EKM-Finale mit Knef und Karat

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Das Metropolorchester Stuttgart mit Conférencier Felix Heller setzt einen glamourös-mitreißenden Schlusspunkt unter das Festival Europäische Kirchenmusik 2022. Foto: Hientzsch
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Beim letzten Konzert gibt es anstelle von Kirchenmusik Schlager, Chansons, Pop und Jazz – mit dem Stuttgarter Metropolorchester auf hohem klassischen Niveau.

Schwäbisch Gmünd

Was fürs Essen gilt, gilt auch für die Musik: Das Auge genießt mit. Mit einem glanzvollen Auftritt des Stuttgarter Metropolorchesters endete am Samstagabend auf der Remsparkbühne das Festival Europäische Kirchenmusik 2022.

Mit 14 Musikern hat die Formation Kammerorchestergröße, ist aber mit Bläsern, Flöten, Streichern, Gitarre, Bass, Drumset und drei Vocals opulent besetzt. Zusammen mit Conférencier und Sänger Felix Heller sowie zwei Background Vocals interpretierten sie vor voll besetzten Reihen Chansons, Pop-Songs, Jazz-Standards und Eigenkompositionen. So machten sie die Vision Europa – so das diesjährige EKM-Motto – zu einer weltweiten Vision, indem sie Lieder aus der Türkei, aus Israel, Japan und Afrika einfließen ließen. Der Titel „Eine Hommage an die Welt“ verspricht nicht zu wenig.

Höhepunkte sind die Chansons

Warm spielen muss sich die 2015 von Michael Lieb und Felix Heller gegründete Formation nicht. Gleich mit der Ouvertüre starten die Musiker jazzend durch und bescheren ihrem Leiter einen fulminanten Auftritt. Abruptes Ende mit einem winzigen Triangelklang, aber nur, um Spannung aufzubauen. Und schon nimmt die Musik wieder Fahrt auf und geht direkt über zu Hildegard Knefs melancholischem Klassiker „In dieser Stadt“.

Das ganze gut zweistündige Konzert ist mitreißend. Höhepunkte sind indessen die Chansons. Felix Heller lässt die zum Teil längst vergangenen Hits aufleben, als wären sie allem Zeitlichen entrückt. Kein Halten gibt es bei Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“; bei der zweiten Strophe übernimmt das Publikum begeistert den Refrain.

„Bei mir bist du schön“, ein altes jiddisches Traditional, singen sie in der flotten Version von The Hot Sardines. Wie die drei Vocals interagieren, ist bestes Broadway: Sie umgarnen sich, flirten miteinander und schäkern mit dem Publikum.

Zum Glück halten sich die beiden Background-Sängerinnen nicht nur im Hintergrund auf. „La Bohème“ von Aznavour etwa interpretiert Julia Heinrich, eine ausgebildete Musicaldarstellerin aus Aalen, zum Dahinschmelzen und mit ausgefeilter Körpersprache. Johanna Pommranz, die auch in Oratorium, Lied und Oper zuhause ist, bringt in die U-Musik einen richtig klassischen stimmlichen Ausdruck, zumal die Sopranistin in den Höhen brilliert.

Zusammengehalten wird das abwechslungsreiche Programm von Conférencier Felix Heller, einem Charmeur, wie er im Buche steht. Er unterhält das Publikum ohne Verschnaufpause und bindet es gerne auch mit ein, indem er beispielsweise Partituren verteilt oder erraten lässt, von welchem Beatles-Song das israelische Nationallied „Lu Yehi“ inspiriert wurde. Sentimental wird es bei dem Song „Über sieben Brücken“ von Karat, bei dem zahlreiche Handylampen angehen und im Rhythmus hin und her geschwenkt werden. Dazwischen gibt es Instrumentalstücke, die von Michael Lieb arrangiert oder komponiert wurden, bei jedem Einzelnen springt die Spielfreude über, was am Ende zu stehendem Applaus und drei Zugaben führt.

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