Leuchten im Zeichen der Liebe

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Im Remstal erstrahlen die Kirchen in Rot. Die einzelnen Gemeinden tragen kreativ zum Programm bei.

Schwäbisch Gmünd/Lorch

Von Remseck bis Essingen waren die evangelischen und katholischen Kirchen am Samstag in rotes Licht getaucht – wie ein wärmendes Element im Zeichen der Liebe und des Heiligen Geistes. Es war die Nacht der offenen Kirchen, kurz NOK.

Die Kirchengemeinden Waldhausen, Lorch und Schwäbisch Gmünd boten ein vielfältiges Programm. In der Martin-Luther-Kirche in Waldhausen eröffnete Pfarrerin Ulrike Golder mit einer Andacht den Abend unter dem Motto "Freiheit!" Dazu hatten Waldhäuser Bürgerinnen und Bürger Texte und Bilder gesammelt, aus denen eine bunte Collage entstand, die die unterschiedlichen Empfindungen und Vorstellungen von Freiheit sichtbar machte.

Die Lorcher Stadtkirchengemeinde musste das draußen geplant Lichterlabyrinth wetterbedingt in den Kirchenraum verlegen. Aus Musik und Lesungen entfaltete sich ein besinnliches Programm. Ganz in der Farbe rot standen die Getränke der kleinen Bewirtung. Eine Farbe, die viele Gäste als Akzent an sich trugen, so wie es sich die Organisatoren gewünscht hatten.

In Schwäbisch Gmünd glühten Münster und Augustinuskirche rot. Alles stand im Zeichen der Ökumene. Bezirkskantor Thomas Brückmann und Kirchenmusikdirektor Stephan Beck ließen die Münster-Orgel erklingen. Brückmann interpretierte eines der bekanntesten Werke von Johann Sebastian Bach, die Toccata und Fuge d-Moll. Sie versetzte die vielen Zuhörerinnen und Zuhörer in eine andere Welt mit fesselnden Tonfolgen, die das Münster erfüllten. Das Werk des estnischen Komponisten Arvo Pärt eröffnete eine weitere Dimension. Mächtig begann "Annum per annum", um in leichten Klängen zu enden. Von Arvo Pärts Musik heißt es, sie schärfe den Sinn für menschliche Gemeinsamkeit und Grunderfahrungen. Ein Erlebnis, das Brückmanns Orgelspiel nachvollziehbar machte.

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die retten.

Ursula Richter, Dekanin

Stephan Beck brachte Frank Liszts "Fantasie und Fuge im Choral Ad nos, ad salutarem undam". Diese Komposition führt durch viele Ebenen und Stimmungen. Harmoniereiche Passagen in Abstufungen, von Beck mit hoher Musikalität klangvoll ausgestaltet, endeten in einem kraftvollen Finale.

Den Abschluss der "Nacht der Offenen Kirchen" läuteten die Glocken der Augustinuskirche ein. Dekanin Ursula Richter und ihr katholischer Kollege, Dekan Robert Kloker, zogen mit vielen Besucherinnen und Besuchern in die Kirche ein. Konzertpianist Michael Nuber eröffnete mit "Beau Soir" von Claude Debussy, der Vertonung eines Gedichts von Paul Bourget. Es beschreibt einen schönen Abend: Ein Fluss färbt sich im Sonnenuntergang rosig, Weizenfelder wiegen sich in einer warmen Brise. Dieses Bild setzte Nuber feinfühlig am Flügel um. Weiter zu hören waren Chopins "Nocturnes" in der Bearbeitung von Nuber mit einem stets wunderbar gehauchten Schlusston.

"Es gefällt dem Herrn, in der Nacht zu kommen", eröffnete Dekanin Richter den liturgischen Ausklang. "Fürchtet euch nicht." Robert Kloker sprach vom Kampf Jakobs mit dem Herrn (1. Mose), der ihn sagen lässt: "Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen und lebe noch." Mit Beispielen aus Bibel und täglichem Leben zeigten beide Dekane im Wechselgespräch, wie unerwartete Lebenskreuzungen und -wege letztlich ans richtige Ziel führen. Richter endete mit einer Begebenheit, bei der Hilfe benötigt und von einem Fremden geleistet wurde: "Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die retten."

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