Taufe mit lockerem Ablauf in der Natur

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Ein wahrhaft biblisches Erlebnis: Wie einst Johannes der Täufer im Jordan tauft Pfarrer Jochen Leitner in der Rems einen jungen Täufling mit Flusswasser. Insgesamt 19 Täuflinge lassen sich beim Tauffest am Remsmittelpunkt in Waldhausen taufen.
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19 Kinder und Erwachsene haben sich am Samstag am Remsmittelpunkt in Lorch-Waldhausen taufen lassen. Die Pfarrer haben eine Vermutung, warum das Angebot so gerne angenommen wird.

Lorch-Waldhausen

Beherzt steigt Jochen Leitner in die Rems. Dass sein Talar pitschnass wird, scheint den evangelischen Pfarrer aus Großdeinbach nicht zu stören. Zwei Familien umringen ihn erwartungsvoll. „Elex, wir fangen mit dir an“, spricht Leitner einen Jungen an, der neben seiner Mutter im Fluss steht. Während der Pfarrer ihm Wasser über den Kopf schöpft und den Taufsegen spricht, weint Elex‘ kleiner Bruder Marek heftig. Auch er wird noch von Jochen Leitner getauft, ebenso wie seine Mutter Svenja. Die drei machen am Samstagvormittag am Remsmittelpunkt im Lorcher Teilort Waldhausen den Auftakt zum diesjährigen Tauffest. Weitere 16 Jungen und Mädchen werden bis zum Nachmittag folgen.

Erneut hatten die vier evangelischen Gemeinden Waldhausen, Lorch, Großdeinbach und Lindach-Mutlangen zum Taufen im Fluss eingeladen. Das Wetter spielte erneut mit und bescherte den Familien Sonnenschein und den Wunsch nach Abkühlung. Nachdem bei der Premiere im Gartenschaujahr 2019 zwölf Kinder den Kirchengemeinden beitraten, waren es im vergangenen Jahr sechs gewesen. Nun freuten sich die Pfarrerinnen und Pfarrer über 19 Täuflinge. „Wir haben auch schon eine Warteliste fürs nächste Jahr“, erzählte Lukas Golder.

Der Waldhäuser Pfarrer startete um 10 Uhr zusammen mit Leitner und Pfarrerin Eleonore Härter aus Lindach-Mutlangen den ersten von vier Gottesdiensten. Um 11 und 12 Uhr folgte dann Christof Messerschmidt mit insgesamt sieben Lorcher Täuflingen, während Golder zusammen mit seiner Frau Ulrike um 13 Uhr mit weiteren fünf Zeremonien den Abschluss machte.

Der Eindruck, dass die besondere Möglichkeit am Fluss immer besser angenommen wird, hatten sowohl Leitner als auch Messerschmidt. „Ich denke, den Menschen gefällt das Niederschwellige und der Ort im Freien“, mutmaßte Messerschmidt. „Dazu kommt, dass wir viele Taufen aus dem vergangenen Jahr verschieben mussten“, sagte Leitner. Die würden nun alle nachgeholt. So wie bei Kerstin Roller und ihrer Tochter Valentina. „Eigentlich sollte sie letztes Jahr im März getauft werden, aber dann kam ja Corona“, erzählte die Lorcherin. Dass die Taufe am beliebten Versammlungsort nachgeholt werden kann, freue sie doppelt: „Ich sitze hier gerne mit Freunden, da gibt es einfach einen Bezug.“ Außerdem gefalle ihr der lockere Ablauf in der Natur. Das betonten auch Ivonne und Bastian. Die Waldhäuser haben ihren Sohn Felix taufen lassen. Es sei einfach was anderes als in der Kirche. „Außerdem liebt Felix Wasser“, ergänzte seine Mutter lächelnd. Barfuß im Fluss stehen zu können, empfand auch Janina als tolle Erfahrung. „Ich finde, dadurch ist das Ganze auch viel kindgerechter“, meinte die Gmünderin, die zusammen mit ihrem Mann Sohn David taufen ließ.

Den Bezug zum Wasser inspirierte die Pfarrer bei ihren Predigten. „Wasser, Licht und ein Versprechen gehören zur Taufe“, sagte Eleonore Härter. Wasser und Licht würden die Menschen an diesem Ort sehen und spüren. „Und Gott verspricht durch die Taufe, du bist mein geliebtes Kind.“ Lukas Golder verwies auf die Überzeugung, dass mit dem Taufwasser alles abgewaschen würde, was zwischen den Menschen und Gott stünde. „Das funktioniert auch mit Remswasser, das heute nicht ganz so klar ist“, lächelte der Pfarrer.

„Ich finde, dadurch ist das Ganze auch viel kindgerechter.“

Janina,, Mutter eines Täuflings

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