Lorcher Ärztin: „Wir sind komplett überlastet“

+
Impfen, impfen und noch einmal impfen: Das Verabreichen von Corona.Impfstoffen gehört für Magdalena Hefele-Golubic, Allgemeinmedizinerin aus Lorch, mittlerweile zum Alltag.
  • schließen

Die Lorcher Ärztin Magdalena Hefele-Golubic impft beinahe täglich und testet auf Corona. Was das für sie und ihr Team bedeutet.

Lorch

Das sind verrückte Zeiten“, sagt Magdalena Hefele-Golubic und schiebt hinterher: „Wir sind nicht überfordert, aber komplett überlastet.“ Die Allgemeinmedizinerin aus Lorch macht keinen Hehl daraus, dass sie und ihr Praxisteam seit Monaten hart an der Leistungsgrenze arbeiten. Denn die Hausarztpraxis in der Maierhofstraße ist sowohl Anlaufstation für Corona-Verdachtsfälle als auch fürs Impfen. „Neben dem normalen Praxisbetrieb.“

132 Menschen seien am Freitagnachmittag am letztem Novemberwochenende gekommen, als die Praxis zum Impfen ohne Anmeldung aufgerufen hatte. „Samstags haben wir dann in der Bereitschaftspraxis in Schorndorf mitgeholfen.“ Und am Sonntag wurde erneut geimpft, dieses Mal nach Voranmeldung. „Wir werden bis Weihnachten an jedem Wochenende impfen“, erzählt die 39-Jährige. Sie sei sehr froh, dass sich neben ihren Kollegen Inna Lavrinenko und Hermann Pflueger auch alle sieben Arzthelferinnen dazu bereit erklärt haben, im Wechsel am Wochenende zu arbeiten. „Alle machen einfach großartige Arbeit“, betont sie mehrfach.

Spahn-Aussage sorgt für Ärger

„Natürlich bleibt das Private momentan total auf der Strecke“, sagt Hefele-Golubic- Abends falle sie völlig erledigt ins Bett. „Denn es ist ja nicht nur der Pieks in den Arm.“ Vor der Impfung werde der Patient aufgeklärt, danach erhalte er das digitale Impfzertifikat. Dann müsse jede Immunisierung dokumentiert und gemeldet werden. Dazu kommt die Beantwortung von Anfragen und schlicht die gesamte Organisation von Terminen, Ausstattung und nicht zuletzt des Impfstoffs.

Dass der noch amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn jetzt in erster Linie den Impfstoff Moderna verwendet sehen möchte, ärgert die Ärztin. „Allein, dass so etwas bekannt gegeben wird, bevor wir Ärzte davon wussten.“ Hätten sie es zuerst erfahren, hätte die Praxis früher damit beginnen können, die Patienten über den Impfstoff aufzuklären. „Zudem fragen die Leute eben nach Biontech.“ Anfang der Woche hatte die Medizinerin bis zu 50 Impfanfragen vorliegen, die alle den Wunsch nach dem bisher geläufigen Impfstoff beinhaltet hätten. „Die muss ich dann vertrösten, weil wir nicht mehr so viel bestellen dürfen.“ Eine absolute Fehlplanung, die den Hausärzten die tägliche Arbeit erschwere.

Weiterhin möchte Hefele-Golubic auch unter der Woche während der Sprechstunde impfen. Bis zu 120 Menschen haben sie und ihr Team seither pro Woche immunisiert. Dass nicht jeder mit ihrem Einsatz fürs Impfen einverstanden ist und das auch mal artikuliert, ändere nichts an ihrer Haltung, sagt die Ärztin.

Außerdem ist die Praxis seit April 2020 Corona-Schwerpunktpraxis. Wer sich also mit dem PCR-Verfahren auf die Krankheit testen lassen will oder muss, macht einen Termin in der Infekt-Sprechstunde. „Die halten wir in einem anderen Raum ab, weil wir die normalen Patienten und die Infekt-Patienten nicht mischen wollen.“ Eine Ärztin oder ein Arzt macht dann jeden Morgen eine oder zwei Stunden lang Abstriche. „Wir haben die Mitarbeiter dafür und auch die Räumlichkeiten, und wir machen das gerne.“

Und noch mehr Ärger

Doch ärgerlich sei schon, dass wegen dieses zusätzlichen Angebots die Telefone der Praxis praktisch nie stillstehen. „Versuchen Sie mal, uns anzurufen“, sagt die 39-Jährige kopfschüttelnd. „Für unsere normalen Patienten ist das sehr ärgerlich.“ Jetzt stehe noch mehr Ärger ins Haus: Nur noch bis Mitte Dezember werde die Kassenärztliche Vereinigung Schutzkleidung für die Infekt-Sprechstunde liefern. „Dann müssen wir die selber einkaufen.“ Dass wohl so mancher Kollege die Flinte ins Korn werfen wird, sei ihr klar. „Dabei wäre es so wichtig, dass auch andere Ärzte Abstriche anbieten.“ Zumindest die, die das Personal und die Räume dafür hätten. Zu ihr kämen Patienten aus dem Raum zwischen Plüderhausen und Schwäbisch Gmünd. Magdalena Hefele-Golubic hat deswegen ihr Team an Arzthelferinnen aufgestockt. „Im Oktober habe ich eine weitere 100-Prozent-Kraft eingestellt.“

Trotz allem Mehraufwand möchte die Ärztin ihre Angebote aufrechterhalten. Von der Stadt erfahre sie sehr viel Unterstützung, gerade für die Impfaktionen: „Wir hätten Räume bekommen, außerdem wird im Amtsblatt geworben.“ Und sie sei dankbar, dass viele Patienten Verständnis zeigen würden, wenn der Praxisbetrieb nicht immer reibungslos verläuft. „Wie lange wir allerdings so weitermachen können, weiß ich nicht.“

Natürlich bleibt das Private momentan total auf der Strecke.“

Magdalena Hefele-Golubic,, Allgemeinmedizinerin

Zurück zur Übersicht: Stadt Lorch

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare