Musikschule künftig im Musikverein

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Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk und der Vorsitzende des Musikvereins Stadtkapelle,
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Der Musikverein Stadtkapelle Lorch führt die bisher private Musikschule als Abteilung weiter. Die Gemeinnützigkeit ermöglicht eine Förderung durch Stadt und Land. Musikschulleiter gesucht.

Lorch

Die Musikschule in Lorch soll künftig als Abteilung zum Musikverein Stadtkapelle Lorch gehören. Dem Antrag auf Satzungsänderung haben die Vereinsmitglieder bei der jüngsten Hauptversammlung mit zwei Enthaltungen zugestimmt, bestätigt Vorsitzender Martin Lamerz. Und betont: „Wir haben die Musikschule nicht übernommen, wir führen sie weiter.“ Wenn das Amtsgericht der Satzungsänderung zugestimmt hat, ab Mai.

Das bedeutet zum einen, dass alle etwa 120 Schüler der Musikschule auf ihren Instrumenten geschult werden sollen, es werde künftig Unterricht für Streicher, Schlagzeuger, Bläser und für Tasteninstrumente angeboten, zählt Lamerz auf. Wer die Musikschule besuchen wolle, müsse nicht Mitglied im Verein sein, nur wer in die aktive Kapelle einsteigt, wird Mitglied. Auch für die Lehrkräfte müsse sich nicht viel ändern. Es handle sich großteils um Honorarkräfte, auf die der Verein nun wegen ihrer Weiterbeschäftigung zugehen werde. Umschauen müsse sich der Musikverein nun nach geeigneten Räumen für eine Geschäftsstelle, nach einer Schreibkraft und nach einem Musikschulleiter, sagt Lamerz.

Neue berufliche Wege

Markus Ulmer, der die Musikschule seit 2015 als Inhaber geführt hat, bekundet keinerlei Interesse. Zum einen habe er sich seit 2019 hauptsächlich auf seinen Beruf als Krankenpfleger konzentriert und die Musikschule nur noch nebenberuflich betrieben, sagt Ulmer. Außerdem möchte der studierte Musiktherapeut ein weiteres berufliches Standbein als Heilpraktiker für Psychotherapie mit einer Praxis in Alfdorf ausbauen. Dort biete er ebenfalls selbstständig seinen Hackbrettunterricht an.

Ulmer ist durch mit dem Thema

Mit dem Thema Musikschule sei er „durch“, sagt Ulmer. Schon länger hatte er mangelnde Unterstützung beklagt. „Die Stadt war nicht kooperativ“, was Förderung betrifft, sagt Ulmer. Zwar habe er für Veranstaltungen umsonst im Amtsblatt inserieren dürfen und es seien gratis Veranstaltungsplakate verteilt worden. Auch die Miete für die Musikschulräume sei günstig gewesen, sagt Ulmer, setzt dies aber in Relation zu deren Zustand. Sonstige finanzielle Unterstützung für die private Musikschule oder eine erbetene Mietminderung während der unterrichtslosen Pandemiezeit habe er nicht erhalten. Auch das Inventar, das er nun an die Stadt übergibt, „wurde massivst im Preis heruntergehandelt“, sagt Ulmer. „Die Prestigewirkung und der Bildungsauftrag einer Musikschule, dies ist seine Erfahrung als Schulleiter seit 2015 und davor als Lehrkraft, „wurde ignoriert“.

Förderung nur für Verein möglich

Die Stadt habe die Musikschule „zu einem sehr günstigen Warmmietpreis vermietet“ und somit unterstützt, sagt Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk zu der Kritik. In der Pandemiesituation wären die staatlichen Coronahilfen wie bei allen Gewerbetreibenden vorrangig zur prüfen gewesen, argumentiert sie. Wäre die Musikschule nicht als Gewerbe, sondern als gemeinnütziger Verein geführt worden, wäre eine Subvention möglich gewesen, wie sie nun vorgesehen sei.

Win-win-Situation

Das sieht laut Funk so aus: „Nach den Erfahrungswerten aus öffentlichen Musikschulen in der Umgebung sind Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich realistisch.“ 12,5 Prozent der Lehrpersonalkosten werden als Fördermittel vom Land gewährt, wenn die Kommune im gleichen Umfang fördere. Somit werden 12,5 Prozent dieser Kosten als Zuschuss von der Stadt bezahlt.

„Der örtliche Musikunterricht ist über den bildungsbezogenen Mehrwert für unsere Familien und Kinder auch für das gesellschaftliche Miteinander von Bedeutung“, betont Funk. Mit dem Musikverein könne das Angebot gemeinnützig und dadurch mit Fördermitteln erhalten werden.

Lamerz sieht eine Win-Win-Situation. Für den Verein, der die Jugendausbildung professionalisieren könne und sich öffnen wolle. Und der zwar prinzipiell keine Nachwuchssorgen, aber dennoch „ein Loch“ beim Nachwuchs durch die Pandemie habe. Andererseits für die Kinder, denen sich im Verein eine Plattform für Auftritte biete. Denn, sagt Lamerz: „Des Künstlers Brot ist der Applaus.“

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