Weiterhin Blaualgen im Plüderhäuser Badesee

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Am Plüderhausen Badesee ist derzeit Baden verboten wegen Blaualgen.

Badeverbot bleibt bestehen, der Plüderhäuser Bauamtsleiter Ludwig Kern geht davon aus, dass es noch dauert, bis der See freigegeben wird.

Plüderhausen. Man hat sich fast schon dran gewöhnt, die Situation droht zur Routine zu werden: Seit 26. Juli gibt es im dritten Jahr in Folge mal wieder eine Gesundheitswarnung vor dem Baden im Plüderhäuser See wegen einer erhöhten Konzentration von Blaualgen im Wasser. Daran ändert sich vorerst auch nichts, wie Bauamtsleiter Ludwig Kern auf Nachfrage sagt. Zwar erscheine das Wasser in den Badebereichen bei Westwind relativ klar, bei Ostwind sei dann aber die grüne Brühe da, die klar den Algenbefall zeige. „Wir beobachten es täglich“, sagt Kern. Derzeit ergebe es keinen Sinn, Wasserproben durch das Gesundheitsamt untersuchen zu lassen, weil augenscheinlich klar sei, dass das Wasser noch stark belastet sei.

Erst wenn sich die Lage stabilisiere, werde man wieder auf das Gesundheitsamt zugehen, das „Gewehr bei Fuß“ stünde, um Wasserproben zu entnehmen. Ludwig Kern rechnet nicht damit, dass sich das Problem in den kommenden Tagen erledigt haben könnte. „Wir müssen damit rechnen, dass es noch etwas dauert, bis sich der See erholt.“ Bis dahin gilt ein sogenanntes Badeverbot, das faktisch bedeutet: Jeder, der ins Wasser geht, tut das auf eigenes Risiko und entgegen den Warnungen des Gesundheitsamtes.

„Ernsthafte Gefahr vor allem beim Verschlucken“

Was gemeint ist, wenn von Blaualgen die Rede ist, sind Cyanobakterien, deren Stoffwechselprodukt Microcystin in hoher Konzentration für Menschen gesundheitsschädlich sein kann. Mögliche Folgen bei Kontakt oder Verschlucken sind Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen, Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen oder allergische Reaktionen.

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg warnt: „Ernsthafte Gefahr kann vor allem beim Verschlucken größerer Mengen kontaminierten Wassers bestehen, dies gilt besonders für Kleinkinder, aber auch für mitgeführte Haustiere wie zum Beispiel Hunde.“

Weil die Blaualgen im Badesee zum alljährlichen Wiederholungsärgernis zu werden drohen, sucht die Gemeinde nach Ursachen und Lösungen für das Problem. Derzeit ist Jennifer Lloyd-Pippich, eine Master-Studentin im Fach Umweltschutz der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HFWU) Nürtingen-Geislingen, dabei, genauer zu untersuchen und herauszuarbeiten, woran es liegt, dass der See von den Cyanobakterien heimgesucht wird und herauszuarbeiten, welche Gegenmaßnahmen helfen könnten.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit sollen im Detail im Herbst vorgestellt werden. Gegenüber unserer Zeitung hat sie jedoch vor kurzem schon einen Einblick gegeben.

Schweiß, Sonnencreme und Urin als Beitrag zu „massivem Nährstoffeintrag“

Jennifer Lloyd-Pippichs Erklärung zufolge brauchen die Blaualgen für ihre Vermehrung warme, trockene Sommer mit ausreichender Nährstoffversorgung. Und ein wichtiger Nährstoff ist für sie Phosphor. Wie kommt das in den See? Dazu sagt Jennifer Lloyd-Pippich: „Die Badegäste sind, Stand jetzt, eine der Hauptphosphorquellen am Plüderhäuser See. Durch Schweiß, Sonnencreme und Urin tragen sie insbesondere unter Idealbedingungen zu einem massiven Nährstoffeintrag bei. Daher sind die Aufklärung der Badegäste und der Ausbau sanitärer Anlagen wichtige Stellschrauben bei der Verringerung des Blaualgenaufkommens.“ Nach Beobachtung von Ludwig Kern gibt es derzeit nur wenige Menschen, die trotz Warnhinweisen im See baden gehen – was natürlich auch mit am wenig badeseetauglichen Wetter liegen dürfte. Kern wirbt aber für den See als Naherholungsziel abseits vom Badespaß. „Wir haben eine schöne Landschaft, eine schöne Liegewiese, Spielgeräte für Kinder und ein schönes Angebot von den Kioskpächtern. Man kann dort auch so den Tag genießen bei schönem Wetter.“

Die neuen Kioskpächter, die in dieser Saison am Badesee angefangen haben, hatten bisher in doppelter Hinsicht einen schweren Stand: Nicht nur, dass nun schon wieder die Blaualgen die Badegäste fernhalten, auch der Sommer war ja bisher kaum vorhanden. „Wir sind trotzdem zuversichtlich“, sagt Moritz Blankenhagen, der zusammen mit Georg Vlassidis den Kiosk betreibt. „Wir lassen uns nicht kleinkriegen.“ Sie wollen sich in Zukunft verstärkt auf Veranstaltungen konzentrieren, wie Blankenhagen erzählt. Denn zu den Live-Musik-Abenden, die schon stattgefunden haben, kamen die Leute durchaus an den See. Am Mittwoch, 11. August, findet das nächste Konzert statt. Es spielen ab 19 Uhr Nasim Kholti und Florian Ostertag. Die Singer-Songwriter sind gerade auf „Fahrrad-Anhänger-Tour“.

Ab Montag, 9. August, habe der Kiosk auch wieder durchgängig an sieben Tagen die Woche von 11 bis 19 Uhr auf, sagt Moritz Blankenhagen. „Bei schönem Wetter“, schränkt er allerdings ein. Die Aussichten dafür sind laut Vorhersage in den kommenden Tagen nicht schlecht. Reinhold Manz

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