Über die Stammburg in den Orient

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Auch auf dem Rundbild des Künstler Hans Kloss ist der Kreuzzug von Kaiser Barbarossa verewigt. Quelle: Staatliche Schlösser und Gärten

Lorch

Am 11. Mai 1189 brach Kaiser Friedrich I. Barbarossa zum Kreuzzug auf. Sein Feldzug endete in einer Katastrophe. Die Erinnerung an den mächtigen Staufer blieb über Jahrhunderte lebendig – das zeigen zwei Gemälde im Kloster Lorch. Auf der Stammburg der Staufer, dem Hohenstaufen, erinnert eine Stele an die legendäre Dynastie. Den Herrscher der lateinischen Christenheit begleiteten 15 000 Kämpfer – das wohl größte Kreuzfahrerheer, das ein einzelner Herrscher je befehligte. Die Erinnerung an den Kaiser und seine Taten überdauerten die Jahrhunderte. Sie ist bis heute lebendig. Die Burgruine Hohenstaufen und Kloster Lorch waren und sind authentische Erinnerungsorte staufischer Geschichte.

Zum zweiten Mal Kreuzzug

Im Jahr 1155 wurde Friedrich Barbarossa als erster Staufer zum Kaiser gekrönt. Berühmt wurde er für seine lang anhaltenden Auseinandersetzungen mit Heinrich dem Löwen, den Städten Oberitaliens und dem Papst. In seinen letzten Lebensjahren bereitete er einen Kreuzzug nach Jerusalem vor. Dabei wusste der Kaiser, auf was er sich einließ. Er war der einzige europäische Herrscher, der zum zweiten Mal zu einem Kreuzzug aufbrach. 40 Jahre zuvor hatte er am Kreuzzug seines Onkel König Konrad III. teilgenommen.

Am 11. Mai 1189 brach Barbarossa zum Kreuzzug auf. Über den Landweg ging es von Regensburg nach Konstantinopel (heute Istanbul) und von dort durch Kleinasien in die Levante. In Konstantinopel kam es mit dem byzantinischen Kaiser Isaak II. Angelos zu ernsthaften Konflikten, die fast in einen offenen Krieg umschlugen. Barbarossas Kreuzfahrerarmee gelangte, trotz Kämpfen mit den einheimischen Seldschuken und den Marschstrapazen, mehr oder weniger wohlbehalten durch Anatolien. Nach über einem Jahr waren die Kreuzfahrer kurz vor ihrem Ziel.

Am 10. Juni 1190 ertrank Barbarossa jedoch im Fluss Saleph (heute Göksu), unweit von Seleuika (heute Silifke). Das große Heer verstreute sich rasch. Nur ein kleiner Teil setze den Kreuzzug fort. „Hätte Allah nicht die Gnade gehabt den Mohammedanern seine Güte dadurch zu zeigen, dass er den König der Deutschen in dem Augenblicke zugrunde gehen ließ, als er im Begriffe stand, in Syrien einzudringen, schriebe man heute: Syrien und Ägypten haben einst dem Islam gehört“, so der arabische Historiker Ibn al-Athir (1160-1233).

Adelsgeschlecht stirbt aus

Jahrzehnte nach dem Tod Barbarossas endete die Dynastie der Staufer. Mit der Hinrichtung Konradins in Sizilien 1268 starb das Adelsgeschlecht aus.

Die Erinnerung an das schwäbische Herrscherhaus lebt jedoch bis heute fort. Insbesondere um Kaiser Friedrich Barbarossa rankten sich bald Mythen: Angeblich soll er im thüringischen Kyffhäuser schlafen und eines Tages zurückkehren.

Historische Fakten?

Mit den historischen Fakten nahm man es bei den Legenden nicht immer ganz genau. Das zeigt auch der Hohenstaufen. Jakob Heinrich Renz malte um 1840 den – historisch falschen – Aufbruch Friedrich Barbarossas vor der Burg Hohenstaufen zum Kreuzzug. Die Burg erscheint dabei als romantisches Märchenschloss, wie man es sich im 19. Jahrhundert vorstellte.

Kloster Lorch als Erinnerungsort

Im Kloster Lorch, das als Grablege der Staufer gegründet wurde, knüpfte man Jahrhunderte später an die Tradition dieser Dynastie an. Zur Erinnerung an Barbarossa und weitere Staufer verzierten die Mönche um 1530 die Wandpfeiler des Mittelschiffs der Klosterkirche mit Gemälden des Gründergeschlechts. In einer schwierigen Zeit wollte Abt Laurentius Autenrieth mit seinem Auftrag an die Stifterfamilie des Klosters erinnern. Ganz im Westen stehen sich zwei Paare gegenüber. Dann folgen als Einzelfiguren die wichtigsten staufischen Herrscher, darunter Friedrich I. Barbarossa und Kaiser Friedrich II. Auffällig ist, dass die Staufer Kleidung tragen, die in der Entstehungszeit der Bilder um 1530 modern war und nicht die Kleidung des 12. Jahrhunderts.

Im Kapitelsaal illustriert seit 2002 ein großes Rundbild des Lorcher Künstlers Hans Kloss die Zeit der Staufer: 1500 gemalte menschliche Figuren, 600 Tiere, 120 Ansichten von Städten, Burgen und Orten vermitteln einen lebendigen Eindruck staufischer Geschichte. Mit 30 Metern Länge und 3,80 Metern Höhe nimmt das zur 900-Jahr-Feier des Klosters fertiggestellte Werk den Raum ein. Dabei bietet das Rundbild eine Reise in die Geschichte der Staufer – circa 250 Jahre vom Beginn mit Friedrich von Büren bis zu Konradin, von der Burg Hohenstaufen bis zum Fluss Saleph, von Lorch bis Castel del Monte.

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