Lorchs Unterkunft auf dem Prüfstand

+
Drei Häuser stehen im Lorcher Steintobelweg als Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft bereit. Das letzte, hier auf dem Bild, wirkt am bewohntesten.
  • schließen

In der maroden Unterkunft im Steintobel möchte Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk keine weiteren Menschen unterbringen. Was die Stadt hier akut und grundsätzlich plant.

Lorch

Friedlich liegen die drei Gebäude am Waldrand, lediglich das Vorbeisausen der Fahrzeuge auf der nahen Bundesstraße ist zu hören. In den rund 70 Jahre alten Häusern im Steintobelweg bringt Lorch Flüchtlinge und Obdachlose unter. Zehn sind es aktuell, sagt Bürgermeisterin Marita Funk, sechs Obdachlose und vier geflüchtete Menschen. Die Gebäude sind in keiner guten Verfassung. Schon vor Jahren stellte die Verwaltung fest, dass die Bausubstanz schlecht sei und es Probleme mit Schimmel gebe.

Warum leben dort Menschen? „Ein Teil der drei Gebäude ist gut bewohnbar“, sagt die Bürgermeisterin. Das seien in erster Linie einzelne Zimmer, die von Einzelpersonen bewohnt würden. „Die anderen Teile belegen wir nicht.“ Das werde sich auch nicht ändern, sollten Menschen nach Lorch kommen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen. „Im Steintobel möchte ich niemanden unterbringen“, betont Funk, „vor allem, da ja mit Familien, also mit Frauen und Kindern gerechnet werden muss“. Die sollten sich keine Räume teilen müssen, sondern in separaten Wohnungen untergebracht werden.

Genau nach diesen sucht die Stadt gerade: „Wir bitten seit Montag vergangener Woche unsere Bürgerinnen und Bürger darum, uns freien Wohnraum zu nennen, für den Fall der Fälle.“ Die Hilfsbereitschaft habe sich als riesig erwiesen, viele Angebote seien eingetroffen. Auch kooperiere die Stadt mit den Kirchengemeinden, um Ehrenamtlichen als Helfer zu gewinnen. Zudem arbeite man mit einem ehrenamtlich engagierten Computerfachmann zusammen. „Er prüft aktuell, wie schnell er für uns eine digitale Suche- und Biete-Plattform, als Tauschbörse, etablieren kann.“ Das Ziel sei, übers Internet Angebote und Nachfragen zusammenzuführen.

Was grundsätzlich mit den sanierungsbedürftigen Häusern im Steintobelweg geschehen soll, möchte die Bürgermeisterin mit den Stadträtinnen und Stadträten besprechen. „Ich glaube allerdings, dass das nicht vor Sommer geschehen wird.“ Zu viele Projekte habe die Stadt zuvor „in der Pipeline“. Funk nennt als Beispiel die Vorbereitungen für den weiteren Breitbandausbau, der dieses Jahr starten soll. „Wenn der Bau beginnt und das Projekt für alle sichtbar wird, ist die meiste Arbeit für uns schon erledigt.“

Sie betont, dass über den Standort eines möglichen Neubaus der Unterkunft noch entschieden werden muss. Zur Debatte stand neben dem Platz im Steintobelweg auch eine Fläche in der Göppinger Straße. Anwohner hätten deswegen mit ihr das Gespräch gesucht, sagt die 31-Jährige. „Wie ich das aus den Haushaltsreden verstanden habe, sind sich die Fraktionen aber jetzt einig und bevorzugen den bisherigen Standort.“ Dabei bezieht sich Funk auf den Vorschlag der SPD, dort nicht nur die Unterkunft neu zu bauen, sondern eine Infrastruktur für weiteren Wohnraum zu schaffen. „Wir müssen entscheiden, was wir grundsätzlich wollen.“

Am Geld scheitert es wohl nicht: Seit dem Haushaltsjahr 2018 legt die Stadt Geld zurück. Aktuell beläuft sich die Summe auf 700 000 Euro. 2023 sollen weitere 150 000 Euro folgen, in 2024 und 2025 sogar insgesamt eine Million Euro. Sind 1,85 Millionen Euro nicht sehr hoch angesetzt? „Aufgrund der Baupreissteigerungen leider nicht“, meint Marita Funk.

Die Hilfsbereitschaft in Lorch ist riesig.“

Marita Funk , Bürgermeisterin

Erste Flüchtlinge aus Ukraine in Lorch

  • „Am Montag haben sich die ersten ukrainischen Flüchtlinge bei uns angemeldet“, erzählt Lorchs Bürgermeisterin. Die vier Menschen, darunter zwei Kinder, seien bei Verwandten untergekommen. Von den angekommenen Flüchtlingen in der Landeserstaufnahmestelle seien noch keine nach Lorch verteilt worden. ⋌cop

Zurück zur Übersicht: Stadt Lorch

Mehr zum Thema

Kommentare