Wohin mit Artefakten in Lorch?

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Die Wagenfabrik Conrad Hörger in Lorch baute von 1860 bis 1932 unter anderem den „Lorcher Idealwagen“, eine leichte Kutsche. Die Stadt besitzt noch ein Exemplar, das aber nicht fotografiert werden soll.
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Lorch besitzt eine 120 Jahre alte Kutsche. Dafür, aber auch für andere Gegenstände hätte die SPD gerne Lagerräume. Was die Verwaltung ablehnt. Ebenso wie ein Heimatmuseum.

Lorch

Fast unsichtbar wurde kürzlich ein Stück Lorcher Geschichte versetzt. In einer Garage auf dem Parkplatz Finkennest lagerte eine Kutsche, die in der 1860 gegründeten Fabrik Conrad Hörger erbaut worden war. Da der Parkplatz erweitert wird, wurde die Garage in eine andere Ecke des Finkennestes umgesetzt. Zwei Stunden habe die Kutsche im Freien gestanden, verrät Bürgermeisterin Marita Funk, bis die Umsetzung erfolgt war. Ein Foto vom „Lorcher Idealwagen“ verweigert sie: „Ich befürworte nicht, dass die Kutsche in diesem alten Zustand mit Stockflecken abgelichtet wird.“

Stadtarchivar Simon M. Haag berichtet, dass die Kutsche vor etwa 120 Jahren gebaut wurde. Auf ihren Kerzenständern sei „Conrad Hörger/ Wagenfabrik/ Lorch Württemberg“ zu lesen. 1860 sei Schmied Conrad Hörger auf dem Gelände beim früheren Schillerplatz im Wagenbau tätig gewesen. Seine Spezialität: „Der Lorcher Idealwagen, eine leichte Kutsche, deren Patent Hörger innehatte.“ Reiner Wieland ergänzt: „Das war ein Wagen für Ausfahrten am Sonntag.“ Von dem Initiator des privaten Schriftgut-Archivs Ostwürttemberg in Heubach-Lautern hat die Stadt die Kutsche im Jahr 2015 gekauft. Wieland selbst sei Jahre zuvor bei Privatleuten in Pfahlbronn darauf gestoßen.

Den Hersteller Hörger gab es da schon lange nicht mehr. Die preisgekrönte Firma habe unter der Inflation der 1920er-Jahre gelitten, hat Archivar Haag herausgefunden. 1932 wurde der Betrieb aufgegeben. Und 1936 von der Firma Binz wiederbelebt.

Reiner Wieland erzählt, dass Bürgermeister Karl Bühler das Kaufangebot damals gerne angenommen habe. Dessen Nachfolgerin Marita Funk würde sich wünschen, dass jemand die Kutsche restauriert. „Vielleicht gibt es jemand, der die Fertigkeit und Zeit dafür aufbringen möchte?“ 

Die Hörger-Kutsche, aber auch eine umfangreiche Privatsammlung landwirtschaftlicher Geräte hat die SPD-Fraktion zum Anlass für einen Antrag genommen, über den am Donnerstag in der Ratssitzung gesprochen werden soll. Die Stadtverwaltung solle Vorschläge für Lagermöglichkeiten machen, um erhaltenswerte historische Gegenstände bei Bedarf sachgerecht aufzubewahren. Laut Verwaltung besitze die Stadt keine Lagerräume und könne solche auch künftig nicht erwerben. Da die SPD-Fraktion in der Vergangenheit auch stets ein Lorcher Heimatmuseum ins Spiel gebracht hat, wird nun auch diesem eine Absage erteilt.

Würde sich ein Heimatmuseum denn lohnen? Stadtarchivar Haag meint, nein. Zu rechtfertigen seien zeitlich begrenzte Themenausstellungen, wie sie das Stadtarchiv in der Vergangenheit mehrfach durchgeführt hat. „Aber meines Erachtens nicht die Einrichtung eines Museums.“ 1933 seien Objekte für ein Heimatmuseum erworben worden. Allerdings klassifizierte der ehemalige Lorcher Stadtarchivar Reinhold Wackler diese als mehr oder weniger wahllos zusammengekauft, berichtet Haag. „Besondere Stücke konnte er, abgesehen von zwei Mörike-Autographen, nicht ausmachen.“

Aus dem 1932 angelegten Inventar sei die Existenz eines kleinen Fundus zur römischen Besiedlungsphase zu entnehmen. Doch sei dies fast alles Massenware. Von den für Süddeutschland sensationellen Funden beim Aushub der Rathaustiefgarage Mitte der 1980er-Jahre besitze die Stadt kein einziges Stück. „Und vom Epona-Relief oder der Lorcher Bärenstatuette nur Abgüsse.“

Die Lorcher Fundusobjekte rechtfertigen nicht die Einrichtung eines Museums.

Simon M. Haag, Stadtachivar

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