Zerstörer im Blumenbeet

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Der Lorcher Kirchhof am Samstagabend: Frühblüher zertrampelt oder ausgerissen, Gartenschau-Bienen von ihren Stäben gerissen, Bienenhotels in Form von Zwergenfiguren zerstört.
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Jugendliche haben ihre Lust am Kaputtmachen rund um die Lorcher Stadtkirche ausgelebt. Die Ehrenamtlichen sind frustriert, aber nicht demotiviert.

Lorch

Die Frühblüher niedergetrampelt, hölzerne Gartenschau-Bienen ausgerissen, Bienenhotels zerstört und die Beeteingrenzungen herausgerissen: Der Anblick, der sich Passanten am späten Samstagabend im Lorcher Kirchhof bot, war kein schöner. Unbekannte hatten ihre Lust an der Zerstörung an den Beeten ausgelassen.

Der Sachschaden ist mit geschätzten 500 Euro nicht so hoch wie der ideelle: "Es geht um den Ärger", sagt Pfarrer Christof Messerschmidt. Denn "verärgert" und "frustriert" seien die ehrenamtlichen Kümmerer, die das Jahr über dafür sorgen, dass es im Kirchhof grünt und blüht. "Glücklicherweise nicht demotiviert", fügt er hinzu. Tatsächlich seien die Zerstörungen bereits wieder weitmöglichst beseitigt, auch wenn noch Fußspuren in den Beeten zu sehen seien und die Bienenhotels nun kaputt sind. Zwischen 21 und 22 Uhr am Samstag muss es passiert sein, weiß Messerschmidt. Ebenso sei "ganz klar", dass es sich bei den Tätern um Jugendliche handle, sie seien gesehen worden.

Bei allem Ärger hat der Pfarrer einerseits "Verständnis, dass man nicht weiß, wohin mit sich" in der Pandemie mit ihren zahlreichen Einschränkungen. In der Clique unterwegs zu sein, "ist eben das, was man zwischen 16 und 20 ganz viel macht". Er verstehe, dass es für Jugendliche zur Zeit schwierig sei, sich zu treffen. Anadererseits: "Das macht man nicht", sagt er zu den Zerstörungen und fragt sich: "Heute die Blumen, und was kommt dann?" Die Kirchengemeinde hat nun Anzeige bei der Polizei erstattet.

Das macht man nicht.

Christof Messserschmidt, Pfarrer

Ruth Schenker, die sich mit Kirchenpflegerin Kathrin Piller die Pflege der großen Beete rund um die Stadtkirche teilt, vermutet hinter den Verwüstungen ebenso Unmut mit der aktuellen Situation oder Gedankenlosigkeit. Wobei es in der Vergangenheit schon öfter unliebsame Entdeckungen gegeben habe. Etwa, wenn der Abendmahlstisch, der gemacht ist, um darauf Botschaften zu hinterlassen, verschmiert war oder dort haufenweise Müll lag, zählt Schenker auf. Den jungen Leuten "fehlt der Sport, fehlt alles", sagt sie zur aktuellen Situation. "Wo sollen die Jugendlichen hin?", fragt Schenker, und gibt die für sie selbstverständliche Antwort: "Die dürfen überall sein."

Vielleicht müsste man die Jugendlichen mal zum Mitmachen einladen, überlegt Schenker. Schließlich werde mehr geschätzt, wofür man selbst gearbeitet hat. Bei Piller und Schenker ist das einiges. Im Herbst waren es jede Woche zwei Stunden, in denen sie die Beete "ausgegrast" haben. Die Frühblüherzwiebeln mussten gesteckt und die Insektenweiden müssen ausgesät werden. Im Sommer komme noch regelmäßiges Gießen dazu, damit sich die Besucher am üppig blühenden Kirchhof erfreuen können. Und das so uneingeschränkt wie bisher. "Der Kirchhof bleibt offen", sagt Messerschmidt.

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