Brauchles Einladungen zum inneren Dialog

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Die Gedankenwelt des „Stiftgebiets“ des Ellwanger Künstlers ist im Ellwanger Schloss zu erleben.
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„Stiftgebiet“ lässt in der Ruhe viel Kraft entstehen und lädt ein in weite Assoziativräume.

Ellwangen. „Es ist gut, wenn man genau hinschaut“. Einer dieser einfachen Sätze, die doch viel Tiefe in sich tragen. Solche Sätze formuliert der Ellwanger Künstler Ulrich Brauchle viele, als er am Sonntag die ersten Besucher durch seine neue Ausstellung führt. Maske tragend und als Kleingruppe angemeldet genossen die sichtlich, wieder ins Werk eines kreativ Schaffenden einzutauchen und beim Studium von Brauchles 41 Bleistiftzeichnungen auf Entdeckungsreise ins „Stiftgebiet“ zu gehen. „Bilder sind ein Spiegel in den Menschen hinein“ - sagt Brauchle.

Vor rund einem Jahr habe die Ellwangerin Eva Gentner in den Wohn- und Atelier-Räumen von Karl-Heinz Knödler im Schloss zuletzt ausgestellt, dabei vor allem mit neuen Medien, im Digitalen und als Rauminstallation Bezug zu Knödlers Schaffen gesucht. Nun kehre er „relativ klassisch“ mit Zeichnungen, mit Bildern, denen ihre Rahmung klare Grenzen setze, quasi mit dem öffentlichen Kunstbetrieb an diese Stelle zurück. Seine Bezüge zu Kunstschaffenden mit regionalen Wurzeln zu suchen beschäftige ihn schon lange, so Brauchle. Knödler, Retzbachs Geigen, Stirners Landschaften oder Schwäbles Malkoffer, den er geerbt hat, – immer wieder träfen ihn Anlässe, würden Verbindungen geschaffen. Nun, verrät Brauchle, zu Hannes Münz, aus dessen Nachlass er „einen Kofferraum voll Papier“ erhalten habe. Auf diesen Schnipseln, aus Abfällen, auf denen auch mal „ein Strich drauf war“, habe er Neues geschaffen, dem scheinbar Wertlosen neuen Wert gegeben, als er sich in der Pandemie-Zeit täglich auf seinen Stuhl gesetzt habe und im Atelier „drei, vier oder fünf“ Zeichnungen pro Tag gefertigt habe, von denen er nun 41 zum Aufzeigen seines „Stiftgebiets“ ausgewählt habe. Alle sorgsam in selbst gezimmerte Rahmen aus heimischen Bäumen arrangiert ergeben sie mal konkreter, mal sehr reduziert Hinweise auf Brauchles „inneren Speicher“: Während er bei seiner Serie der Landschaften hinaus in die Natur ging, steuerten diesmal Impulse, die „Kraft der Linie“, Gespür, Instinkt und Intuition die Hand beim Malen im Atelier.

Der Betrachter wird zur Ruhe geführt, zur inneren Einkehr, fast kontemplativ, wenn er sich den Bildern nähert. Brauchle setzt so einen Kontrapunkt zum oft so lauten, schnellen, überfrachteten Medienkonsum unseres Alltags. So will Brauchle mit seinem Werk sensibilisieren, die Ausstellung als „Meditationsraum“ sehen. Der Schriftsteller Robert Walser habe ihn inspiriert, der auf Postkartengröße Romane geschrieben habe. Erst bei genauer Betrachtung dieser Mikrografik könne man die verdichtete Sprache dechiffrieren. So ist es auch mit Brauchles Zeichnungen: Titelei, Umstände, Andeutungen und letztlich jede einzelne Linie geben Hinweise, die helfen, die tatsächliche Bedeutungstiefe auszuloten. Denn im ersten Moment sagt Brauchle selbst: „Es sind keine lauten Zeichnungen.“

Benjamin Leidenberger

Die Ausstellung ist bis 18. Juli jeweils Samstag, Sonntag und an Feiertagen, 14.30 bis 17 Uhr zu sehen. Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen.

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