Firma Hensoldt kauft großes Stück des YG-1-Areals in Oberkochen

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Geplante Gewerbegebiet-Erweiterungen in Oberkochen
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Was die Erweiterungsfläche für YG-1 mit dem umstrittenen Gewerbegebiet Oberkochen Süd III zu tun hat. Warum der Gemeinderat noch nicht informiert ist.

Oberkochen

Das ist ein Paukenschlag. Die Hensoldt AG hat im Gewerbegebiet Süd das 1,7 Hektar große Gelände gekauft, das die Stadt Oberkochen dem südkoreanischen Werkzeughersteller YG-1 als mögliche Erweiterungsfläche zugesagt hatte. Damit reagiert die Stadt auf die Kritik am geplanten Gewerbegebiet Oberkochen Süd III unterhalb des Rodsteins. Nicht nur die Grünen im Gemeinderat und eine Bürgerinitiative haben Einwände gegen das Gewerbegebiet auf dem 8,3 Hektar großen Areal mit Biotopen und seltenen Tier- und Pflanzenarten, sondern auch das Regierungspräsidium Stuttgart und der Regionalverband haben signalisiert, dem Vorhaben in dieser Größe nicht zuzustimmen.

Bürgermeister Peter Traub bestätigt jetzt auf Anfrage, dass der Vertrag mit Hensoldt bereits unterschrieben ist. „Ich gehe davon aus, dass die Gemeinderäte, die wegen der Aktualität noch nicht informiert sind, dem in der nächsten Sitzung zustimmen werden“, gibt sich Traub sicher.

Die nächste Runde

Die Debatte und das Verfahren um das geplante Gewerbegebiet Oberkochen Süd III geht damit in die nächste Runde. Hinter verschlossenen Türen hat Traub mit Regionalverband und Regierungspräsidium um eine Lösung gerungen. Denn im gültigen Flächennutzungsplan ist das gut acht Hektar große Gelände als Grünzug eingezeichnet. Um dort bauen zu können braucht es ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren, dem die Behörden zustimmen müssen.

Der Eingriff in die sensible Flora und Fauna sowie in die vorhandenen Biotope ist, wie Traub betont, mit dem Kauf des YG-1-Areals deutlich gesunken. Allerdings, so räumt das Stadtoberhaupt ein, seien die 1,7 Hektar des YG-1-Options-Geländes für den Hensoldt-Neubau nicht groß genug.

„Wir brauchen weiterhin einen Teil des bisher geplanten Gewerbegebiets Süd III.“ Aber die Reviere von Schlingnatter, Haselmaus & Co. seien dann nicht mehr tangiert.

Derzeit überarbeite der Hersteller von Verteidigungs- und Sicherheitselektronik seine Baupläne. Erst dann stehe die insgesamt benötigte Fläche fest. „Mit einem kleineren Baufenster auf dem sensiblen Gelände können wir eine Beitrag zum Arten- und Naturschutz leisten. Das war mir enorm wichtig“, sagt Bürgermeister Traub mit dem Hinweis, dass sowohl das Regierungspräsidium als auch der Regionalverband über den aktuellen Stand informiert seien.

Die Zeit drängt

Die Zeit drängt. Denn Hensoldt will sein Vorhaben schnell umsetzen. Deshalb wolle die Stadt, wie Traub sagt, das Zielabweichungsverfahren im Oktober bereist vorab stellen und, darauf aufbauend, bis Ende November den Bebauungsplan erarbeiten. „Ich gehe davon aus, diesen am 8. Dezember im Gemeinderat zu beraten“, sagt der Bürgermeister. Insgesamt rechnet Traub mit keiner Verzögerung.

Ziel von Hensoldt ist, dass der geplante Neubau vor Ende 2024 fertig ist. „Das ist unser Wunschtermin“, sagt Konzernpressesprecher Lothar Belz. Bis dahin soll der Umzug der 700 Mitarbeiter an den neuen Standort vollzogen sein. Das hänge jetzt auch vom Raumordnungsverfahren ab.

Einspruch der Grünen

Die Oberkochener Grünen wollen den Neubau am Gewerbegebiet Süd verhindern. Deshalb haben sie Einspruch gegen den Bebauungsplan bei der Stadt eingereicht. Martin Schaub und Karin Kratzer-Wirth vom Ortsverband nennen zahlreiche Argumente, die aus ihrer Sicht, gegen eine Bebauung des Hangs unterhalb des Rodsteins sprechen. Um ein neues Gebäude an dieser Stelle zu errichten, werden aufgrund der Hanglage „unverhältnismäßig viel Fläche verbraucht“. „Damit widerspricht der Bebauungsplan dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“, sagt Schaub.

Karin Kratzer-Wirth nennt unter anderem neben dem Arten- und Hochwasser- auch den Klimaschutz. „Intakte regionale Grünzüge wie dieser unterhalb des Rodsteins regulieren das Klima“, sagt sie und fordert Standortalternativen in der Region.

Hensoldt Optronics– eine Tochter der Hensoldt AG – stellt am Standort Oberkochen Sensoren für militärische und Sicherheitsanwendungen her. Unter anderem werden dort Wärmebildkameras, U-Boot-Periskope und Messgeräte für die Computer-Industrie produziert.

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