Von Idylle, Rivalitäten und Geschichte

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Ana und Thorsten Fritz wohnen ihr ganzes Leben lang in Lorch, hier stehen sie im Garten ihres Hauses auf dem Kellerberg. Wie sie die Stadt sehen, erzählen Grundschulrektorin und Stadtrat gerne.
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Ana und Thorsten Fritz sind Lorcher und in vielen Bereichen aktiv. Was ihnen am Leben in der Klosterstadt gefällt und was nicht.

Lorch

Ein Ort voller Geschichte, schöner Plätze, geselliger Menschen, umrahmt von idyllischer Natur: So beschreiben Ana und Thorsten Fritz ihre Heimatstadt Lorch.

Das Ehepaar eignet sich besonders, um über das Leben in der Klosterstadt zu sprechen. Beide sind in Lorch aufgewachsen, haben aber auch in Waldhausen gewohnt. Mittlerweile leben sie auf dem Kellerberg, von drei Kindern ist eines schon aus dem Haus. Ana Fritz leitet die örtliche Stauferschule, sitzt dem Lorcher Männergesangsverein vor und war die erste Feuerwehrfrau Lorchs, wie sie stolz erzählt. Auch ihr Mann singt im Verein, ist seit 2020 Mitglied des Lorcher Gemeinderats sowie Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft des Dorfladens Waldhausen.

Starkes Vereinsleben

Was fällt ihnen als erstes zu Lorch ein? „Geselligkeit“, sagt Ana Fritz, „ob im Sport oder in der Kultur, in Lorch gibt es ein starkes Vereinsleben“. Ihr Mann nickt: „Lorch ist gut aufgestellt, was Vereine angeht.“ Klar hänge vieles von engagierten Einzelpersonen ab. Aber dass die Lorcher gerne beisammen sind, sei Fakt. „Und hilfsbereit dazu“, betont Ana Fritz und erzählt von Vereinsaktionen. Thorsten Fritz ergänzt: „Nicht nur wegen des Kriegs in der Ukraine wollen viele Menschen helfen.“ Auch schon bei der Flüchtlingswelle aus Syrien sei das Engagement vorbildlich gewesen.

Nicht ganz ins Bild passe, dass die Dorfladen-Genossenschaft einen schweren Start hatte. „Da kam die Unterstützung erst, als wir schon wieder kurz vor der Auflösung standen.“ Die Schlagkraft einer begeisterten Stadtgesellschaft – „die fehlt irgendwie“, meinen beide. Umso mehr freue sich der Stadtrat, dass die Stadtspitze über den Stadtentwicklungsplan mit der Bevölkerung ins Gespräch gekommen sei. Über Themen, die der Bürgerschaft wichtig sind. „Das Miteinander reden, davon sollte es noch viel mehr geben.“

Das Tablet klingelt, Sohn Jonathan kommt per Videoschalte dazu. Der 23-jährige Student erzählt, dass er gerne in Lorch groß geworden ist. „Meine Freunde und ich haben uns meistens am früheren Oriaplatz, am Bäderbrunnen oder an der Sporthalle auf dem Schäfersfeld getroffen.“ Einen richtigen Jugendtreffpunkt, „also einen freien, ohne Betreuung“, gebe es aber nicht, schiebt Ana Fritz ein. Spüren junge Menschen Rivalitäten zwischen Kernstadt und Teilorten? „Das war für uns nie ein Thema“, sagt Jonathan. „Wahrscheinlich nur noch für die Älteren“, meinen seine Eltern. Beide haben sehr gerne in Waldhausen gelebt: „Lorch und Waldhausen gehören zusammen.“

Kloster, Staufer und Römer

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Lorch sei Geschichte. „Bei uns hat einmal irrtümlich ein Berliner angerufen“, erzählt Ana Fritz, „und selbst der wusste von unserem Kloster“. Dieses Erbe, aber auch das der Staufer und Römer, sollte noch viel mehr hervorgehoben werden. „Was aber auch fehlt, ist eine engere Verbindung vom Kloster zur Innenstadt“, wirft Thorsten Fritz ein. Überhaupt, die Innenstadt: „Die ist schon sehr ruhig geworden, seitdem es keine Lebensmittelgeschäfte mehr gibt“, sagt Ana Fritz.

Die Grundschulrektorin erzählt von einem idyllischen Schulmiteinander samt aufgeschlossener Eltern. „Kollegen von auswärts fällt immer sofort auf, von welch schöner Natur wir umgeben sind“, ergänzt sie und schwärmt von Touren durch Lorchs Wälder. Gibt’s einen Lieblingsplatz in der Stadt? Ja, lächeln beide: „den Kirchhof der Stadtkirche.“

Was Lorch sonst noch besonders macht

Bekannter Kopf

Als Schaffer in der Schelmenklinge ist Horst Seidenspinner bekannt.

Wie lange er schon bei der Lorcher Feuerwehr ist? „Da muss ich rechnen“, überlegt Horst Seidenspinner. 51 Jahre sind es, zehn davon als Kommandant, jetzt als Obmann der Altersabteilung. Wer den 68-Jährigen nicht daher kennt, hatte ihn vielleicht schon als Glücksbringer zu Hause: Seidenspinner war Schornsteinfeger. Jetzt ist er Energieberater. Und schafft „nebenher“ beim Albverein und in der Schelmenklinge. „Demnächst stellen wir die Häuschen wieder auf.“

Instagram-Fotomotiv

Beliebt: der Remsmittelpunkt in Waldhausen.

So farbenfroh wie bei der Remstal-Gartenschau 2019 leuchtet der Monolith in der Rems selten. Trotzdem lohnt sich der Remsmittelpunkt im Lorcher Teilort Waldhausen als Fotomotiv. Vor allem bei Sonnenschein sind der Stein, die ins Ufer gebauten Sitzstufen und die bunt bepflanzten Hänge nicht nur beliebter Treffpunkt. Sondern auch eine tolle Kulisse für Selbstporträts. Tipp: Bald gibt‘s dort auch wieder Essen und Getränke aus dem Foodtruck.

Schon gewusst?

Fahnenschwinger aus Oria in Lorch

Olivenbaum gegen Nordmanntanne, eine Reise gen Süden und viele Fotos: Dieses Jahr feiern Lorch und Oria das 50-Jahr-Jubiläum ihrer Freundschaft. Beim Löwenmarkt - der übrigens genauso alt wird - vom 24. bis 26. Juni wird das Jubiläum gefeiert. Bunt und fröhlich geht‘s dann wieder zu, wenn die oritanischen Fahnenträger auftreten. Und im August fliegt nicht nur die Stadtspitze zum Besuch nach Süditalien. Glückwunsch oder vielmehr: Auguri!

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