Tief verwurzelt und neugierig aufs Amt

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In den kommenden zweieinhalb Jahren Ansprechpartner Nummer eins in Walkersbach: René Schuppert. ÌFoto: privat

Wer ist René Schuppert, der neue Ortswart von Walkersbach – und wo sieht er die Herausforderungen für den Plüderhäuser Teilort?

Plüderhausen-Walkersbach

Es ist nicht lange her, das stand der Plüderhäuser Ortsteil Walkersbach regelmäßig in den Schlagzeilen. Um das Bürgerhaus und seine Nutzung tobte vor ier Jahren ein Konflikt. Heute ist die Stimmung in der Plüderhäuser Exklave ruhig. Weil durch die Corona-Pandemie ohnehin kaum Veranstaltungen möglich waren. Aber auch, weil der Ortswart Nick Schuppert mit seiner besonnenen Art zur Beruhigung beitrug.

Doch Schuppert wurde im November zum Bürgermeister von Weikersheim gewählt, ist inzwischen umgezogen und hat diese Woche auch sein Amt angetreten. Anfang des Monats übernahm René Schuppert das Ehrenamt von seinem Namensvetter, mit dem er aber nur weitläufig verwandt ist. Dass der 37-Jährige Ortswart wurde, war so nach der Wahl in Weikersheim nicht zu erwarten.

Wie René Schuppert zu dem Amt des Ortswarts kam: Das hängt mit der unechten Teilortswahl zusammen, die dafür sorgt, dass Walkersbach jeweils einen festen Sitz im Gemeinderat hat. Und bislang war es stets so, dass der Walkersbacher Gemeinderat dann auch das Amt des Ortswarts übernahm. 30 Jahre lang war das Gerda Rost, nach ihrem Ausscheiden aus dem Gremium übernahm 2019 der Walkersbacher Nick Schuppert ihre Aufgaben. Dass der jetzt zum Bürgermeister gewählt wurde, sorgte für eine Situation, die es so noch nicht gab. Denn nachrücken über die SPD-Liste konnte für ihn niemand, da er einziger Kandidat der Fraktion war. Und (der ebenfalls weitläufig verwandte) Holger Schuppert, der für die CDU antrat, konnte auch nicht nachrücken, dazu hätte ein CDU-Rat ausscheiden müssen. Dennoch schien er durch seine Wahlstimmen legitimer Nachfolger zu sein.

Wie kam es, dass an seiner statt René Schuppert die Aufgabe übernahm? „Holger hatte großes Interesse am Gemeinderat, aber nicht am Posten des Ortswarts – und bei mir war die Interessenlage genau umgekehrt“, sagt der 37-Jährige. Die Aufgabe wird er vorerst bis zur nächsten Kommunalwahl im Jahr 2024 übernehmen. „Ich habe keine Ambitionen, mich dann aufstellen zu lassen“, sagt Schuppert. „Aber der Posten und der Gemeinderat sind nicht miteinander verheiratet.“ Möglich also, dass er dann Ortswart bliebe, auch wenn es über die Walkersbacher Liste wieder einen Rat aus dem Ortsteil geben wird. Zunächst will der 37-Jährige aber in das neue Amt hineinfinden. „Ich weiß noch nicht richtig, was auf mich zukommt“, sagt er ganz offen, „aber ich freue mich darauf.“

Wer ist René Schuppert? Für die Walkersbacher jedenfalls alles andere als ein Unbekannter. Seit 2014 ist er Kommandant der Walkersbacher Feuerwehr-Abteilung. Schuppert ist aktiv im Bürgerverein und im „Antennenverein“ (einst gegründet in den Siebzigern, um den Fernsehempfang ins Walkersbacher Tal zu holen), der das Salzkuchenfest organisiert. Und wenn es beim Musikverein etwas zu tun gibt, dann hilft er auch bereitwillig mit. Kurzum: „Ich bin tief verwurzelt in Walkersbach.“ Beruflich ist der 37-jährige Maschinenbautechniker Betriebsleiter bei der Firma Wörner Metallverarbeitung in Lorch. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Jugendtreff, Bürgerhaus, Windräder:Themen, die Walkersbach bewegen: Seine Frau Bettina hat 2021 maßgeblich bei der Gründung des Jugendtreffs im Ort mitgewirkt. Der Betrieb ruhe momentan zwar coronabedingt, der Start sei aber schon mal gut gewesen: „Die Jugendlichen haben Spaß und wollen bald wieder anfangen.“ Der mit Tischkicker und Darts eingerichtete Raum dafür befindet sich im Bürgerhaus. Ob dort künftig wieder Abendveranstaltungen stattfinden können, ist noch unklar. Baurechtlich war das Gebäude, das seit Jahrzehnten für Zusammenkünfte genutzt wird, nämlich nie ein Veranstaltungsort, wie eine Überprüfung des Landratsamts vor zwei Jahren ergeben hat. Über den Antrag für eine Nutzungsänderung wurde noch nicht entschieden – und im Anschluss werde es dann entscheidend sein, mit welchen Auflagen die Nutzung schließlich verbunden sei.

Dem Konflikt um das Bürgerhaus habe diese Pause aber gutgetan, findet Schuppert: „Die aufgeheizte Stimmung ist weg.“ Wobei er selbstkritisch einräumt, dass durchaus beide Seiten hier ihren Anteil hatten: der zugezogene Nachbar, der den Konflikt mit seinen Klagen gegen Veranstaltungen angeheizt habe – und die Walkersbacher selbst, „die schon mal gerne streiten und dickköpfig sein können“.

Während der vorherige Bürgermeister Andreas Schaffer in Walkersbach zuletzt keinen guten Stand mehr hatte, verbinde ihn mit dem neuen Schultes Benjamin Treiber ein freundschaftliches Verhältnis, sagt Schuppert. „Wir erhoffen uns, dass vieles in Zukunft anders läuft, sind uns aber auch klar, dass er keine Wunder bewirken kann.“

Ein paar Wünsche hat Schuppert nämlich für seinen Teilort auch jenseits des Bürgerhauses: ein neues Baugebiet etwa, an der Sonnenhalde, denn „viele haben Interesse, in Walkersbach zu bauen, aber es ist schwer, hier Wohnraum zu finden“.

Ein „Riesenthema“ seien auch die drei geplanten Windräder der ENBW. „Das wird das Bild von Walkersbach verändern.“ Das sorgt im Teilort für Skepsis, „ein Großteil ist dagegen“. Der Bürgerverein unterstütze daher die Bürgerinitiative gegen den Bau des Windparks. „Mir wäre es sehr wohl, wenn das abgewendet wird“, sagt Schuppert. „Man zerstört Natur, um Natur zu schützen“, das finde er widersinnig. Noch ist die Sache indes nicht entschieden.

Und richtig interessant werde seine Aufgabe ohnehin erst, „wenn die Coronapause wieder vorbei ist und die Aktivitäten wieder anfangen in Walkersbach“. René Schuppert wird dann als Ortswart, aber auch als Bürger vorne mit dabei sein.

Wer ein Anliegen an den Ortswart hat, kann sich per E-Mail an ortswart@pluederhausen.de melden.

Ich weiß noch nicht richtig, was auf mich zukommt.“

René Schuppert,, Ortswart

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