Auf ein paar Worte mit Frankensteins „Monster“

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Alice Katharina Schmidt als Frankensteins Monster in der aktuellen Inszenierung von Jonathan Giele und Marco Kreuzer am Theater der Stadt Aalen.
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Alice Katharina Schmidt kehrt als Mary Shelleys berühmte Kreatur zurück auf die Bühne. Wie sie das Monster selbst sieht und was ihr Angst macht.

Aalen

Mensch und Monster. Der Roman um Viktor Frankenstein und seine Kreatur ist wohl eine der berühmtesten in der Horrorliteratur. Nun hat das Theater Aalen diese auf dem Spielplan. Mit der Inszenierung von Jonathan Giele und Marco Kreuzer kehrt auch die Schauspielerin Alice Katharina Schmidt, die mittlerweile Mutter von Zwillingen ist, zurück auf die Aalener Bühne. Sie hat in dem Stück gleich mehrere Rollen - auch die des Monsters. Im Interview erzählt sie, wie sich in diese Figur einfühlt, wie man zwischen den Rollen wechselt und warum es in „Frankenstein“ für sie auch um das Gebären geht.

Frau Schmidt, Sie kehren nach einer Babypause auf die Aalener Bühne zurück als Frankensteins Monster? Ist das eine Traumrolle, greift man da sofort zu?

Alice Katharina Schmidt: Tatsächlich habe ich schon über mein aktuelles Rollengenre nachgedacht ... Ich spiele in Stendal im Theater der Altmark momentan zudem den Judas. Das ist auch keine weibliche Figur. Tatsächlich war ich dann auch ein wenig aufgeregt vor der Aalener Premiere. Ich finde die Rolle toll, aber ich versuche, jede Rolle, die ich habe, so ernst zu nehmen, dass sie mich innerlich auch bewegt. Es tritt in dem Stück ja auch die Autorin auf, was ich superspannend finde, und ich habe sofort ja gesagt. Das Wechseln zwischen den Figuren hat mich gereizt - ich bin Monster, aber auch Autorin, die Mutter und Justine.

Wie bekommt man das denn hin? Sie treten dabei ja teilweise nicht mal von der Bühne ab.

Kostüme und Licht helfen dabei. Wenn man als Justine etwa im Kegel eines gleißenden Lichtes steht, das das Auge des Gerichtes verkörpert, dann funktioniert das sehr gut. Das Theater hat hier viele Mittel.

Wie haben Sie sich den in das Monster hereingefunden?

Es ging zunächst einmal um die Frage, wie man Horror ins Theater bringt. Als ich mich dann näher mit dem Inhalt des Romans befasst habe, war es für mich gar kein Horrorstück mehr. Es sind durch die Verfilmungen viele Missverständnisse entstanden. Es ist ein absolut visionärer Text, wobei unsere Inszenierung den Schwerpunkt nicht auf den Aspekt der Wissenschaft darin legt. Es geht dabei aber um den Wissenschaftler Viktor Frankenstein, aber das Leben der Kreatur, wie sie zu dem wird, was sie letztendlich ist, nimmt ebenfalls viel Raum ein. Es geht aber auch um zwischenmenschliches Mitleid, um Einsamkeit, um einen Menschen, der das Leben mit einem teilt. Der Kreatur geht es nicht darum, sich fortzupflanzen, aber in dem Roman geht es durchaus darum.

Können Sie das genauer erklären?

Der Roman wurde von einer Frau, Mary Shelley, geschrieben, die viele Kinder verloren hat, bevor sie am Ende selbst vier Kinder hatte. Es geht in „Frankenstein“ eben auch um das Gebären, darüber, etwas, in die Welt zu setzen, von dem du dann feststellst, dass Du es irgendwann nicht mehr kontrollieren kannst.

Das Monster, das gerufen wurde, wird zum Mörder. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Im Großen und Ganzen schon. Die Lebensgeschichte ist sehr gerafft. In 20 Minuten nach der Pause wird erzählt, was die Kreatur über viele Jahre hin erlebt. Die Entdeckung des Feuers als eine Kraft, die Wärme spendet, aber auch Verderben bringt. Die Angriffe mit Äxten, Mistgabeln. Als die Kreatur die Hütte anzündet, hat sie eine Entscheidung gefällt: Wenn mir das Entsetzen über mich von der Gesellschaft zugespielt wird, ich dahin gedrängt werde, dann werde ich es auch verbreiten.

Was macht Ihnen denn Angst? Etwa Horrorgeschichten?

Respekt vor Dingen trifft es eher. Angst ist ein schwieriger Begleiter. Ich habe Respekt vor dem, was Wissenschaft mittlerweile kann, was die Künstliche Intelligenz mit uns macht. Das Klonen von Menschen und Tieren, das ist auch eine Sittenfrage. Wie viel ist für uns Menschen gut, was schadet uns, das ist für mich ein wichtiges Thema.

Warum sollte man das Stück gesehen haben?

Es ist eine ästhetische Inszenierung. Sie erzählt uns viele Anekdoten über uns selbst, über das Leben, die Verantwortung, die man diesem gegenüber, aber auch sich selbst gegenüber hat.

Gruselrabatt im Theater bei "Frankenstein": Unheimlich soll es bei der Aufführung am Samstag, 16. Oktober um 20 Uhr im Kulturbahnhof nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Zuschauerraum werden: Wer sich für den Besuch der Vorstellung gruselig kostümiert, erhält beim Kauf an der Abendkasse einen Rabatt in Höhe von zwei Euro auf den Eintrittspreis. Wer seine Karte bereits im Vorverkauf erworben hat, darf mit einer kleinen Überraschung an der Kasse rechnen.

Das Stück „Frankenstein“ wird nur noch am kommenden Wochenende, dann erst wieder im März gespielt. Auf dem Spielplan steht als nächstes „Romeo und Julia“. Intendant Tonio Kleinknecht erklärt dazu: „Aufgrund von unserer achtmonatigen Zwangspause haben wir einen kleinen Produktionsstau. Romeo und Julia ist bühnenbildmäßig mit dem Weihnachtsstück verknüpft und wir haben letzte Spielzeit sechs ausverkaufte Vorstellungen absagen müssen und sind deshalb sehr froh, das Team noch mal zusammengekriegt zu haben. Leider fehlt uns das technische Personal für einen Repertoirebetrieb. Frankenstein dann wieder ab 18. März 2022.“

Alice Katharina Schmidt.

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