechsel auf den Oria-Platz halten. Dann kann der Gemeinderat entscheiden, ob wir den Markt dauerhaft umlegen. Nächstes Jahr richten wir zwei Veranstaltungen auf dem Platz aus, zum einen zu 50 Jahre Ostalbkreis. Zum anderen haben wir das Wanderkino gebucht. Im Herbst möchte ich auch bei den Vereinen nachfragen.

Wozu?

Belebung lebt auch vom Ehrenamt. Der Männergesangverein wollte letztes Jahr einen Weihnachtsmarkt auf dem Oria-Platz machen. So etwas wäre richtig gut. Aber man muss das Thema auch relativieren.

Inwiefern?

Fertig war er 2019, in 2020 und 2021 wurde wegen der Pandemie viel ausgebremst. Der Platz wäre bespielt worden, es ging aber eben nicht.

Wie wichtig ist der Beitrag der Bürgerschaft denn überhaupt, um die Ziele des Plans zu verwirklichen?

Die Ziele der Stadt zu erreichen, schaffen wir nur, wenn sich auch die Bürgerinnen und Bürger einbringen. Wir möchten eine lebendige Stadt, also brauchen wir das Ehrenamt. Wir möchten einen schönen Schulcampus, also brauchen wir die Schüler. Nur einseitig können wir das nicht bringen.

Haben Themen, die nicht im Plan stehen sind, noch eine Chance, realisiert zu werden?

Was bei den Bürgerbeteiligungen gesagt wurde, ist laut Büro Zoll alles in den Plan eingeflossen. Man muss aber wissen, dass der Plan nicht in Stein gemeißelt ist. Die Rahmenbedingungen wandeln sich. In fünf Jahren merken wir vielleicht, dass wir andere Prioritäten haben oder dass wir Dinge anders angehen müssen.

Im Plan gibt es die fünf Themenfelder Städtebau, Infrastruktur, Grün- und Freiraum, Gemeinwesen und Soziales sowie Freizeit und Aktivitäten. Welches ist für Sie das dringlichste?

Schwierig, das zu priorisieren (überlegt). Am schnellsten erreicht man was beim Gemeinwesen. Wobei ich auch den Städtebau vorne sehe, weil wir viele offene Aufgaben haben, zum Beispiel bei Kindergärten, Schulen und sozialen Einrichtungen. Aber auch bei der Infrastruktur, da denke ich jetzt an Spielplätze.

Im Plan sind die Ziele in den Themenfeldern priorisiert. Nach welchen Kriterien?

Das hat der Gemeinderat in seiner Klausurtagung gemacht. Jedes Mitglied hat seine Prioritäten festgelegt, was dann zusammengeflossen ist.

Im Vorwort steht, dass der Fokus auf Lorch als „klimafreundliche Stadt“ liegt. Wo spiegelt sich das im Plan wider?

Konkret in der Förderung der Ladesäulen-Infrastruktur, von Blühflächen oder von Photovoltaikanlagen. Oder dass wir uns anschauen, wo wir versiegelte Flächen rückbauen können. Das ist aber auch ein übergeordnetes Thema. Mehr Radwege zum Beispiel bedeutet natürlich auch Klimafreundlichkeit, ebenso die Teilnahme am Landessanierungsprogramm, das klimafreundliche Maßnahmen fördert.

Ein Ziel lautet, soziale Infrastruktur zurück in die Stadt zu holen. Die Innenstadt wird aber immer leerer. Wie wollen Sie hier eine Wende erreichen?

Dabei geht es ja nicht nur ums Einkaufen. Obwohl uns das auch sehr wichtig ist, deswegen sind wir ja im Innenstadtprogramm des Regionalverbands. Zur sozialen Infrastruktur gehören aber auch Seniorenwohnungen oder Pflegeheime. Wer jetzt im Alter auf einem unserer Berge wohnt, überlegt sich, ob eine Wohnung in der Stadt nicht besser wäre.

Als für die Innenstadt bedeutsam werden im Plan das Pfäffle-Areal und das Binz-Areal genannt. Beide gehören nicht der Stadt. Wie möchten Sie dort Einfluss bekommen?

Im Plan wurden alle Ziele aufgenommen, egal ob wir auf alles Zugriff haben oder nicht. Wenn auf den beiden Arealen Entwicklungen wären, auf die wir Einfluss nehmen könnten, müssen wir uns ja im Klaren sein, was wir dort sehen. Das Unternehmen Pfäffle ist zum Glück noch da. Sollte das aber nicht mehr der Fall sein, haben wir im Prozess definiert, dass wir dort dann nicht mehr Gewerbe sehen, sondern etwas Anderes. Das bereits jetzt auszusprechen, ist etwas, was einen Stadtentwicklungsplan ausmacht. Mit den Eigentümern des Binz-Areals stehe ich in regelmäßigem Kontakt, weil mir das wichtig ist.

Warum?

Wir haben wenige ebene Flächen fürs Gewerbe. Deswegen vermitteln wir auch, wenn es Anfragen von Unternehmen gibt. Andersherum informiert uns der Besitzer des Areals über Vermietungen. Auch die machen sich Gedanken.

Mehr Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen, mehr Stadtmarketing – ist mehr Personal im Rathaus geplant?

Wir stellen im März 2023 eine Nachfolgerin für einen Mitarbeiter ein, der im November in Ruhestand geht. Die Stelle wurde neu zugeschnitten, so dass diese dann explizite Ansprechpartnerin für die Vereine ist. Sonst gibt es im Moment kein weiteres Personal. Wir schauen gerade vielmehr, wo wir im Rathaus noch Räume für Mitarbeiter schaffen können.

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