Sorge um neue Betreuungszeiten in drei Lorcher Kitas

+
Symbolfoto Pixabay
  • schließen

Eltern ärgern sich über Pläne der Stadt, ab September Gruppenstrukturen zu verändern.

Lorch. Im Dezember hat der Lorcher Gemeinderat beschlossen, ab September in den Kindergärten Mörike, Naturino und EKO keine zeitgemischten Gruppen mehr anzubieten. Die „Optimierung“, so die Beschlussvorlage, führe zu „festen Ganztagesgruppen mit einheitlicher und klarer Betreuungszeit“.

Eine falsche Entscheidung, meinen Eltern und der Träger der Einrichtungen, die evangelische Kirchengemeinde. Gut 15 Väter und Mütter saßen in der jüngsten Ratssitzung. Zwei ergriffen das Wort bei der Bürgerfragestunde und kritisierten die „Zwangsoptimierung“ scharf. 

Fassungslos sei er, sagte Daniel Sing, Vater eines Kindes im Mörike. Eine Änderung im Job mache nun den Kindergartenwechsel des Kindes notwendig. Was schlimm für das Kind sei, ergänzte Lisa Abele. Erst werde es schonend eingewöhnt, und dann solle es Freunde und Erzieher verlassen? „Das kann von Ihnen so nicht gewünscht sein.“ Beide baten darum, den Strukturwechsel schleichend zu vollziehen oder zu verschieben.

Weniger Flexibilität und Ganztag

Worüber ärgern sich die Eltern konkret? „Bislang bieten wir Ganztag, Regelbetrieb und Verlängerte Öffnungszeiten (VÖ) an“, erklärt Christof Messerschmidt. Der Pfarrer ist für die drei evangelischen Kitas in Lorch verantwortlich. Dadurch sei man flexibel: „Ändert sich meine Arbeitszeit, kann ich die Betreuungszeit hoch- oder runterstufen, mein Kind bleibt in seiner Gruppe.“ Das ändert sich: Im Mörike sei die Rede von künftig nur noch zwei statt vier Ganztagesgruppen. Und im Naturino falle der Ganztag komplett weg, hier ist nur noch VÖ angedacht.

„Die Familiensituation ändert sich heutzutage so schnell“, sagt Heidi Kutschera, Leiterin im Mörike. Sie nennt plötzliche Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit. Die Fraktion der SPD-Stadträtin hatte im Dezember zusammen mit CDU-Rat Erich Knödler gegen die Änderungen gestimmt. „Seither konnten die Kinder monatlich wechseln, künftig nur noch zweimal im Jahr.“ Und eben nicht mehr innerhalb der Gruppe. Und auch nur, wenn es einen Platz gebe: Die künftig 20 statt 40 Ganztagsplätze würden geradeso den Bedarf decken. „Es ist nicht sinnvoll, den Ganztag zu kürzen.“ Messerschmidt ergänzt: „Was geschieht, sollte der Bedarf in Zukunft wieder steigen?“ Das Personal dafür sei dann weg.

„Hinter der Entscheidung steckt der Wunsch, Geld zu sparen“, meint Markus Schabel, Vater bald dreier Kinder. Das sei für eine Kommune prinzipiell ja legitim: „Aber dann muss das auch offen so gesagt werden, dass Lorch in diesem Bereich der Daseinsvorsorge sparen möchte.“ Sein ältester Sohn werde im Ganztag im Naturino betreut, der jüngere hätte dorthin folgen sollen. „Weil wir ein enges Vertrauensverhältnis zu der Einrichtung haben.“ Doch das gehe nun nicht mehr. Zusätzlich müssten sie morgens dann zwei Einrichtungen ansteuern. „Kann jede Familie diesen Aufwand leisten?“

Messerschmidt ergänzt: „Früher konnten die Eltern sich ihre Kita nach dem pädagogischen Konzept aussuchen.“ Jede Einrichtung habe einen eigenen Schwerpunkt. Nun müsse man sich nach den Betreuungszeiten entscheiden. „Die Stadt hat nicht verstanden, was Eltern brauchen“, urteilt Schabel. Für sie zähle nur ein verwaltungstechnischer und betriebswirtschaftlicher Blickwinkel. „Dabei geht es um Menschen.“

Kündigungen wahrscheinlich

Der Pfarrer und Kutschera gehen davon aus, dass die Stadt zwei bis drei Stellen einsparen möchte. „Der Ganztag verlangt mehr Personal, das dann nicht mehr in jeder Einrichtung gebraucht wird.“ Dazu komme, dass im Naturino ab September Kinder ab zwei Jahren in die altersgemischte Gruppe aufgenommen werden. „Eine größere Altersspanne bedeutet einen größeren pädagogischen Aufwand.“ Der Pfarrer rechnet mit Kündigungen aufgrund beider Entscheidungen. „Und das in Zeiten des Fachkräftemangels.“

Kirche müsse zustimmen

Der Kirchengemeinderat sei gegen die Beschlüsse, werde ihnen aber in der Sitzung am 1. Februar zustimmen. „Wir müssen, denn wir können die Kosten nicht selbst tragen“, so der Pfarrer. So sehe das auch die Gemeindeaufsicht des Oberkirchenrats. „Die den Vorgang formal einzigartig nennt.“ Er hofft, dass die Regelungen verschoben werden. „Mit Abstand zur Pandemie, unter der Eltern und Kinder zusätzlich leiden.“ Heidi Kutschera sagt, sie akzeptiere den Beschluss, wünsche sich aber eine sanfte Umsetzung. „Nicht auf einen Schlag ab September.“ Eine Entscheidung müsse schnell geschehen. „Viele Eltern sind stark verunsichert.“ ⋌Cornelia Villani

Die Stadt hat nicht verstanden, was Eltern brauchen.“

Markus Schabel,, Vater
  • Das antwortet die Stadt auf die Kritik
  • Bürgermeisterin Marita Funk sagt, worum es der Stadt geht: „Neben der transparenteren Platzbelegung mit definierten Aufnahmegrenzen insbesondere um eine Ausweitung des Betreuungsangebots.“ Zudem soll sichergestellt sein, dass die Eltern nach einheitlichen, transparenten Kriterien einen verfügbaren Platz auch wirklich bekommen. 
  • Die Bedarfsplanung, die durch die zentrale Vergabestelle „genau“ und „aus erster Hand“ sei, habe gezeigt, dass nur ein Drittel der Ganztagesplätze belegt sei. Dagegen steige der Bedarf für Kinder ab zwei Jahren. Ziel sei es, dafür mehr Plätze zu schaffen „und die Nachfrage nach flexiblen und transparenten Betreuungszeiten zu erfüllen“. Die Stadt habe das Thema sehr intensiv besprochen, in mehreren Gesprächen mit allen Beteiligten. Zudem empfehle der Kommunalverband für Jugend und Soziales das System, nach dem auch alle anderen Träger in Lorch arbeiten würden. Zur weiteren Vorgehensweise: „Wir sind daran interessiert, die Verbesserungen der Betreuungssituation und Schaffung von weiteren Plätzen ab zwei Jahren zeitnah umzusetzen.“
  • Funk kündigte an, dass die Stadt nach dem Beschluss des Kirchengemeinderats eine Bedarfsabfrage bei den Eltern durchführt. „Dann wird eine konkrete Aussage möglich sein.“ Die Ausarbeitung des Beschlusses stehe noch aus, hatte Funk in der Sitzung gesagt und die Eltern zum Gespräch eingeladen. ⋌cop

Zurück zur Übersicht: Stadt Lorch

Mehr zum Thema

Kommentare