Wachthaus: nun Wohnen in der Natur

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Die Idee eines Geschäftshauses wird an der Stelle nicht mehr weiter verfolgt, jetzt sollen Wohnungen gebaut werden.
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Der heutige Eigentümer plant acht Wohnungen auf dem Areal des einstigen Ausflugslokals. Bauantrag am Donnerstag im Gemeinderat Lorch.

Lorch

Jahrhunderte lang lag das „Wachthaus“ zwischen Lorch und Schwäbisch Gmünd an einer strategisch wichtigen Ost-West-Verbindungsstraße, entsprechend bedeutend war die dortige Gastronomie für die Region. Das ist Geschichte, künftig ist  dort wohl Wohnen im Grünen angesagt. Der Gemeinderat der Stadt Lorch berät am Donnerstag über einen entsprechenden Bauantrag. Der sieht dort den Bau von insgesamt acht Wohnungen vor in einem Gebäude, das sich optisch an die Tradition des Vorgängerbaus anlehnt, wie der heutige Grundstückseigentümer Dr. Jürgen Wacker sagt.

Die ursprüngliche Idee, schon 2016 im Gemeinderat diskutiert, dort ein Wohn- und Geschäftshaus mit Büros zu bauen, wird nicht mehr weiter verfolgt. „Das Thema Gewerbeansiedlung ließ sich an diesem Ort nicht darstellen“, sagt der künftige Bauherr. Wohnen am Eingang zum Haselbachtal biete aber viele Vorteile. Die Anbindung zur Natur ebenso wie die günstige Verkehrslage, wenige Minuten von Gmünd entfernt und mit guter Anbindung an die B 29 nach Stuttgart.

Auch „aus städtebaulicher Sicht wäre eine Bebauung der brachliegenden Abbruchfläche wünschenswert“, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung Lorch für die Gemeinderatssitzung. Es handle sich um ein erschlossenes Grundstück mit vorhandener Anbindung an die öffentliche Wasserversorgung. 

Das ist geplant: Parallel zur Kreisstraße soll das 24 mal 11,75 Meter große Wohnhaus entstehen, mit Erdgeschoss, Obergeschoss und Dachgeschoss. Ein Satteldach erinnert an die ursprüngliche Bebauung. Zwei Wohnungen im Erdgeschoss und je drei in den darüber liegenden Etagen sind geplant. Terrassen und Balkone sorgen für den Wohnkomfort. Nördlich des Gebäudes sind entlang der Gemeindeverbindungsstraße ins Schweizertal sieben Garagen vorgesehen. Das Objekt wird nach aktueller Planung etwas kleiner als der früher angedachte Wohn- und Gewerbebau, auch soll der Standort noch einmal einen Meter von der Kreisstraße abrücken. Dr. Jürgen Wacker möchte das Vorhaben möglichst bald realisieren. Er hofft auf eine baldige Baugenehmigung und würde dann im Lauf des Jahres mit dem Bau starten, die Wohnungen nach Fertigstellung vermieten. 

Die Geschichte des Wachthauses reicht weit zurück. Der dort verlaufende Schweizerbach trennte das württembergische Lorch von der Freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd. Das Wachthaus erlebte im 19. und 20. Jahrhundert eine Blütezeit, die Gastronomie lockte Ausflügler wie Menschen aus Schwäbisch Gmünd und Lorch an.

Einst beliebter Treffpunkt

Für viele Vereine war es das Tagungslokal. Bis Ende der 1960er-Jahre war das Freibad am Wachthaus auch beliebter Treff im Sommer. Die neue B 29 leitete ab 1984 das Ende des Wachthauses als Gastronomie-Standort ein.  Ohne den bis dahin vor dem Haus sichtbaren Ausflugsverkehr fehlten zunehmend die Gäste.  Mehrfach kam es in den 1990er-Jahren zur Zwangsversteigerung des damals noch unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Dann der Brand im Jahr 2013, der von der einstigen Gastlichkeit nicht mehr viel übrigließ. Abreißen durfte der damalige Besitzer das Gebäude zunächst nicht, denn das Landesamt für Denkmalpflege befand das Wachthaus nach wie vor als denkmalschutzwürdig, auch wenn der Versicherungsgutachter seinerzeit nach Angaben des Besitzers festgestellt hatte, dass 70 Prozent des Gebäudes zerstört seien.

Dann die Kehrtwende und die Erkenntnis, „dass bei einer Sanierung derart viel Originalsubstanz verlorenginge, dass das Gebäude anschließend kein Kulturdenkmal mehr wäre“. Die Verlustquote an historischer Bausubstanz sei hoch. Deshalb habe das Amt „seine ursprünglichen Bedenken gegen den Abbruch zurückgestellt“. Der Eigentümer des Wachthauses habe eine Dokumentation des Gebäudes anfertigen lassen, die nun im Landesamt für Denkmalpflege aufbewahrt werde.

Das alte Wachthaus in den 1980er-Jahren.

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