Wenn eine Mutter über 50 Kinder hat

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Elke Hartmann-Steeger aus Lorch arbeitet seit 20 Jahren als Tagesmutter. Kinder sind der 59-Jährigen immer wichtig.
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Warum sich die Lorcherin Elke Hartmann-Steeger vor 20 Jahren für die Arbeit als Tagesmutter entschieden hat und warum sie diese Entscheidung nie bereut hat.

Lorch

Es ist so richtig total gemütlich, in der Wohnküche von Elke Hartmann-Steeger. Im Kaminofen brennt ein Feuer, dem durch die dicke Glasscheibe jeder zugucken kann. Auf dem weichen Teppichboden sind bunte Kissen, spannende Spielsachen und viele Bilderbücher verteilt. Spielbereich und Feuerstelle sind durch dezente Holzgitter gesichert. Zwei Dreijährige, völlig in ihre Beschäftigung versunken, lassen sich auch durch den eintreffenden Besuch nicht aus der Ruhe bringen. Beeindruckt beobachten die Gäste die friedliche Szenerie. Während die Gastgeberin in Windeseile leckere Pizzaschnecken auf einer Servierplatte aufhäuft. „Die Kinder haben mir heute Morgen schon beim Backen geholfen“, erzählt die 59-Jährige dabei fröhlich. Und jeder spürt: Sie ist in ihrem Element.

Elke Hartmann-Steeger ist Tagesmutter. Mit großer Erfahrung und einem noch größeren Herz für Kinder. Sie soll an diesem Morgen geehrt werden für 20 Jahre, die sie zunächst über den Elternverein Pate und mittlerweile übers Landratsamt für junge Familien im Einsatz ist. Andrea Stecker vom Sachgebiet Kindertagespflege ist mit einem großen Blumenstrauß nach Lorch gefahren. Und natürlich auch neugierig auf das, was die zu Ehrende erzählt.

Elke Hartmann-Steeger ist selbst Mutter von fünf Kindern und hat sich, als „der Nachzügler“ dann endlich auch aus dem Gröbsten heraus war, überlegt, wie sie ihr Leben nun gestalten könnte. Auswärts zu arbeiten und sich weiterhin um die siebenköpfige Familie zu kümmern - das konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. Also beschloss die gelernte Hauswirtschafterin, es als Tagesmutter zu versuchen.

20 Jahre später hat sie „diese Entscheidung nie bereut“, sagt sie. Sechs Monate sei das erste Kind alt gewesen, das in ihre Obhut kam. Der Kontakt zu dieser Familie sei bis heute eng, erzählt Elke Hartmann-Steeger. So wie zu einigen anderen Familien auch, die ihre Kinder und später auch deren Geschwisterkinder zu ihr als Tagesmutter gebracht haben. Meist läuft die „Werbung“ über Mund-zu-Mund-Propaganda, wenn bei ihr ein Platz frei wird.

„Am allerwichtigsten ist, dass man Kinder wirklich mag“, beantwortet Elke Hartmann-Steeger die Frage zum Anforderungsprofil einer Tagesmutter. Ganz entscheidend zudem, dass die Chemie zwischen Tagesmutter und Eltern stimmt. Denn der Kontakt während der Betreuungsjahre ist täglich und eng. „Ich spüre das in der Regel beim Kennenlernen im ausführlichen Erstgespräch“, beschreibt Elke Hartmann-Steeger das Vorgehen und hat mit den Jahren auch herausgefunden, was am besten in ihren Alltag und ihre mittlerweile auch um Enkelkinder bereicherte Familie passt: „Ich nehme nur noch Kinder bis zum Kindergartenalter“, sagt sie. Das Thema Schulkinder hat sie ad acta gelegt - auch wegen der Hausaufgabenbetreuung und den Elterngesprächen in der Schule, bei denen sie als Tagesmutter oft auch dabei sein musste. „Als ich selbst noch mehr mit der Schule zu tun hatte, war das okay. Aber heute nicht mehr.“

Mittlerweile hat sie ihr pädagogisches Konzept, das jede Tagesmutter als Grundlage der Arbeit erstellt, ganz auf die unter Dreijährigen ausgerichtet. Da wird gemeinsam gemalt und gebastelt oder gepuzzelt, um die Fingerfertigkeit zu verbessern, oder in der Puppenküche fantasievoll gewerkelt. Im Garten, den man vom Spielbereich in der Küche direkt durch eine Balkontüre erreicht und über eine große Fensterfront prima einsehen kann, gibt es Babyschaukeln und ein Sandhaus. Dort werden manchmal auch die Vögel gefüttert und deren Namen gelernt. „Und wenn es das Wetter erlaubt, dann essen wir auch draußen im Freien. Das macht den Kindern besonders großen Spaß“, erzählt Elke Hartmann-Steeger.

Im oberen Stockwerk gibt es ein „Schlafzimmer“ in einem der ehemaligen Familien-Kinderzimmer. Dort können die betreuten Mädchen und Jungs ihr Mittagsschläfchen halten. Feste Zeiten seien total wichtig, erklärt die Tagesmutter, die übers Babyphone auch diejenigen ständig unter Kontrolle hat, die sich ruhend eine Auszeit nehmen, während die anderen noch spielen.

Maximal kann sie fünf Kinder in Betreuung nehmen - vier sind ihr aber lieber. Die leben dann zusammen, wie in einer großen Familie - und lernen, darauf achtet Elke Hartmann-Steeger sehr, auch den Umgang miteinander. Dazu gehöre das Teilen oder das Tauschen ebenso wie das Aufräumen oder das Abwarten können oder dass bei Tisch zumindest jede Speise einmal probiert werden sollte. „Dann kann man immer noch sagen, dass man das lieber nicht essen möchte.“

Ihr geduldiger und besonnener Umgang mit Kindern und den Familien werde sehr geschätzt, würdigt Andrea Stecker die Lorcherin. Insgesamt hat diese in ihrer langen Zeit als Tagesmutter 53 Mädchen und Jungs aus 48 Familien bemuttert, sich um drei Kinder in einer Ferienbetreuung gekümmert und noch nie so viel Papierkram am Hals gehabt, wie aktuell in den Corona-Testmonaten.

Das Wichtigste ist, dass man Kinder mag.“

Elke Hartmann-Steeger,, Tagesmutter
  • Zwei Infoveranstaltungen: Wie wird man Tagesmutter oder -vater
  • Wer sich für die Kindertagespflege interessiert - vielleicht auch selbst diese Aufgabe übernehmen will, für den gibt es zwei Qualifizierungskurse - berufsbegleitend mit rund 300 Unterrichtseinheiten. Kurs eins geht es um Kinderschutz und Kinderrechte, um rechtliche Grundlagen oder um die Gestaltung des pädagogischen Alltags. Wenn daran anschließend die Pflegeerlaubnis erteilt ist, folgt Kurs zwei als tätigkeitsbegleitende Qualifizierung mit so genannten Selbstlerneinheiten. Später absolvieren die Tagesmütter oder -väter jährliche Fortbildungen, in denen es um Erfahrungsaustausch ebenso geht, um Versicherungen oder Steuerthemen. Die nächsten Infoveranstaltungen zur Tagespflege sind am Donnerstag, 10 Februar, oder am Dienstag, 15. Februar, jeweils von 9.30 bis 11 Uhr im Landratsamt in der Haußmannstraße in Gmünd. Anmelden dazu können sich Interessierte unter www.kindertagespflege-ostalbkreis.de

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