Was Lorch für Jugendliche anbietet

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Thomas Hägele koordiniert als Jugendreferent in Lorch die Offenen Jugendtreffs in Lorch und Waldhausen genauso wie die Schulsozialarbeit und die Ganztagesbetreuung an Realschule und Gymnasium.
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Thomas Hägele ist Jugendreferent der Stadt Lorch. Im Interview erzählt er, wie die Pandemie Kindern zusetzt und warum er Schulsozialarbeit für die Grundschule fordert.

Lorch.

Seit dem Jahr 2000 ist Thomas Hägele Jugendreferent in Lorch. Als solcher koordiniert der 55-Jährige die Offenen Jugendtreffs in Lorch und Waldhausen genauso wie die Schulsozialarbeit und die Ganztagesbetreuung an Realschule und Gymnasium. Außerdem ist das Stadtjugendreferat mit der Schüler- und Familienberatung direkte Anlaufstelle für Hilfesuchende. Nicht zuletzt arbeitet Hägele eng mit den Jugendsachbearbeitern der Polizei zusammen, vor allem bei Präventionsprojekten.

Herr Hägele, merken Sie, dass die Pandemie etwas mit den Kindern und Jugendlichen macht?

Thomas Hägele: Ja klar, die momentane Situation geht an ihnen genauso wenig spurlos vorbei wie an uns Erwachsenen.

Erreichen Sie vermehrt Anfragen um Hilfe?

Viele haben sich an die Schulsozialarbeiter der Schulen gewandt, weil die Offenen Jugendtreffs während der Lockdowns geschlossen waren. Bei Familien, die ohnehin schon Probleme mit der Schule oder beim Umgang mit den Kindern hatten, wurde das während der Pandemie noch deutlicher. Ich habe aber auch neue Eltern kennengelernt.

Was beschäftigt diese Familien?

Wenn beispielsweise die Arbeitsstelle des Vaters ungewiss ist, ist die angespannte Situation auch für Kinder spürbar. Oder schlicht die Unsicherheit, diese fehlende Planbarkeit, die uns Erwachsene ja genauso fertigmacht. Kinder haben auch Angst vor Corona, Angst davor, die Großeltern anzustecken oder selbst krank zu werden.

Wie konnten Sie helfen?

Im Lockdown waren alle Kräfte in der Notfallbetreuung eingesetzt, auch die Mitarbeiterinnen aus der Schulsozialarbeit und des Ganztagesbetriebs. Viele Eltern wurde so entlastet, Kinder aus komplizierten Familien konnten aufgefangen werden. Dazu haben viele Eltern unser Gesprächsangebot angenommen. Den Schülerinnen und Schülern haben wir während der Schulschließungen ein Online-Beratungsangebot über die Plattform der Schule gemacht. Und die Offene Jugendarbeit hat ein Sorgentelefon eingerichtet. Ich war froh, als die Treffs wieder offen sein durften, sie sind so wichtig!

Warum?

Weil beispielsweise Kinder aus anderen Ländern oder anderen Orten in den Treffpunkten erste Integration in die Lorcher Gesellschaft erleben. Und weil der soziale Aspekt dieser lockeren Treffs so wichtig ist. Hier leisten wir auch seit 2000 die Partizipation der Jugendlichen an öffentlichen Entscheidungen.

Inwiefern?

Wir besprechen mindestens einmal im Monat bei den Treffen in Lorch oder Waldhausen, was die Kinder und Jugendliche sich wünschen oder ändern wollen. So bilden sich Jugendforen für bestimmte Projekte, wie den Dirt Park an der Grundschule. Oder so wurde der Werkraum im Jugendtreff Leo zum Fitnessraum umgestaltet. Der nächste Schritt ist dann der Jugendbeirat.

Die Stadt möchte einen Jugendbeirat für 14- bis 19-Jährige einführen, was kann dieser leisten?

Das genaue Konzept wird von Verwaltung und Gemeinderat noch festgeklopft. Im Prinzip soll der Beirat dafür da sein, die Beteiligung der Jugendlichen vom speziellen Wunsch zum Allgemeinen zu transportieren. Außerdem werden die Mitglieder in die Kommunalpolitik eingeführt.

Sie wünschen sich Sozialarbeit auch an Grundschulen. Warum?

Weil damit nicht früh genug angefangen werden kann. Probleme wie Mobbing, Gewalt oder schwierige Familienverhältnisse gibt es auch schon im Grundschulalter. Die Lehrkräfte haben auch dort nicht die Zeit oder die Ausbildung, um jeden Einzelnen aufzufangen. Früher haben die Entscheidungsträger nicht nachvollziehen können, dass Schulsozialarbeit nicht nur an Brennpunktschulen, sondern auch am Gymnasium wichtig ist. Soweit sind wir jetzt schon, seit Beginn der Förderungen solcher Stellen im Jahr 2012 ist Lorch dabei. Jetzt müsste die Erkenntnis im Bereich Grundschule kommen.

Schmierereien an Gebäuden war in letzter Zeit ein Thema in Lorch. Wie bewerten Sie das?

Lorch war noch nie ein großer Brennpunkt bei diesem Thema. Weil wir präventiv arbeiten, auch zusammen mit der Polizei und dem Landkreis, haben wir dafür gesorgt, dass wenig passiert. Bei uns ist die Welt so in Ordnung, dass so etwas auffällt. Ärgerlich finde ich jeden Vandalismus natürlich trotzdem.

Wie viele Lorcher Jugendliche erreichen Sie mit Ihren Angeboten?

Das ist schwierig zu beantworten, aber ich denke, dass ganz, ganz wenige durchs Raster fallen. Der Dank dafür gebührt der Stadt und dem Gemeinderat.

Wieso?

Weil der Rat nicht einen Antrag auf Stellenerweiterung abgelehnt hat. Sechs volle Personalstellen für Jugendarbeit bei 11 000 Einwohnern, das sagt einiges über das Engagement aus.

  • Kontakt und Informationen
  • Wie man Jugendreferent Thomas Hägele erreichen kann und wann und wo die Jugendtreffs in Lorch und Waldhausen sowie der Kindertreff in Weitmars stattfinden, steht online auf der Internetseite der Stadt Lorch, www.stadt-lorch.de, unter der Rubrik „Öffentliche Einrichtungen“, Stichwort „Kinder und Jugend“. cop

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