„Waldhausen braucht den Dorfladen“

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Seit fünf Jahren gibt es den Dorfladen in Waldhausen. Auch dank der vielen Ehrenamtlichen.
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Vor fünf Jahren startete der Dorfladen in Lorch-Waldhausen. Aufsichtsrat Thorsten Fritz und Ehrenamtliche Rosemarie Wruck erzählen, wie es mit dem Genossenschaftsprojekt läuft.

Lorch-Waldhausen

Donnerstagmorgen, 9 Uhr. Im Dorfladen Waldhausen herrscht reges Treiben. Männer und Frauen räumen Ware in die Regale und Kühlgeräte. „Donnerstags kommt die Lieferung“, sagt Thorsten Fritz. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Dorfladen-Genossenschaft erzählt, dass man sich nun eigentlich auf das Jubiläumsfest am Samstag habe vorbereiten wollen. Denn im Dezember vor fünf Jahren wurde der Dorfladen feierlich eröffnet. Wegen Corona muss das Fest ausfallen. Fritz zeigt ein Flugblatt, in dem mit Sonderangeboten auf den Jubeltag aufmerksam gemacht wird.

Rosemarie Wruck stellt Packungen mit Zwieback ins Regal. Sie erinnert sich gut an einen Anruf um die Mittagszeit am 6. Dezember 2016: „Man hätte viel Ware erhalten, aber kaum Helfer“, erzählt die 81-Jährige. Ob sie und ihr 2017 verstorbener Mann nicht mithelfen wollen, die Ware einzuräumen. „Man muss mir halt sagen, wie es geht, habe ich geantwortet“, sagt sie und lächelt hinter der Maske. „Seitdem bin ich dabei.“ Und räumt wie 25 andere Ehrenamtliche mindestens einmal in der Woche Lieferungen in die Regale.

Die Ehrenamtlichen kümmern sich auch um Nachbestellungen, das Waschen und Bügeln der grauen Schürzen oder die Müllentsorgung. Zusammen mit den fünf Verkäuferinnen, aber auch mit den Vorständen Frieder Wahl und Andreas Mayer sowie den Aufsichtsräten Thorsten Fritz, Christiane Eichenhofer und Ulrike Hänsler halten sie den Dorfladen am Laufen.

Treffpunkt für jung und Alt

Wenn es nach Rosemarie Wruck geht, soll das noch lange so bleiben. „Der Dorfladen ist für mich so was von wichtig“, sagt sie nachdrücklich. Sie bekomme hier nicht nur alles zum täglichen Leben, „und mehr, als ich je brauchen werde“. Auch habe sie einen kurzen Weg und könne alles selbst besorgen, was ihr als Alleinstehende viel bedeutet. „Selbstständig sein finde ich sehr wichtig im Alter.“ Und was sie brauche, müsse sie hier nicht lange suchen. Anders als in großen Einkaufsmärkten, dort strenge sie der Einkauf an. Nicht zuletzt mag sie ihren Arbeitseinsatz: „Man wird gefordert, der Kopf wird angestrengt.“ Zudem begegne sie hier vielen Leuten, „Kindern, Jungen, Erwachsenen und Alten“.

Die frühere Ortsvorsteherin von Waldhausen erzählt lächelnd von einem Opa, der mit seinem strahlenden Enkel einkaufen kam. „Oder, wenn die Kinder von der Schule kommen, dann ist hier manchmal ganz schön was los.“ Thorsten Fritz steuert die Geschichte von einer jungen Mutter bei, die ihren ganzen Wocheneinkauf im Laden macht. „Weil hier immer jemand ist, der dann auf die Kinder aufpasst.“

Was natürlich vor der Pandemie besser geklappt habe. Da gab es auch noch die Café-Ecke, also Tische und Stühle, die regelmäßig belegt waren. „Der Dorfladen war ja auch als Treffpunkt gedacht, als Ort zum Zusammenkommen“, betonen sowohl Wruck als auch Fritz, der auch von Anfang an dabei war. „Vor Corona haben wir uns mit Veranstaltungen in die Gemeinschaft eingebracht“, erzählt Fritz. Als Aufsichtsrat zieht er ein Fazit: „Der Dorfladen läuft so, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Keine Millionen wolle man erwirtschaften, sondern so viel einnehmen, dass die fixen Kosten gedeckt sind. „Strom, Versicherungen, Löhne.“ Und das funktioniere auch, Fritz spricht von der schwarzen Null. „Für die Zukunft sind wir gut aufgestellt.“

Als Problem zeichne sich ab, dass die Mitglieder der Genossenschaft, aber auch die Ehrenamtlichen immer älter werden. „Da wäre es schön, wenn wir Nachwuchs begeistern könnten.“ Schon eine halbe Stunde Ware einräumen nach der Schule, wäre eine riesige Hilfe.

Fritz wünscht sich, dass es den Laden noch gibt, wenn er in Rente geht. „Auch, weil er für alle Waldhäuser eine Art Dorfmitte ist.“ Rosemarie Wruck ergänzt nickend: „Waldhausen braucht den Dorfladen.“

  • Rückblick: So kam’s zum Dorfladen Waldhausen
  • Am 26. November 2014 gründeten 120 Männer und Frauen die Genossenschaft „Dorfladen Waldhausen“.
  • Im März 2015 zeigten die Waldhäuser großes Interesse beim Tag der offenen Tür in den künftigen Ladenräumen.
  • Krisensitzung im Dezember 2015: Weil nicht genug Anteile für das veranschlagte Startkapital von 50 000 Euro gekauft wurden, steht das Projekt vor der Auflösung.
  • Im Januar 2016 dann die erlösende Nachricht: Das Kapital ist da, 327 Mitglieder halten 499 Anteile à 100 Euro.
  • Mit Hilfe zahlreicher Ehrenamtlicher und der Beauftragung örtlicher Firmen wird der 120 Quadratmeter große Laden im Laufe des Jahres 2016 renoviert und eingerichtet.
  • Am Samstag, 17. Dezember 2016, feiert der Dorfladen seine vielbeachtete Eröffnung. cop

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