Mit Füßen und Händen, mit viel Witz und Charme

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Fußtheater Anne Klinge
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Anne Klinge begeistert in Lorch mit ihren Geschichten um einen Mord, einen Kellner und eine Hausfrau.

Lorch. Doppeltes Theater im Bürgerhaus: auf der Bühne und an den Wänden. Anne Klinge inszenierte „Fußmord und andere Liebesdramen“ mit Händen, Füßen und Zehen – ein kluger Griff des „Runden Tisch Kultur“ in Lorch, wie sich zeigte.

Herzhaftes Lachen der Männerriege, als sich die erste „Dame“ bekleidet zeigte. Anne Klinge weiß, wohin sie fassen muss, um die Zuschauer zu packen. Keine Angst vor einem MeToo-Shitstorm. Sie weiß, wohin der Blick eines Mannes bei der Betrachtung einer Frau gleitet. Und ihre Figuren wissen, wie man mit Hingabe lockt, und spielen es aus. Als natürliche Angelegenheit, die mit Witz, Charme und auch Begehrlichkeiten spielt.

Was ihr Schauspiel aber besonders macht, sind die „teilnehmenden Körperteile“. Da wird kein Busen entblößt, sondern der kartoffelhaltige BH in Spitze gezeigt. Und der ist über die nackte Fußsohle gezogen. Die Zehenspitzen tragen die wallende Perücke und darunter eine Nase aus der Spitze eines Eierkartons. Die unglaubliche Beweglichkeit von Füßen und Zehen lassen vergessen, dass sie meistens in Schuhen verpackt sind.

Bei Anne Klinge werden Zehen und Füße zu Persönlichkeiten. Das Publikum geht mit in dem Kampf um den richtigen Liebhaber. Zehen und Hände bringen nicht nur Bewegung in die Szene, sondern zeigen dazu Zauberkunststücke.

Alles untermalt mit Musik. „Der Angler“, ein Drama voll Enttäuschung über mangelnden Biss, von Franz Schuberts Forelle. Statt Forelle landet dann der dicke Wurm in der Pfanne. Nichts wird ausgelassen.

„Hot Chocolate“ begleitet die amourösen Versuche, die im Malen des knallroten Mundes der Dame auf Anne Klinges Fußsohle endet. Das schafft die Künstlerin, ohne einen Blick darauf zu werfen.

Der zweite Teil befasst sich mit Sozialem. Hier werden Zuschauerinnen und Zuschauer im dicht besetzten Bürgersaal in das Alltagsleben eines alleinerziehenden Kellners in Rudis Restaurant sowie in einen „Hausfrauenreport“ gezogen.

Hier geht es bei französischen Songs krawallig und deftig zu. Das Baby schreit, Rudi will lieber Bier trinken und „Playboy“ anschauen. Die volle Windel stößt ihn ab. Der kreischende Schrei des Kindes „Ich will eine Mama!“ lässt ihn zur Beruhigungsflasche greifen. Die Frau als Mama enttäuscht Rudi. Putzwerg auf dem Kopf, Spitzenbluse über knallrotem BH – Rudi fällt aus.

Turbulenzen auf dem schwarzen Podest, auf dem Anne Klinge liegt. Nur Füße und Hände sind zu sehen und werfen skurrile Schatten an die weiße Wand dahinter.

Anne Klinge hat ihre Faszination zu dieser Form des Theaterspielens vor 25 Jahren während ihres Pantomime- und Puppentheater-Studiums entdeckt. „Als meine Kinder noch klein waren, entstanden dank ihnen die schrägsten Ideen für meine Stücke.“ Die agile Performerin sagt über ihre Kunst: „Das ist wie Yoga: Bewegung und Atmen.“ Sie verfasst ihre Stücke selbst, stellt dar und führt Regie. Letzteres auch im Theater bei über 70 Stücken. ⋌Gise Kayser-Gantner

Link: Ein Blick auf die Homepage www.fusstheater.de lohnt sich.

Mit Händen und Füßen erzählt Anne Klinge Geschichten aus dem Leben – mit einer ordentlichen Portion Ironie.

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