Paradies für Neuntöter, Libelle und Co.

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Simon Bischoff steht an einem Ansitz, den der Naturschutzbund Lorch nahe der Rems aufgestellt hat. In diesem Gebiet soll sich der schützenswerte Neuntöter wohlfühlen.
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Wie der Naturschutzbund Lorch ein Gebiet zwischen Lorch und Waldhausen pflegt, um schützenswerten Tieren Lebensraum zu bieten.

Lorch

Vorsichtig läuft Simon Bischoff durchs hohe Gras. Jeden Tritt setzt er bedacht: „Wir laufen hier im Zickzack, damit kein Trampelweg entsteht“, erklärt der Lorcher. Schließlich erreicht er eine große Kiesfläche. „Das war ursprünglich das Gebiet für den Flussregenpfeifer“, sagt Bischoff. Doch der Bodenbrüter hatte hier keine Zukunft: „Vielleicht auch, weil viele Hundehalter hier ihre Hunde frei laufen lassen.“ Stattdessen kümmert sich die Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu), zu der Simon Bischoff gehört, nun um den Lebensraum von Neuntöter, Wasserralle und Libelle.

Die Fläche, durch die Bischoff streift, befindet sich zwischen Lorch und Waldhausen in der Nähe des dortigen Rückhaltebeckens. Wo genau, möchte er nicht in der Zeitung lesen: „Damit niemand neugierig wird und hier herumläuft.“ Denn das Gebiet steht zwar nicht offiziell unter Naturschutz. Doch weil beim Bau des Rückhaltebeckens zwischen 2005 und 2008 ein hiesiges Biotop zerstört wurde, musste der zuständige Wasserverband Rems eine Ausgleichsfläche schaffen. Auf dieser kümmert sich der Nabu seit 2021 wieder aktiv darum, dass schützenswerte Tierarten sicher leben können.

Beispielsweise Libellen: „Wir haben hier einen unglaublichen Libellen-Hotspot“, erzählt Simon Bischoff. Ein Experte habe sich das Gebiet angeschaut: „Und der war begeistert von der Vielfalt der hier lebenden Tiere“. Eine mit Beton eingelassene Wasserstelle sieht Bischoff eher nicht als Ursache: „Hier leben aber zum Beispiel Gelbrandkäfer.“ Eine ebenfalls schützenswerte Art. Die Libellen erfreuen sich eher an einem länglichen, natürlich entstandenen Teich.

An der von Schilf umgebenen Wasserstelle sind momentan noch keine der schillernden Fluginsekten zu sehen. Auch selten zu sehen, aber wohl hier lebend, sind Wasserrallen. Die hühnerartigen Vögel sind sehr scheu und momentan in ihrer Brutzeit. Auch deshalb schaut Simon Bischoff bei jedem Schritt, wo er hinläuft. Das ist auf der großen Kiesfläche nicht mehr nötig. „Wir halten die Fläche frei von Pflanzen, sonst wäre hier alles zugewachsen.“ Doch der Neuntöter braucht offene Flächen. „Hier gibt es viele Heuschrecken, aber auch Eidechsen.“ Die Nabu-Gruppe hat brusthohe Ansitze aufgebaut, auf denen der braungefiederte Heckenbrüter der Beute auflauern kann. Bischoff zeigt außerdem Steinhaufen, Altholzhaufen und eine Sandfläche, in denen sich viele Lebewesen wohlfühlen. Außerdem hängen rund 20 Nistkästen im Gebiet, in denen höhlenbrütende Vögel ihre Junge aufziehen können.

In der Mischung aus Wasser, Freifläche und schützendem Bewuchs könnten sich auch Rohrammer und Braunkehlchen ansiedeln. „Wir schauen jedes Jahr, ob das geklappt hat“, erzählt Bischoff, „gerade das Braunkehlchen ist extrem bedroht“. Auf der Durchreise seien schon zwei Exemplare beobachtet worden, aber noch sei keines geblieben. „Vielleicht, weil der Vogel mehr ungedüngte Wiesenflächen mit vielen Insekten braucht.“ Davon gibt es im Umfeld kaum welche, der Wasserverband habe die angrenzenden Wiesen an einen Landwirt verpachtet.

Bischoff freut sich, dass in vielen Gemeinden hinsichtlich des Tier- und Naturschutzes langsam ein Umdenken stattfindet. Auch in Lorch: „Die Stadt kooperiert gut mit uns.“ Das Gewann Bulz oberhalb des Kirnbachs etwa, das von der Stadt im Jahr 2020 an den Landschaftserhaltungsverband übergeben wurde: „Das entwickelt sich zum richtigen Super-Gebiet.“ So habe sich zum Beispiel der seltene Grauspecht angesiedelt. Der Nabu unterstützt die Entwicklung mit vielen Brutkästen. Bischoff und seine Nabu-Kollegen würden sich über neue Mithelfer freuen: „Wir sind aktuell nur eine Handvoll Aktiver, da wäre Nachwuchs sehr willkommen.“

Wir haben hier einen unglaublichen Libellen-Hotspot.“

Simon Bischoff, vom Naturschutzbund

Tierschutz im eigenen Garten ist leicht

„Lassen Sie im Garten zwei wilde Ecken stehen“, rät Simon Bischoff vom Nabu Lorch. Flächen also, die man nur einmal im Jahr mäht, „nicht zu spät, vielleicht im September“. Darin können Wildpflanzen gedeihen, die Unterschlupf und Nahrungsquelle für Insekten und Falter sind. „Welche wiederum wichtige Nahrung für viele Vögel sind.“ Auch Reisighaufen sind wertvolle Lebensräume für viele Tiere, ebenso Steinhaufen. „Als Wärmequelle für Eidechsen.“ Und ganz aktuell: „Lassen Sie frühblühende Pflanzen wie Löwenzahn, Taubnessel oder Gundermann noch etwas stehen.“ Bienen und Hummeln sind stark auf sie angewiesen. Mehr Tipps gibt es unter www.nabu.de, mehr zur Lorcher Gruppe unter www.nabu-lorch.de. cop

Neuntöter

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