Suche nach Hausarzt in Waldhausen bleibt schwierig

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Seit knapp zwei Jahren stehen die Praxisräume in Lorch-Waldhausen leer. Ob hier wieder ein Allgemeinmediziner einzieht, ist ungewiss.
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Wie groß sind die Chancen, dass sich im Lorcher Teilort bald wieder ein Mediziner niederlässt?

Lorch-Waldhausen. Der Hauseingang des Hauses in der Rattenharzer Straße 26 liegt im Dunkeln. Die Fenster im Erdgeschoss sind mit Rollläden verschlossen. Seit vor knapp zwei Jahren Dr. Johannes Wunderlich aus der Praxis ausgezogen ist, warten die Räumlichkeiten in Waldhausen auf neues Leben.

„Ich nehme wahr, dass die Waldhäuser sehr gerne wieder einen Arzt vor Ort hätten“, sagt Bürgermeisterin Marita Funk, „und das kann ich auch nachvollziehen“. Die Ärztinnen und Ärzte in Lorch hätten den Wegfall des Hausarzts lobenswert auffangen können. Doch ein Arzt vor Ort sei für den Teilort, aber sicher auch für Rattenharz wichtig.

Risiko wohl zu groß

Die Stadt selbst wirbt seit Mai 2020 mit einer Prämie in Höhe von 50 000 Euro um eine Neubesetzung der Praxis. Seitdem habe es auch Interessenten gegeben: Diese seien dann aber doch abgesprungen. „Weil die Praxis schon aufgegeben wurde und die Patienten sich neu orientiert haben.“ Das Risiko, sich in dieser Situation neu zu etablieren, sei den Interessenten zu groß gewesen.

Da habe es bisher auch nicht geholfen, zu betonen, dass die Waldhäuser bestimmt wieder kämen. Wie haben den Interessenten die Räumlichkeiten in der Rattenharzer Straße gefallen? „Sie fanden gut, dass die Praxis nur ein bisschen aufgehübscht werden müsste.“ An Größe oder Zustand habe sich niemand gestört, im Gegenteil. „Es wäre primär wünschenswert, dass wir einen möglichen Interessenten im Bestand unterbringen“, betont die Bürgermeisterin.

Sie schließt aber auch nicht aus, weiterzudenken: „Sollte sich zeigen, dass neue Räumlichkeiten gewünscht werden, dann haben wir bestimmt in Waldhausen Möglichkeiten hierfür.“ Insbesondere, da die Stadt damit rechnet, wohl im Jahr 2023 Zuschüsse aus dem Landessanierungsprogramm für den Lorcher Teilort zu erhalten. Womit Sanierungen oder Neubauten verwirklicht werden könnten.

Formal gut versorgt

Funk verweist darauf, dass der westliche Ostalbkreis im Hinblick auf die hausärztliche Versorgung zu 100 Prozentabgedeckt sei. „Deswegen gibt es keine zusätzlichen Fördermittel vom Land, wie in formal unterversorgten Gebieten.“ Dort können Interessenten weitere Gelder durch das Land erhalten. Tatsächlich sieht die Kassenärztliche Vereinigung in ihrem Ende Februar erschienenen Bedarfsplan eine 105,1 prozentigen Versorgungsgrad bei Hausärzten in dem Bereich, zu dem Lorch gehört. Ein Beispiel für einen unterversorgten Bereich ist der Schwäbische Wald rund um Durlangen. Dort sei die Versorgung nur zu 63,2 Prozent gedeckt.

30,5 Hausarztstellen frei

Der Landkreis erklärt, dass 30,5 Hausarztstellen nicht besetzt seien. 191 Hausärzte gebe es aktuell. „Der Kreis hat sich mit den Kliniken Ostalb und den Ärzteschaften Aalen und Schwäbisch Gmünd auf den Weg gemacht, Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner für den Kreis zu gewinnen“, sagt Sprecherin Lena Kümmel. So würden Schülerpraktika an den Kliniken organisiert und junge Ärzte als Studienbotschafter eingesetzt. Außerdem erhalten Studierende, die ein Blockpraktikum in einer Hausarztpraxis im Kreis machen, einen Fahrtkostenzuschuss von 300 Euro.

Ausbildung zum Hausarzt attraktiver machen

  • Ende Februar wurde der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Ostalbkreis gegründet. Das Ziel sei, die Facharztweiterbildung zum Allgemeinmediziner im Ostalbkreis attraktiver zu gestalten. Etwa durch „eine strukturierte und koordinierte Weiterbildung im stationären und im ambulanten Bereich mit festen Ansprechpartnern“, so der Kreis.

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