Nach der Predigt geht's 30 Meter in die Tiefe

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30 Meter geht's in die Tiefe: Die Mutigen seilen sich durch den Ausstieg aus dem Kirchturm der Stadtkirche ab.
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Der sonntägliche Gottesdienstbesuch in Lorch läuft für einige Kirchgänger etwas anders als sonst ab.

Lorch. „Cantate“ wurde in der Stadtkirche Lorch anders begangen als andere Sonntage im Kirchenjahr. Neben dem Gottesdienst gab es die Möglichkeit, gemeinsam zu essen und dem Himmel ein Stück näher zu rücken durch den Ausstieg aus dem Kirchturm.

„Ein bisschen bange war mir schon!“, gesteht der zehnjährige Luy. Er war der erste, der sich aus dem Fenster des Kirchturms, 30 Meter über dem Grund, zwängte, um dann am blauen dünnen Seil mit den goldblitzenden Karabinerhaken hinunter zu hangeln. Locker, wie auf einem Spaziergang, die Hände lässig an der Seite, mit den Zehenspitzen an die Kirchturmmauer tippend, sanft fließend der 13-jährige Leo. Man merkt, er hat Erfahrung: „Ich kletter schon seit acht Jahren“, sagt er.

Die Erfahrenen hängen lässig am Seil, die anderen halten sich fest und entwickeln während des Abstiegs eine gewisse Entkrampftheit. Alle steigen erst in den Turm auf, um dann von dem erfahrenen Mitarbeiter des Skyparks im Himmelsgarten mit Gurt, Helm und Anweisungen fachgerecht auf dem Weg nach unten vorbereitet zu werden.

Aber das ist nicht alles, was an „Cantate“ bei der Stadtkirche stattfindet. In der einladenden Atmosphäre mit Bänken und Liegestühlen, die verkünden: „Gott sei Dank, es ist Sonntag“, vor der Kirche, sind auch Theken und Stehtische aufgebaut. Alles für die gemeinsame Zeit nach dem Gottesdienst.

Wieder viel Gesang

Der verläuft anders als sonst. Vikar Maik-Andres Schwarz erklärt, dass nach den Coronabeschränkungen in diesem Gottesdienst wieder viel gesungen werden soll, mit dem Chor „Lorcher Kantorei“, unter Leitung von Kirchenmusikdirektorin Verena Rothaupt, und der Gemeinde. Mit dabei Vikar Schwarz, der auch das Vaterunser sanglich anstimmt, gemäß dem Namen des Sonntags.

In seiner Predigt stellte der Vikar den Kirchgängern Gottes Garderobe vor. Das Besondere, jeder Mensch darf bedienen. Herzliches Erbarmen sei ein besonderer Fund, durchlässig für Schönheit und Schmerz, stellt sich dem anderen zur Seite. Freundlichkeit, die warm und hell leuchtet, dem Menschen als Freund begegnet. Aber auch Demut, die das Wissen vermittelt, angenommen zu sein, und befähigt, eigene Schwächen auszuhalten. Sowie Sanftmut, aus starken Fäden gewebt, das bedingungslose „Ja“ zur Fürsorge Gottes.

Noch zwei weitere Hüllen hält Gott bereit. Geduld ist ein endlos langer Atem. Kann warten, weil sie weiß, dass Gottes Zeit eine andere ist. Liebe ist das Garn, das alle fünf zusammenhält, ist der „Ausgangsstoff“. Darin dürfen sich die Menschen einhüllen in der Gewissheit zu Gott.

Mit der Fuge g-Moll von Johann Sebastian Bach, an der Orgel Veronika Rothaupt, endete der Gottesdienst. Dann eröffnete das Büffet mit zwei Mittagessen aus der „Diät für den Planeten“: Nudeln mit Tomatensoße und Couscous-Gemüsepfanne, mit oder ohne Hähnchenfleisch. „Die schmeckt besonders gut, weil mein Sohn viele Karotten selbst geschnippelt hat!“, erläuterte eine Mutter lachend das wohlduftende Couscous.

Gise Kayser-Gantner

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