Wenn die Pflege in Not ist: SPD-Fraktionsvorsitzender informiert sich in Lorch

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Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Rolf Mützenich, besucht die Sozialstation Lorch. Im Bild (von links) Hans Meyer, Marga Elser,Verena Bakala, Rolf Mützenich, Herbert Sonnberger, Petra Ledet-Wiacker, Tim-Luka Schwab, Christian Lange und Mari
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SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzender Dr. Rolf Mützenich informiert sich in Lorch. Beamte und Selbstständige sollen in die Pflegeversicherung einzahlen.

Lorch. Bessere Voraussetzungen für den Pflegedienst schaffen, das will der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, der an diesem Dienstag auf Einladung des SPD-Bundestagskandidaten Tim-Luka Schwab und des SPD-Ortsvorsitzenden Hans Meyer im evangelischen Gemeindezentrum in Lorch mit Vertreterinnen und Vertretern der dortigen Sozialstation diskutierte. Rolf Mützenich hält vor allem eine bessere finanzielle Ausstattung für nötig, das erfordere auch Veränderungen in der Finanzierung der Pflegeversicherung. „Auch Beamte und Selbstständige sollen in die Pflegekasse einzahlen“, sagt der SPD-Politiker.

Ein herausragendes politisches Feld, das wir gemeinsam beackern müssen.“

Rolf Mützenich,, Fraktionsvorsitzender der SPD

Herbert Sonnberger, Geschäftsführer der Sozialstation, lässt den Politiker wissen, wo der Schuh drückt. Der Personalmangel macht ihm und der Einrichtung am meisten zu schaffen. Zusätzliche Kräfte zu gewinnen, sei außerordentlich schwierig und Sonnberger nennt dafür mehrere Gründe. „Wir brauchen einen Gesinnungswechsel in der Gesellschaft“, sagt er und wünscht sich einen gesellschaftlich besseren Stellenwert für Menschen in der Pflege. „Als Kind hatten wir eine OP-Schwester als Nachbarin, für diese Qualifikation war ihr eine hohe Anerkennung sicher“, sagt der Geschäftsführer.

An vielen Stellschrauben müsse gearbeitet werden. „Die Kinderbetreuung muss sich nach den Pflegekräften richten“, sagt er weiter und ist sich sicher, dass dadurch weitere Stellen besetztwerden könnten. Auch der Bürokratieabbau würde Pflegeeinrichtungen helfen. Dabei legt Herbert Sonnberger Wert auf rasche Lösungen. „Wir können sonst nicht mehr alle Leute versorgen.“ Pflegedienstleiterin Verena Bakala muss immer häufiger schwierige Situationen meistern. „Wenn wir um 10 einen Kunden betreuen müssen, sich die Mitarbeiterin aber um 9 Uhr krank meldet, ist das ein Problem.“ Freie Kapazitäten gibt es nicht, die Zeiten seien schon eng getaktet. Abhilfe ist nicht in Sicht. „Wie viele Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter würden Sie aktuell einstellen,wenn das möglich wäre“, fragt Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär Christian Lange. Zwei, auch drei Vollzeitstellen wären durchaus zu besetzen, so der Geschäftsführer. Aktuell hat die Sozialstation zusammengerechnet 14 Vollzeitstellen.

Geld ist in der Pflege Thema

Die Bezahlung allein ist nach Ansicht Sonnbergers nicht die größte Hürde. Der Ruf, in der Pflege weniger zu verdienen, komme vor allem durch private Pflegedienste, die oft schlechter bezahlten. Der frühere Landtagsabgeordnete Mario Capezzuto berichtet von Versuchen, in der Lorcher Partnerstadt Oria junge Menschen für den Pflegeberuf hier zugewinnen. Das habe er für die Stadt Aalen versucht. Allerdings ohne Erfolg. Nicht wegen der Bezahlung, sondern wegen des harten beruflichen Einsatzes. Mehr Geld in der Pflege ist dennoch ein Thema. Herbert Sonnberger hält es für dringend notwendig, dass die Pflegedienste aus einem Topf bedient werden, wenn eine Kraft ausfällt, dafür Ersatz bezahlt werden muss.

Tim Luka Schwab schlägt deshalb vor, die Finanzierung auch durch weitere Steuermittel zu sichern. „Ein herausragendes politisches Feld, das wir gemeinsam beackern müssen“, sagt Rolf Mützenich. Dazu müsse man auch die Agentur für Arbeit ins Boot holen, an weitere Kräfte aus dem Ausland denken. Für den Beruf in der Pflege spricht nach Einschätzung des Sozialstation-Geschäftsführers die sichere Zukunft. „Wo sonst könnte eine Frau nach der Kinderpause ihre Arbeitszeit aussuchen wie bei uns“, sagt er. „Wenn Jemand von 11 bis 14 Uhr arbeiten möchte, bei uns ist das möglich.“ Die Rückkehr ganz nach Wunsch sei kein Problem. „Und“, das gibt Capezzuto mit auf den Weg, „es muss in der Gesellschaft ein Umdenken stattfinden. Nicht Jeder kann einen Job am Computer machen, wenn allein in Baden-Württemberg 6000 Auszubildende im Handwerk fehlen, wenn Pflegepersonal gebraucht wird.“

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