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Bauwagentreff Heide: Jetzt sprechen die Jugendlichen

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Die Jugendlichen vom Bauwagenverein Heide in Oberkochen (v.l.): Luca, Valentino, Samuel, Simon, Nick, Lorenz, Anna.
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Junge Mitglieder des Vereins fühlen sich falsch dargestellt. Wo sollen sich junge Menschen auf der Heide treffen? Wie es vor Ort aussieht und was die Betroffenen sagen.

Oberkochen-Heide.

Da sitzen sie nun vor ihrem Bauwagentreff im Oberkochener Stadtteil Heide. Simon, Luca, Valentino, Lorenz, Alisa, Anna, Nick und Samuel. Alle zwischen 17 und 18 Jahre alt. Sie gehen entweder zur Schule oder machen eine Lehre. Nachmittags und abends treffen sie sich gerne. Das dürfen sie jetzt sonntags bis donnerstags von 14 bis 22 Uhr am und im Bauwagen. Freitags und samstags ist der Treffpunkt geschlossen - vorerst. Die Jugendlichen sind quasi auf Bewährung. Es gab Beschwerden. Der Gemeinderat Oberkochen musste sich der Sache annehmen.

Die Heide in Oberkochen besteht aus schmucken Häusern. Reihenhäuser, Ein- und Mehrfamilienhäuser sicherten vor mehr als 50 Jahren das Wachstum Oberkochens und die Belebung der Heide. Wer auf die Heide fährt, legt einige Höhenmeter zurück. Die jungen Menschen, die auf dem Plateau wohnen, kennen sich. Es ist schwer, sich aus dem Weg zu gehen. Jugendtreffs gibt es über den Dächern von Oberkochen nicht, dafür aber direkt in Oberkochen, am Bahnhof. Mal eben so zum Jugendtreff wandert man von der Heide nicht ins Tal. Ein strammer Fußmarsch von 30 Minuten muss eingeplant werden.

Seit Jahrzehnten gibt es den Bauwagen

Wie gut, dass es seit 25 Jahren auf der Heide einen Bauwagentreff gibt. Der liegt am Waldrand an der Galileistraße auf einer großen Wiese. Ein Bolzplatz, ein Basketballfeld und eine Rampe für Skater gibt es auf der Fläche auch. Heile Welt also? Mitnichten. Es gibt Ärger im Stadtteil. Von einer wilden Partyszene ist da die Rede. Begriffe wie Drogenkonsum und -handel fallen im Zusammenhang mit dem Bauwagen. Wer der Politik zuhört, wähnt sich in einem sozialen Brennpunkt mit lauter gescheiterten Existenzen und zukunftslosen jungen Menschen.

Zu dem Gelände gehören noch ein Bolzplatz, ein Basketballplatz und eine kleine Rampe für Sakter.

 Nur erfüllen Simon, Luca, Valentino, Lorenz, Alisa, Anna, Nick und Samuel so gar nicht das Klischee einer hoffnungslosen Generation. Sie treffen sich, reden gerne miteinander und ja, trinken auch einmal das ein oder andere alkoholische Getränk. Musik hören? Ja klar. Was Jugendliche nun einmal so machen. Obgleich: Die jungen Menschen auf Party und Trinken zu beschränken, wäre zu kurz gesprungen. Denn die Mitglieder des Bauwagenvereins (ja, es gibt sogar einen Vorstand und damit sogar zwei Ansprechpartner) beteiligen sich an städtischen Aktionen. Sei es die Teilnahme an einem Sportfest in Ungarn, dem Verkauf von Feuer- und Currywurst beim Oberkochener Stadtfest oder beim diesjährigen Palio-Rennen – die jungen Menschen bringen sich ein. Am 12. Mai gab es zudem eine Suchtpräventionsveranstaltung von der Polizei. Die Jugendlichen sind hingegangen. Aber nicht, weil sie süchtig sind. Auch Gemeinderäte waren vor Ort. Im Anschluss gab es nämlich noch ein sogenanntes Reflexionsgespräch ob der „Probleme“. Man sei auf einem guten Weg, hieß es im Anschluss.

Die Bauwagenhütte besteht aus zwei Bauwagen und einem überdachten Verbindungsweg. Feuerlöscher hängen griffbereit. Sogar ein Kohlenmonoxidmelder wurde angebracht. Städtische Mülleimer gibt es auf dem Gelände nicht. Die Jugendlichen haben einen eigenen Mülleimer im Bauwagen. Wenn die Müllsäcke voll sind, gibt es einen Hinweis an die Stadt. Wenn auf der Heide die öffentliche Mülleimer geleert werden, nimmt auch jemand den Sack der Jugendlichen mit. Diese Kooperation klappt sehr gut.

Wo sollen sich junge Menschen treffen?

Ihren Bauwagen verlieren wollen die Jugendlichen nicht. „Das ist für uns ein toller Treffpunkt und besser, als sich in eine Bushaltestelle zu quetschen“, sagt Luca. Mit einem Dutzend Jugendlichen bei einem Freund ins Haus zu gehen ..., das stößt bei manchen Eltern auf Widerstand. Warum auch? Wer steht schon gerne unter Beobachtung? Deshalb sind Freiräume auch so wichtig.

Vor zwei Jahren sind Vereinsmitglieder schon einmal von Haus zu Haus gegangen und haben nachgefragt, ob sie zu laut sind, ob ihre Anwesenheit stört. Sie seien auch einmal von einer Frau angesprochen worden, als auf dem Platz Glassplitter lagen. „Da müssen ja nicht immer wir gewesen sein, aber wir haben es natürlich sofort weggemacht“, sagt Samuel. Die Polizei war zuletzt vor einem Jahr vor Ort. Da feierte Valentino seinen 16. Geburtstag. „Wir haben die Musik dann leiser gemacht“, erinnert er sich.

Sowieso würden sich die jungen Menschen freuen, wenn öfter einmal Anwohner vorbeischauen, zumindest, wenn es Probleme gibt. „Vieles kann man ja untereinander klären. Da muss doch nicht immer sofort die Stadt bemüht werden“, sagt Anna.

Wie geht es weiter: Der Bauwagenverein sowie Stadt und Gemeinderat sind im Gespräch. Zumindest die Jugendlichen sind überzeugt, dass es ein tragfähiges Konzept geben wird und die Bauwagentradition auf der Heide nach 25 Jahren nicht stirbt.

Mehr zum Thema: Letzter Versuch für Bauwagentreff

Blick auf die Hütte in Heide. Zwei blaue Bauwagen werden durch einen überdachten Gang miteinander verbunden.

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