Weinende und schmutzige Klänge

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Das Duo Sonderegger zeigte im Refektorium des Klosters Lorch sein ganzes Können.
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Duo Sonderegger geht im Kloster Lorch an die Grenzen der Hörgewohnheiten - und darüber hinaus.

Lorch. In der Reihe „Musik in Lorch“ fand im Refektorium ein Klosterkonzert mit dem Duo Sonderegger statt. „Für mich ist das heute eine Premiere, der erste Auftritt in Lorch!“, sagte Eduard Sonderegger, der seit einigen Jahren in Lorch wohnt.

Das Programm des Recitals der beiden Brüder Alexander, Klavier, und Eduard Sonderegger, Violine, war, wie der Violinist erläuterte, ein spezielles Programm, nichts für Einsteiger: „Drei Komponisten mit drei Werken, die eher selten aufgeführt werden als Horizonterweiterung.“

Instrument ausreizen

Das Besondere an diesen Werken ist, wie der Streicher erläuterte, dass sie von exzellenten Konzertsolisten komponiert wurden.

„Die Komponisten gehen an die Grenzen der Instrumente!“, so Eduard Sonderegger. In „Poèmede l’Extase“ des belgischen Komponisten Eugène-Auguste Ysaÿe reizte er sein Instrument in meisterlicher Weise aus in Tonsprüngen von tief bis sehr hoch, gemischt mit wiederharmonisierenden Passagen, um ganz zart zu enden.

Alexander Sonderegger folgte mit einem Klaviersolo der Sonate Nr. 2 gis-Moll op. 19, „Sonate fantaisie“ von Alexander Nikolajewitsch Skrjabin. Wie der Pianist eröffnete, entstehe dazu in seinem Inneren immer das Bild einer großen Wasserfläche. Im ersten Satz sei sie ruhig, im zweiten Satz sturmbewegt. Der Komponist sei noch „Romantiker“, der Chopins Kunst fortsetzte, aber auch darüber hinauswuchs. Warme, perlende Klänge zu Beginn, die ins hochemotionale fortissimoübergehen, um abgebremst in sanfteren Passagen dahin zu plätschern, wieder anzuschwellen, und in einem starken Wohlklang zu enden.

George Enescu komponierte das dritte Werk des Konzerts: „Violinsonate Nr. 3 a-Moll dans le caractère populaire roumain op. 25“. Eduard Sonderegger beschrieb den Komponisten als außergewöhnliches Multitalent. Er war Geiger, Pianist, Komponist und Dirigent. Doch erst nach seinem Tod im Jahr 1955 wurden seine Werke bekannter. „Seine Sonaten sind wahre Schätze der Kammermusik!“, so der Violinist.

Sie vereinigen viele unterschiedliche orientalisch-indische Elemente. Die Brüder gewährten einige klangliche Einblicke in das anspruchsvolle Werk, in dessen Partitur akribische Anweisungen des Komponisten für den Instrumentalisten verzeichnet sind. Zum Beispiel „weinend“, was Sonderegger in eine schluchzende Violintonreiheverwandelte. „So“, sagte er, „ gibt es keinen Streit unter Musikern, wie etwas gespielt werden muss, denn Enescu lässt keinen Spielraum für die eigene Interpretation.“ Was erklang, war ein brillant gespieltes Werk in charakteristischer Mikrotonalität. „Ein Beispiel mit sogenannten unsauberen Tönen für europäische Ohren. Vielleicht gehörte es damals dazu, ein bisschenschmutzig zu spielen“, schmunzelte Eduard Sonderegger.

Dann entfaltete sich die ganze Virtuosität der beiden Instrumentalisten. Die gewohnten Formen der Sonate waren nicht gut zu erkennen oder wie es der Moderator ausdrückte: „Die Komponisten des 20. Jahrhunderts erlauben sich etwas anderes als die klassischen Formen.“ Das Publikum folgte gebannt dem meisterlichen Spiel, das in einem Parforceritt zum Schluss endete.

Anhaltender Applaus erklang, der mit einer Zugabe belohnt wurde. Den dritten Satz von César Franks „Fantasia“, die dieser Eugène-Auguste Ysaÿe gewidmet hatte, widmete Sonderegger allen Opfern von Gewalt. Das brachte weiteren Applaus. Mit Johann Sebastian Bachs „Siciliano c-Moll“endete ein Konzert der Meisterklasse im Kloster-Refektorium Lorch.

⋌Gise Kayser-Gantner

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