So fasziniert Irene von Byzanz bis heute

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Gudrun Haspel erzählt den Teilnehmern der Führung nicht nur von Irene von Byzanz, sondern auch vom Kloster Lorch und vom Leben im Mittelalter.

Führung am Todestag. Gudrun Haspel kann im Kloster Lorch viele geschichtsinteressierte Besucher begrüßen.

Lorch

Es mag einer der traurigsten Tage rund um den Hohenstaufen gewesen sein, als der Trauerzug mit Irene von Byzanz von der staufischen Burg zum Kloster Lorch unterwegs war. Das sagt Klosterführerin Gudrun Haspel am 812. Todestag Irenes bei einer Sonderführung. Viele interessierte Gäste sind dabei.

Sie tauchen ein in eine Zeit, in der Männer wirklich herrschen, Frauen als Spielball ihrer Machtpolitik einsetzen – und vor allem unter diesem Gesichtspunkt verheiraten. Was aufgeklärte Gesellschaften längst ächten, ist zur Zeit der Staufer an der Tagesordnung. Das lässt Gudrun Haspel die Besucher schon zu Beginn der Führung wissen. Sie scharen sich um eine Steinfigur am Eingang der 1102 gegründeten Klosteranlage. Der Uhinger Künstler Nikolaus Giljum hat ein Abbild Irene von Byzanz‘ geschaffen. Es zeigt sie mit drei Töchtern, die sich eng an die Mutter anschmiegen, das vierte Kind trägt Irene auf dem Arm. Es sind Beatrix, Kunigunde, Marie und Beatrix die Jüngere. Alle vier spielen in ihrem meist kurzen Leben wichtige Rollen im Machtgefüge, werden herausragend verheiratet.

Kurzes und heftiges Leben

Spannende Biografien sind es, die von Mutter und Töchtern erzählen. Irene wurde 1180 in Konstantinopel als Tochter des byzantinischen Kaisers Isaak Angelos geboren. In erster Ehe heiratet sie 1193 König Roger von Sizilien, der jedoch kurz darauf stirbt. Als Stauferkaiser Heinrich VI. Sizilien erobert, wird Irene zur Kriegsbeute und 1195 die Frau des jüngsten Sohnes Friedrich Barbarossas, des späteren Königs Philipp von Schwaben. Ein kurzes und heftiges Leben. Nur die Töchter erreichen das Erwachsenenalter, drei Söhne sterben schon als Kleinkinder. Nach der Ermordung ihres Gatten in Bamberg im Juni 1208 zieht sich Irene hochschwanger und krank auf die Burg Hohenstaufen zurück, stirbt bei der Geburt des Kindes.

Gudrun Haspel lässt den Werdegang der Töchter nicht unerwähnt. Beatrix heiratet Kaiser Otto IV, stirbt 14-jährig wenige Wochen nach der Hochzeit. Kunigunde wird Ehefrau von König Wenzel von Böhmen, erreicht immerhin ein Alter von 48 Jahren. Marie steht an der Seite von Heinrich von Brabant, wird 34 und Beatrix die Jüngere heiratet König Ferdinand III.

Viele Mythen ranken sich um Irene von Byzanz. Dazu tragen ihre für die damalige Zeit exotische Herkunft bei, aber auch Walther von der Vogelweide, der Irene von Byzanz das Gedicht "Rose ohne Dornen" widmet. Dazu passt die Geschichte vom Irenenring. Er wird 1830 an der Südseite der Klosterkirche gefunden und Irene zugeschrieben. "Ganz sicher wissen wir das aber nicht", sagt Gudrun Haspel. Die Art, wie die Frau auf dem Ring ihr Kind trägt, könne aber einen Hinweis auf Irene geben.

Zeichnung von Hans Kloss

Keine Führung ohne Blick auf Klosteranlage und Architektur: Die Südseite mit Blick aufs Remstal ist damals dem Konvent vorbehalten. Das Volk hat einen eigenen Zugang zur Kirche von der Westseite her. Den Eingang an der Umfassungsmauer im Westen gibt es noch heute. Von dort, so meint Gudrun Haspel, dürfte auch der Trauerzug mit Irene das Kloster betreten haben. Die Klosteranlage, 1525 im Bauernkrieg zerstört, wurde nur zum Teil wieder aufgebaut. Gudrun Haspel zeigt anhand einer Zeichnung des verstorbenen Künstlers Hans Kloss – er hat zuletzt im Gebäude Luginsland auf dem Klosterareal gewohnt – wie das Kloster ursprünglich ausgesehen haben könnte. Weil das Kloster in der Reformation aufgelöst wurde, ist auch die Kirche nicht wieder in ursprünglicher Form entstanden. Das romanische Bauwerk erhält noch vor der Zerstörung spätgotische Veränderungen, zu sehen am Querschiff und im Chor. Auffällig im Innern: Der Sarkophag. Er enthält Gebeine vieler Staufer, die bei der Öffnung der Gräber 1475 gefunden werden. Besucher sehen in der Kirche ein weiteres Bild Hans Kloss‘. Es zeigt Irene auf dem Totenbett, umgeben von Kindern und Trauernden aus dem Hofstaat. Kein Happy End auf dem Hohenstaufen.

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