Mit Hund auf der Schulbank

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Schulhündin Cahya bereichert den Unterricht in der Lorcher Schulklasse 2c von Lehrerin Sarah Dietrich. Hier rollt die Hündin einen Würfel durchs Klassenzimmer.
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An der Lorcher Stauferschule gibt es jetzt einen Schulhund. Referendarin Sarah Dietrich erzählt, was sich durch ihre Hündin Cahya für die Klasse 2c verändert hat.

Lorch

Im Klassenzimmer der 2c sitzen die Kinder auf dem Boden im Halbkreis. Vor ihnen stupst ein schwarzer Hund einen Würfel mit der Schnauze an. Die Kinder lachen begeistert auf. „Nicht lachen, Cahya muss sich konzentrieren“, mahnt Lehrerin Sarah Dietrich und gibt den Befehlt: „Touch“. Cahya schaut sie kurz an und schafft es dann, den Würfel mit Pfote und Schnauze rollen zu lassen. „Sehr gut“, lobt Dietrich das schwanzwedelnde Tier. Cahya ist eine ausgebildete Schulhündin und begleitet ihr Frauchen seit kurzem in der Klasse 2c der Lorcher Stauferschule.

„Ich bin so begeistert von diesem Projekt“, bekennt Ana Fritz. Hinter ihrer bunten Maske ist das Lächeln der Rektorin nur zu erahnen. Als Referendarin Sarah Dietrich bei ihr anfragte, ob sie sich einen Schulhund vorstellen könne, habe sie sofort eingewilligt. Die fünfmonatige Ausbildung in der Hundeschule stemmte die 25-Jährige während ihres Pädagogikstudiums. Seit Schulbeginn nach den Herbstferien hat sie ihre Hündin nun an zwei Tagen in der Woche dabei.

Kinder nehmen mehr Rücksicht

„Ein Hund oder überhaupt ein Haustier hat Auswirkungen auf Kinder“, erklärt Rektorin Fritz. Die Mädchen und Jungen seien ruhiger und achtsamer. „Nicht nur mit dem Tier, sondern auch miteinander.“ Da genüge einfach schon die Anwesenheit der Hündin. Laut sei ihre Klasse zwar nie gewesen, erzählt Sarah Dietrich. „Doch mit Cahya ist die Rücksichtnahme noch spürbarer.“ Die Kinder würden sich achtsamer bewegen und bemerkbar machen.

„Außerdem lernen sie, Verantwortung zu übernehmen.“ Die Lehrerin teilt Kinder zum Hundedienst ein, der dem Tier Wasser bringt oder seine Decke bereitlegt. „Langfristig geht es um Stressabbau und ums Ruhe tanken.“

Letzteres wird deutlich, als Laura zeigt, dass sie mit ihren Aufgaben fertig ist. „Darf ich Cahya jetzt was vorlesen?“, fragt das Mädchen leise. Erlaubnis erteilt, Dietrich läuft mit Hund und Kind in den Nebenraum. Dort sitzen Laura und die Hündin schließlich einträchtig in einer ruhigen Ecke nebeneinander. Und Laura liest vor. „Das machen die Kinder dann sehr gründlich, für den Hund“, erzählt Dietrich lächelnd. Wovon nicht nur Lauras Lesekompetenz profitiert. Sie macht außerdem die schöne Erfahrung, dass da jetzt ein anderes Lebewesen nah neben ihr liegt und für sie da ist. „Und Cahya hat ein wenig Abstand vom Trubel.“

Denn für den Hund seien die Stunden in der Klasse oder überhaupt im Schulhaus anstrengend. Wenn ihr Frauchen merkt, dass es zu viel wird, darf Cahya eine Weile unter den Schreibtisch von Karin Wahl liegen. „Ich habe selbst einen Hund zu Hause“, erzählt die Schulsekretärin.

Schnappen oder gar beißen würde die zweijährige Hündin aber nie, betont Sarah Dietrich. „Ein Tier, das sich als Schulhund eignet, darf nicht aggressiv werden, wenn man es bedrängt.“ Ebenso darf kein Hütetrieb vorhanden sein, und der Hund muss Lärm aushalten können. „Das alles wird am Ende der Ausbildung überprüft.“

Haustiere empfohlen

Sie habe sich eher Sorgen gemacht, wie die Kinder reagieren. „Doch das hat toll geklappt, ich war so glücklich“, erzählt sie strahlend. Nur ein Kind habe gesagt, dass es Angst vor Hunden habe. Und selbst das habe nun kein Problem, wenn Cahya mit ihrem Frauchen durch die Tischreihen läuft. Rektorin Fritz möchte Sarah Dietrich und ihren Hund gerne an der Schule halten. „Doch sie ist nur noch in diesem Schuljahr Referendarin.“ Ob die 25-Jährige danach in Lorch bleiben kann, ist ungewiss.

Bis dahin läuft der Versuch in der 2c, deren Co-Klassenlehrerin Dietrich ist, weiter. „Wir schauen, ob wir das noch ausbauen können“, sagt Fritz. Sie selbst könne Haustiere für Kinder nur empfehlen, sollten die Vorraussetzungen stimmen. "Tiere merken, wenn es einem mal nicht gut geht. Und reagieren darauf."

Langfristig geht es um Stressabbau und ums Ruhe tanken.“

Sarah Dietrich,, Lehrerin

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