Licht und Luft für Lorchs Wälder

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Forstrevierleiter Frank Simon neben den gefällten Mammutbäumen im Lorcher Staatswald. Die Bäume mussten weichen, damit die verbleibenden mehr Licht und Luft bekommen.

Revierleiter Frank Simon erklärt, warum nordöstlich des Klosters Mammutbäume gefällt wurden und wie er einen klimastabilen Wald erreichen will.

Lorch

Wer dieser Tage den Helmut-Löns-Weg entlang läuft, bemerkt riesige, gefällte Stämme am Rand. "Das sind Mammutbäume", erklärt Forstrevierleiter Frank Simon und fügt hinzu: "Davon haben wir etwa 20 gefällt." Und zwar, um Licht und Luft für die verbleibenden Exemplare zu bekommen. Zu dicht standen die Giganten mit der weichen Rinde im Waldgebiet, das zum Staatswald auf Lorcher Gemarkung gehört – und damit zu Frank Simons Revier.

Der 58-Jährige ist seit zwanzig Jahren für den Wald um Lorch verantwortlich. Allerdings hatte die Neuordnung der Reviere im Jahr 2020 auch für ihn Konsequenzen. "Ich bin nun nur noch für den Staatswald nördlich der Rems zuständig", erklärt er, "und nicht mehr für den Gemeinde- und Privatwald". Zuvor betreute er alle drei Besitzarten.

Simon kümmert sich um das Revier 10 des Forstbezirks Schwäbisch-Fränkischer Wald mit Sitz in Welzheim. Zum Forstrevier Lorch gehören grob gesagt die meisten Wälder nördlich von Lorch bis zur Gemarkung Alfdorf und Plüderhausen. Eben auch das Gebiet nordöstlich des Klosters, in dem der Hermann-Löns-Weg verläuft. Hier will Frank Simon sein Konzept umsetzen, mit dem er seit gut 15 Jahren im Lorcher Wald spürbar Akzente setzt. "Ich bin überzeugt, dass ein lichter Dauermischwald die Lösung für einen klimastabilen Wald bedeutet."

Dauermischwald bedeutet, dass verschiedenste Baumarten unterschiedlichen Alters beieinanderstehen und sich durch regelmäßige Durchforstung ständig natürlich verjüngen. Im Unterschied zum in Deutschland seit Jahrhunderten kultivierten Prinzip des Alterklassenwalds, das nach artengleicher Bepflanzung gleich alter Bäume strebt und mit Kahlschlag und einer Kulturfläche stets wieder von vorne beginnt. "Typisch dafür sind Fichtenwälder, bei denen gleich hohe Bäume mit ihrem Kronendach alles verdunkeln." Dazu kommt, dass sich die eng stehenden Bäume mit Wurzeln in der gleichen Tiefe Wasser und Nährstoffe streitig machen – "was durch die anhaltenden Trockenzeiten immer brisanter wird". Simon ist auch überzeugt davon, dass lichte Dauermischwälder gesünder sind und sich besser verjüngen. Deswegen nimmt er gut überlegt und punktuell Bäume aus der Masse heraus. Wie die gut 70 Jahre alten Mammutbäume.

Ein lichter Dauermischwald ist die Lösung für einen klimastabilen Wald.

Frank Simon, Forstrevierleiter

Simon erzählt, dass König Wilhelm 1865 Samen der Baumart aus Kalifornien nach Deutschland brachte. "Heute wachsen sie in gut 15 Revieren in Württemberg." Während die bekannten Bäume bei Bruck und in Welzheim zur ersten Generation gehören, wurden die Lorcher Exemplare 1954 gepflanzt. "Das Holz ist etwas Besonderes und noch weitgehend unbekannt." Auf dem Markt sei damit kein großes Geschäft zu machen. Vor allem, da ein Teil der Bäume Fäule aufgewiesen habe. "Ich denke, dass ihnen die Trockenheit nicht gut bekommt." Diese Art käme in Amerika im kalifornischen Bergland vor, wo es kühler ist als hier.

Simon sieht in dem Waldstück, in dem etliche der Riesen weiterhin wachsen, das Potenzial für einen Exotenwald. "Hier finden sich auch Ulmen, Elsbeeren und Tulpenbäume, also ebenfalls seltene Arten." Der Förster plant, das Gebiet im Auge zu behalten. Und eine erklärende Tafel für Spaziergänger aufzustellen, sollte es sich so "vital und schön" weiterentwickeln, wie er sich das vorstellt.

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