Villa Lorch ist bereit für Patienten

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In einem historischen Gebäude wurde am Sonntag eine Wohngemeinschaft für Bewohner mit intensivem Pflegebedarf eröffnet. Patienten werden 24 Stunden am Tag betreut.

Lorch

Auf einem Schild an einer Tür steht noch "Wartezimmer". Ein Relikt aus der Zeit, als in der Jugendstil-Villa kurz nach dem Kreisverkehr in der Stuttgarter Straße eine Arztpraxis untergebracht war. Seit Sonntag befindet sich hier die "Villa Lorch", eine Wohngemeinschaft für betreuungsintensive Pflegebedürftige.

Mit einem Tag der offenen Tür haben Svitlana Novikova und Andrey Gubenskiy ihr persönliches Pilotprojekt gestartet. "Auch bisher betreuen wir schon Menschen, die intensivmedizinischer Pflege bedürfen", erklärte Novikova, "aber bislang immer in deren Zuhause." Neu für sie sei, dass in Lorch nun bis zu acht Personen ab 18 Jahren unter einem Dach zusammenleben.

Novikova und Gubenskiy sind Gründer der Vivere GbR sowie der Intensivpflege Wohngemeinschaften GbR mit Sitz in Stuttgart und arbeiten mit dem ambulanten Pflegedienst NOVAG-Care zusammen. Die ausgebildete Pflegedienst- und Heimleiterin und der Betriebswirt berichteten von 40 Kunden in und um Stuttgart, von Reutlingen bis Heilbronn.

Gezielt in der Gegend gesucht

"Wir haben auf der Suche nach Räumlichkeiten gezielt in dieser Gegend geschaut", sagte Novikova. Denn hier gebe es solche Wohngemeinschaften noch nicht. Über die Eigentümer der Villa in der Stuttgarter Straße seien sie auf das Objekt aufmerksam geworden. "Ich habe mich gleich in das Haus verliebt", gesteht Novikova. Gekauft hätten sie es nicht, vielmehr seien sie die Betreiber der Räumlichkeiten. Im obersten Stockwerk sei momentan noch eine Wohnung vermietet. "Sollte aber der Bedarf da sein, können wir diese Räume auch mieten", sagt Gubenskiy. Und damit rechne er auch: Die Nachfrage nach solchen Pflegeplätzen sei groß.

"Die Zielgruppe sind Menschen, die außerhalb der Intensivstation nicht überleben könnten", erklärt seine Geschäftspartnerin. Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen oder Lungenleiden zum Beispiel. "Die Meisten müssen beatmet und 24 Stunden am Tag betreut werden." Wegen des Fachkräftemangels fordere die Politik, dass Betroffene nicht mehr zu Hause gepflegt werden.

"Für eine Betreuung rund um die Uhr werden 5,5 Stellen gerechnet." In einer Wohngemeinschaft wie in der Villa Lorch könne dieser Personalschlüssel auf zwei Pflegebedürftige angewendet werden, ohne dass sich etwas am Grundsatz ändere, sagt Novikova. Zusätzlich zu den Pflegefachkräften seien Servicekräfte da, die sich ums Waschen, Kochen, Putzen und das Beschäftigungsprogramm kümmern. "Insgesamt arbeiten in Lorch künftig 27 Personen", sagt Gubenskiy. Zwei Pflegeplätze seien bereits belegt, für die übrigens sechs habe es beim Tag der offenen Tür viele Anfragen gegeben. 700 Euro warm koste die Raummiete. Dazu kommen die Pflegeleistungen und Serviceleistungen nach Wunsch.

Viel Arbeit und Geld investiert

Viel Arbeit und Geld habe die Sanierung des denkmalgeschützten Haus gekostet. Ein Lift für Rollstühle wurde im Treppenhaus eingebaut. In den beiden je 230 Quadratmeter großen Stockwerken wurden Sanitärräume erneuert, die Böden saniert und die Wände gestrichen. "Zwei Jahre haben die Arbeiten gedauert." Auf jeder Etage stehen neben Küche, Bad, Wirtschaftsraum und Gemeinschaftsräumen vier Einzelzimmer zur Verfügung. Die Decken sind hoch und mit Stuck verziert, die Wände sind mit einer Holztäfelung versehen. "Wer seine eigene Einrichtung mitbringen möchte, darf das gerne", sagt Svitlana Novikova.

Die Bewohner sollten sich in der Villa Lorch wie zu Hause fühlen. Und auch eine Gemeinschaft bilden: "Das wollen wir fördern, denn als Kranker fühlt man sich schnell allein." Zusammen mit Menschen in der gleichen Situation sei das Schicksal einfacher zu tragen.

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